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"Die Meisten leben nur noch, um zu arbeiten"

Marktumfrage in Göttingen "Die Meisten leben nur noch, um zu arbeiten"

Mehr Geld oder mehr Freizeit? Die Deutsche Bahn hatte ihre Mitarbeiter vor die Wahl gestellt. Mehr als die Hälfte hat sich jetzt für sechs zusätzliche Urlaubstage im Jahr anstelle einer Gehaltserhöhung entschieden. Die Mehrheit auf dem Göttinger Wochenmarkt findet das nachvollziehbar.

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Marie-Christin Gloth

Quelle: mze

"Das Geld, das ich habe, reicht mir aus", sagt Marie-Christin Gloth, die als Verkäuferin auf dem Göttinger Wochenmarkt arbeitet. "Ich hätte lieber mehr Freizeit." Sarah K., die ebenfalls am Stand steht, ist sich bei dieser Frage nicht so sicher. "Ich bin geteilter Meinung", sagt die Verkäuferin. Zwar komme die Freizeit oft viel zu kurz. "Ich will mir ja aber in der Freizeit auch was leisten können", gibt sie zu bedenken. Darum würde sie sich wohl eher für die Gehaltserhöhung entscheiden.

"Natürlich beides", antwortet Nahid H. scherzhaft auf die Frage, ob sie lieber mehr Geld verdienen oder mehr Urlaub haben möchte. Doch auch sie ist hin- und hergerissen. "Ich mache gerade gar keinen Urlaub, das Geld ist im Moment wichtiger", erzählt die Wochenmarktverkäuferin. Mit ihrem Lohn sei sie allerdings zufrieden: "Wenn mehr Geld, dann durch mehr arbeiten." Vor die Wahl gestellt, wären ihr darum ein paar zusätzliche Urlaubstage letztendlich lieber als eine Gehaltserhöhung, sagt sie.

Ein paar Meter weiter sieht Manfred Fichtelmann das ähnlich: "Die Meisten leben nur noch, um zu arbeiten, und arbeiten nicht mehr, um zu leben." Der Speditionskaufmann hätte gerne etwas mehr Zeit für sich und die Familie. "Was nützt einem das ganze Geld, das man verdient, wenn man keine Zeit hat, es auszugeben", fragt sich der 48-Jährige. Allerdings, gibt er zu bedenken, könnten sich die Menschen in Deutschland eigentlich nicht beschweren: "In anderen Ländern wird noch viel mehr und härter gearbeitet."

"Ich arbeite leidenschaftlich gern", erzählt hingegen Petra Oppermann von der Gärtnerei Oppermann in Adelebsen. Mit mehr Freizeit könne sie darum nicht viel anfangen. Zwar seien sie und ihr Mann selbständig. "Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich das Geld nehmen", sagt sie. Denn Geld lasse sich sinnvoll einsetzen, zum Beispiel zur Unterstützung der Familie. "Ich bin eben ein Arbeitstier und ein Familientier", erklärt Oppermann. "Ich denke eher an andere als an mich." Doch natürlich, sagt sie, würde sie sich von dem Geld ab und zu auch selbst etwas gönnen.

"Ich würde immer mehr Freizeit vorziehen", sagt wiederum Cornelia Kerkhoff. "Außer natürlich, wenn man am Existenzminimum lebt. Das wäre zynisch." Sie sei ohnehin für eine 30-Stunden-Woche, erklärt die Sozialarbeiterin, die das normale Arbeitsleben für zu stressig hält. "Alle meine Freunde, die eine 40-Stunden-Woche haben, leben an der Grenze der Belastbarkeit", meint Kerkhoff. Dass sich ausgerechnet die Mitarbeiter der Deutschen Bahn mehrheitlich für mehr Urlaub und nicht für mehr Geld entschieden haben, kann sie gut nachvollziehen. "Ich habe einen Bekannten, der bei der Bahn arbeitet", erzählt die Sozialarbeiterin. "Der hatte neulich ein Burnout." mze

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