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Die Bedeutung von Himmelfahrt für die Christen

Thema des Tages Die Bedeutung von Himmelfahrt für die Christen

Brückentag, Vatertag, Feiertag: Am Donnerstag wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Viele Männer ziehen mit Bier und Bollerwagen durch die Botanik. Die Christen treffen sich zum Gottesdienst. Aber was bedeutet dieser Tag?

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Altarbild in der Klosterkirche Nikolausberg: Jesus steigt in den Himmel auf, zu sehen sind nur die Füße.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. . Was ist eigentlich Himmelfahrt? Das Oberhaupt des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen gesteht: „Das ist nicht ganz leicht zu erklären“. Die Frage, was Himmelfahrt eigentlich bedeutet, beantwortet Superintendent Friedrich Selter so: „Das ist die Erhöhung Christi, des Sohnes Gottes, zu Gott-Vater“. Soweit die theologische Erklärung.

Die erschließt sich aber nicht unbedingt sofort für den Laien. Himmelfahrt, das ist der Tag, an dem – so steht es im Markusevangelium – Jesus in den Himmel aufsteigt. Dort (Markus, Kapitel 16) heißt es:  „Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzt zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten.“

Selter erklärt die Auswirkung dieses biblischen Vorgangs auf das Christentum so: Bis zur Himmelfahrt war Jesus ein eher regionales Phänomen, er hatte seinen Wirkungskreis in Israel. „Dort war er aktiv, dort wurde er verurteilt und ans Kreuz geschlagen, dort zeigte er sich als der Auferstandene“, so der Göttinger Superintendent. Durch den Aufstieg in den Himmel wurde „diese Präsenz entgrenzt“.  Die Fahrt gen Himmel hat Jesus also der geografischen Zuordnung im Nahen Osten enthoben und eine universelle Verfügbarkeit ermöglicht.

Botschaft für die ganze Welt

Heute könnte das so gehen: Statt auf einem stationären Computer (Israel) befindet sich die christliche Botschaft nun also im World Wide Web (Himmel). Vernetzte Freunde (Jünger) verbreiten anschließend munter mit ihrem Smartphone die Nachricht (predigen). Das Christentum wird erst durch Himmelfahrt zur globalen Religion, verbreitet sich – wie Facebook – rund um die Erde.  Selter: „Himmelfahrt symbolisiert, dass die christliche Botschaft der ganzen Welt gilt.“
Nun liegt am Himmelfahrtstag die Auferstehung Christi an Ostern aber bereits sechs Wochen zurück. Könnte Himmelfahrt nicht gleich ein paar Tage nach Ostern gefeiert werden, die Nachricht sich sofort weltweit verbreiten? „Die Wartezeit beträgt laut Apostelgeschichte 1,3 genau 40 Tage“, erklärt Selter. Und das sei „ein theologischer Kniff“.

Denn die Zahl 40 spielt in der Bibel ein große Rolle. 40 Jahre lang dauerte der Auszug der Kinder Israel aus Ägypten. Jesus ist 40 Tage in die Wüste gegangenen, um Versuchungen zu trotzen und unmittelbare Gottesnähe zu erfahren. In der Katholischen Kirche wird sechs Wochen nach dem Tod eines Menschen ein Sechswochenamt gehalten, ein Gottesdienst, in dem des Gestorbenen gedacht wird. Zeit, den ersten Teil der Trauer zu beenden. Die Zeitspanne ist angelehnt an die Dauer der Fastenzeit, die ebenfalls 40 Tage beträgt.

Nähe zu Christus

40 Tage sind also ein guter Zeitraum, Dinge auf sich wirken oder sacken zu lassen. „Das gibt den Christen die Zeit, in der sie sich der Nähe zu Christus bewusst werden können“, sagt der Theologe. Spezielle kirchliche Rituale für diesen Zeitraum gebe es aber nicht. In der Bibel hat sich Christus in dieser Zeit nur punktuell seinen Anhängern gezeigt.

In der Apostelgeschichte ist der Vorgang der Himmelfahrt anschaulich beschrieben: „Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.“

Wie Selter erklärt, zeigt das: „Der Mensch fährt ganz und gar zu Gott auf.“ Und zwar mit Leib und Seele,  denn der Glaube betreffe den ganzen Menschen mit allen Facetten des Lebens. Und das sei auch die Botschaft Himmelfahrts: „Wir gehen der Liebe Gottes nicht verloren, diese Liebe ist belastbar und trägt auch durch den Tod in neues Leben.“

Am Donnerstag ist „Vatertag natürlich“

Am Donnerstag ist Feiertag. Mathis Richtmann hat sich unter Göttingern umgehört, warum an diesem Tag wohl nicht gearbeitet wird und und was Himmelfahrt eigentlich bedeutet.
Viele Göttinger antworten spontan: „Na, Vatertag natürlich“ und wissen beim Stichwort Himmelfahrt nicht ganz weiter. Einige wussten es aber doch genauer:

Doris Ebrecht aus Dransfeld macht es kurz: „Das ist ein kirchlicher Feiertag, kein Vatertag!“.

