Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Die Mietpreisbremse und ihre Folgen für Göttingen

„Vermieter nehmen, was Markt hergibt“ Die Mietpreisbremse und ihre Folgen für Göttingen

Deutschlands Vermieter reagieren auf die Mietpreisbremse, bevor sie 2015 kommt. Sie erhöhen die Mieten einfach vorab – zumindest ergab das eine Analyse des Mietwohnungsmarkts von elf Städten. Göttingen ist zwar nicht darunter, aber auch hier sind Mieten von 2013 auf 2014 überdurchschnittlich gestiegen.

Voriger Artikel
Prachttaucher: Seltener Gast auf dem Göttinger Kiesssee
Nächster Artikel
Das Leinetal im südlichen Niedersachsen

Deutschlands Vermieter reagieren auf die Mietpreisbremse, bevor sie 2015 kommt. Sie erhöhen die Mieten einfach vorab – zumindest ergab das eine Analyse des Mietwohnungsmarkts von elf Städten.

Quelle: dpa

Göttingen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschnungsseminar am Geographischen Institut. Der Göttinger Immobilieneigentümer-Verband Haus und Grund hat unterdessen seinen Mitgliedern nahegelegt, wenn, ihre Mieten noch in diesem Jahr zu erhöhen – und dies mit der Mietpreisbremse begründet.

Ob und wie viele der Mitglieder dies bereits getan haben, darüber könne sie nur spekulieren, sagt Susanne Et-Taib, Sprecherin von Haus und Grund. Wenn aber jemand schon lange nicht mehr seine Miete erhöht habe, dann werde er das in diesem Jahr auch noch tun.

So fiel denn auch der Rat des Vorsitzenden von Haus und Grund, Dieter Hildebrandt, bei der jüngsten Versammlung des Interessenverbandes in Sachen Mietpreisbremse nicht überraschend aus: „Wenn Sie Ihre Mieten erhöhen wollen, tun Sie das jetzt, bevor das neue Gesetz greift.“

„Gezwungen, die Mieten zu erhöhen“

Ohnehin sei die Mietpreisbremse kontraproduktiv, sagt Et-Taib. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei eine kommunale Aufgabe. Die Mitglieder von Haus und Grund, mehrere tausend Immobilienbesitzer, fühlten sich zudem von Bund und Land im Stich gelassen.

„Unsere Mitglieder sollen die ständig steigenden gesetzlichen Anforderungen erfüllen, energetisch hochwertige Gebäude errichten oder Bestandsimmobilien aufwändig sanieren“, erklärt Et-Taib. Gleichzeitig gebe es keine Fördermittel. Daher seien die Hausbesitzer vor allem im Oberzentrum „gezwungen, die Mieten zu erhöhen“.

Cornelius Blessin vom Mieterverein Göttingen hat das längst registriert. „Auch in Göttingen haben Erhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Die Wiedervermietungsmieten steigen ebenfalls rasant an.“ Ob das mit der Mietpreisbremse zusammenhänge, könne er nicht beurteilen. „Die Vermieter nehmen ohnehin, was der Markt hergibt.“

Blessin glaubt nicht, dass die Mietpreisbremse den Mietern helfen wird. Das Gesetz sei kaum zu handhaben. „Ich befürchte eine riesige Prozesswelle.“ Zudem ergebe die Mietpreisbremse nur Sinn, wenn es einen örtlichen Mietspiegel gebe. „Den gibt es aber in Göttingen nicht“, sagt Blessin.

„Das muss die Stadt dringend angehen“

Einen Mietspiegel aufzustellen, sei der Stadt zu teuer, sagt Blessin. „Das muss die Stadt aber dringend angehen.“ Und das Land müsse Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt benennen. Seiner Meinung nach treffe das auf das gesamte Göttinger Stadtgebiet zu.

Der Stadt gehe es überhaupt nicht um die Kosten für die Erstellung eines Mietspiegels, entgegnet Verwaltungssprecher Detlef Johannson. „Wir befürchten einen weiteren Anstieg der Mieten, da ein Mietspiegel auf der Entwicklung der Mieten der jeweils letzten vier Jahre fußt, nicht auf den Bestandsmieten.“ Man setze lieber weiter auf das Verfahren der vergleichsüblichen Miete.

Mietpreisbremse

Bisher darf die Miete beliebig hoch sein, wenn ein neuer Mietvertrag geschlossen wird. Das soll die Mietpreisbremse verhindern: Bei Neuvermietungen darf der Mietpreis künftig höchstens zehn Prozent über dem Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Die geplante Änderung des Mietrechts gilt nur in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt – und diese sollen die Bundesländer ausweisen. Dort soll die Mietpreisbremse dann für maximal fünf Jahre greifen.

Ausnahmen sind bislang vorgesehen für den Erstbezug von Neubauten und umfassende Modernisierungen. Die Mietpreisbremse soll in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016