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Heizen mit Heidschnucken

"Die Partei" im Café Kadenz Heizen mit Heidschnucken

Klar für den Brexit hat sich „Die Partei“ am Sonnabend in Göttingen ausgesprochen – allerdings nur für den Austritt Bremens aus Niedersachsen. Diese und andere Forderungen ähnlichen Kalibers wurden beim „Kampf der Reden“ im „Café Kadenz“ gleich massenweise aufgestellt.

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"Die Partei" im Café Kadenz.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Doch unter dem vielen Un- und Blödsinn der Partei-Parodisten fand sich dann doch das eine oder andere Körnchen Ernsthaftigkeit.

Klar im Vorteil gegenüber traditionellen Parteien

Gegenüber den traditionellen politischen Parteien klar im Vorteil ist „Die Partei“, eigentlich Die PARTEI ( P artei für A rbeit, R echtsstaat, T ierschutz, E litenförderung und basisdemokratische I nitiative) bei der Konzentration aufs Wesentliche. Keiner der Wettbewerber darf länger als drei Minuten reden. Die weiteren Kriterien der Organisatoren vom Göttinger „Partei“-Kreisvorstand: möglichst inhaltsfrei, möglichst große Rednerpräsenz und maximaler Eindruck aufs Publikum.

Doch zunächst beschwört Heide Haas, Kommunalwahlkandidatin für Grone, „den Geist von („Partei“-Chef) Martin Sonneborn". Der sitzt mittlerweile im Europaparlament, hat aber mal in Göttingen gewohnt – ausgerechnet im Haus des Café Kadenz.

Windräder gefordert

Nach dem „Partei“-Parteilied (Haas: „geklaut, aber gut“), legen Sonneborns Adepten los, um die dreiköpfige Jury zu beeindrucken. Deren Mitglieder können jeweils ein bis zehn Punkte vergeben. Windräder, fordert Klaas Otte aus Adelebsen, gehörten nicht über die Erde, sondern darunter, weil sie so am wenigsten Strom produzierten und man daher mangels Ertrag die meisten Subventionen abgreifen könne. Peter Walther spinnt einen großen historischen Bogen über die mysteriösen Todesfälle Sissi – Barschel – Haider und macht mächtig Punkte bei der Sinnfreiheit. Und Jens Bolm, immerhin Schatzmeister der niedersächsischen „Partei“-Organisation, möchte „ein Blockheizschnuckenkraftwerk“ bei Lüneburg errichten und setzt sich dafür ein, landesweit neue Straßen nur noch nach Küchengeräten zu benennen - „da gibt es keine Probleme mit irgendeiner Nazivergangenheit“.

Sowohl Walther (Haas: „Der heißt Wikipeter, weil Peter zu allem ein bisschen was weiß“) als auch Bolm lassen den eigentlichen Favoriten Nico Wehnemann mit knappem Vorsprung hinter sich. Der ist extra aus Frankfurt angereist, wo er es in den Stadtrat geschafft hat und damit einziger Profi-Politiker im Café Kadenz ist.

Bolm siegt mit einem Punkt Vorsprung

Schließlich siegt Bolm mit einem Punkt Vorsprung vor Walther. Danach erzählt der Schatzmeister von seinem Meisterstück: einer Reise von 37 Parteifreunden nach Brüssel zu „Partei“-Chef Sonneborn. „Für 37 Leute“, sagt Bolm, „gibt es von der EU genau 5629,80 Euro Zuschuss. Wir sind mit Flixbus gefahren und haben ein echt billiges Hotel gebucht. Keiner musste was zuzahlen, aber wir hatten noch 2000 Euro zum Versaufen übrig.“ Und hier wird sogar Spaß-Meister Bolm ein bißchen ernst: „Solche Geldverschwendung bei der EU macht keine andere Partei transparent. Nur wir.“

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