Hans-Dieter Krause aus Harste meint: „Da ist Jesus in den Himmel gefahren.“ Während er „mit dem Ferrari oder Kamel“ murmelt, weiß es seine Frau genau: „Das ist nämlich ein hoher Kirchentag und nicht Vatertag!“

Ngo Thi Thanh Van studiert in Göttingen Volkswirtschaftslehre: „Ich weiß, dass am Donnerstag Feiertag ist, aber nicht genau warum. Es hat irgendwas mit Ostern zu tun.“

Ilona Wöhlert aus Eddigehausen weiß es genau: „Wir sind sehr christlich. Klar wissen wir das: Da steigt Jesus zu Gott Vater in den Himmel auf. Das ist anders als an Ostern, da erwacht er ja nur von den Toten.“

Klaus Meyer aus Bremerhaven ist gleichgültig: „Ich fahre sowieso nicht in den Himmel. Also ist das egal!“

Karo Otte aus Wolbrechtshausen kennt sich dagegen aus: „An Ostern ist Jesus auferstanden. Dann läuft er bis Himmelfahrt auf der Erde rum, fährt zum Himmel auf und sitzt dann zur Rechten Gottes.“ Ihr Freund kommentiert: „Ich glaube nicht so an Fantasy!“

Die einen feiern Christi Himmelfahrt, die anderen Vatertag. In Deutschland  werden beide Anlässe am selben Tag begangen. Am Vatertag ziehen in Niedersachsen traditionell Männer mit einem Bollerwagen durch die Lande. Der Genuss alkoholischer Getränke gehört zu vielen Vatertagstouren dazu, gerne wird anschließend gegrillt. Laut Wikipedia ist die heutige Form des Vatertagfeierns Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung aufgekommen.  Seit 1934 hingegen  ist Christi Himmelfahrt in Deutschland gesetzlicher Feiertag (in der DDR war der Tag nur bis 1966 und im Jahr 1990 ein gesetzlicher Feiertag).  Vatertag hieß in der DDR Männertag. Zu Ehren der Herren wird auch dort auf einer Tour das Glas (oder die Flasche) gehoben.

Himmelfahrt: Predigt unter freiem Himmel

Traditionell gibt es zu Himmelfahrt eine Reihe von besonderen Gottesdiensten in der Region. Heraus sticht dabei der Freiluftgottesdienst in Hottenrode bei Niedergandern. In diesem Jahr predigt dort der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister. Er leitet den Gottesdienst, der um 10 Uhr an der Kirche beginnt, gemeinsam mit Pastor Diemo Rollert aus Friedland. Musikalisch wird der Gottesdienst von den Posaunenchören aus Friedland, Groß Schneen und Reckershausen, vom ökumenischen Chor Friedland, von einen Projektchor und dem Bremker Frauenchor gestaltet. Im Anschluss gibt es Suppe und heiße Würstchen.

Vom ehemaligen Dorf Hottenrode ist nur die Kirche aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Sie hat im Verlauf der Geschichte immer wieder eine besondere Rolle gespielt. Zur Zeit der Glaubenskämpfe stritten katholische und lutherische Landesherren um die Kirche. Zur Zeit der deutschen Teilung grüßten von dort die westlichen Gemeinden mit Musik und Liedern gezielt über die nahe Grenze hinweg die DDR. Das niedersächsische Hottenrode liegt nicht nur an der Grenze zu Thüringen, sondern auch zu Hessen.

Auch andere Kirchengemeinden feiern Gottesdienste unter freiem Himmel oder für eine ganze Region.

Eine Auswahl:

Im  Kaiser-Wilhelm-Park in Göttingen kommen die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden der Region Südstadt um 11 Uhr an der Konzertmuschel zusammen.

In der Göttinger Innenstadt feiern die Kirchengemeinden um 10 Uhr in St. Jacobi einen ökumenischen Gottesdienst.

Ökumenisch ist auch der Gottesdienst um 10 Uhr in der Burgruine Sichelnstein . Im Anschluss wird gegrillt.

In Weende feiern ein halbes Dutzend Kirchengemeinden um 11 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst im Forstbotanischen Garten am Fassberg. Während der Predigt gibt es ein Kinderprogramm. Nach dem Gottesdienst wird gegrillt. Bei Regen wird der Gottesdienst in der Christophoruskirche in Weende, Theodor-Heuss-Straße 47-49, gefeiert. Info-Telefon bei unklarer Wetterlage: 05 51 / 3 45 65.

Die evangelischen Gemeinden im Bereich Northeim feiern um 11 Uhr einen Freiluftgottesdienst auf der Wilhelmswiese. Die CVJM-Bläser um Rolf Hartje und Meike Davids musizieren.

Im Kloster Bursfelde gibt es traditionell das Himmelfahrtstreffen der Georg-August-Universität Göttingen. Es beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, in dem der Abt, der Göttinger Theologie-Professor Joachim Ringleben, zum Thema „Der eine Weg“ predigt. Um 11.30 Uhr spricht Julia Fischer, Professorin für kognitive Ethologie zum Thema „Aus der Affengesellschaft“. Um 16 Uhr werden die Bursfelder Sommerkonzerte eröffnet.

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