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Die Rabattjäger

Thema des Tages Die Rabattjäger

Still und unbemerkt hat sich das Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN) in Hann. Münden zu einem deutschlandweit agierenden Ausrüstungsdienstleister für öffentliche Betriebe und Institutionen entwickelt, der 2014 erstmals mehr als 100 Mio. Euro Umsatz machte. Der Schlüssel zum Erfolg: permanente Effizienzsteigerung. Nur vor Ort bei Kommunen und anderen öffentlichen Einrichtungen sind die Mündener noch weitgehend unbekannt.

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Qualität zählt: Warenprüfung und kontinuierliche Warenverbesserung in Absprache mit den Herstellern.

Quelle: Theodoro da Silva

Hann. Münden. Zwischen der Berufsbildenden Schule Münden und der Polizeiakademie Niedersachsen, mitten im Industriegebiet, flattern ein paar Fahnen mit dem Kürzel LZN im Wind. Dahinter: eine große Lagerhalle. Nichts, was auf den ersten Blick Neugier weckt. Auch nicht auf den zweiten. Und doch liegt hier das Logistik Zentrum Niedersachsen, ein Landesbetrieb, der 2015 etwa 120 Mio. Euro Umsatz mit Ausrüstung für Polizei, Forst, Feuerwehr, Justiz oder Ordnungsämter in elf Bundesländern machen wird. Tendenz stark steigend. Jüngst gab es auch die Anerkennung von außen, denn das LZN wurde Ende Januar 2015 mit dem Hamburger Vergabepreis ausgezeichnet. „Es ist sehr erfreulich, dass die langjährige, erfolgreiche Arbeit des LZN durch den sogenannten Oscar des Vergaberechts deutschlandweit anerkannt wird“, lobte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Warenversand optimiert: nur noch wenig Teillieferungen.

Warenversand optimiert: nur noch wenig Teillieferungen.

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Frank Hintze, der Geschäftsführer des LZN, wirkt so gar nicht wie ein Bürokrat, wenn er über sein Haus spricht. Versandoptimierung, Datenbrillen, rigorose Digitalisierung oder eigene Softwareentwicklung sind Hintzes Stichworte, die eng mit dem Erfolg der Landeslogistiker verknüpft sind. „Wir sind zwar ein Landesbetrieb, aber doch eher privatwirtschaftlich organisiert – Landeszuschüsse erhalten wir nicht, wir kaufen und verkaufen Waren und Dienstleistungen und finanzieren uns über einen Zuschlag.“

Auch Spezialgerät wie Boote organisiert das LZN.

Auch Spezialgerät wie Boote organisiert das LZN.

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Das LZN ist quasi die Beschaffungsagentur des Landes Niedersachsen. Alle Dienststellen können hier Ausrüstung, Dienstkleidung, Bürobedarf, Postdienstleistungen bis hin zu Spezialequipment bestellen – von der Büroklammer bis zum Hubschrauber, wie Hintze betont. Bei Interesse können aber auch andere beim LZN einkaufen – Kommunen, Städte, weitere Bundesländer und dies selbst aus anderen Staaten. Einzige Voraussetzung: Die Einrichtung muss zu 100 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand sein.

Der Landesrechnungshof beispielsweise hat seinen Neubau in Hildesheim komplett über das LZN einrichten lassen, das Primatenzentrum Göttingen beschaffte einen Magnetresonanztomografen über die Mündener. Auf kommunaler Seite sind nur die Städte Göttingen und Wolfsburg „Teilkunden“ – in Göttingen wird bisher nur das Ordnungsamt mit Uniformen versorgt. Alles andere schreibt man hingegen noch selbst aus oder setzt auf den gemeinsamen Einkauf über den Deutschen Städtetag.

Der Erfolg gelang schleichend und oft auch eher zufällig, denn Werbung macht das LZN nicht. Das hat eines der letzten Erfolgsbeispiele gezeigt, die Komplettausstattung der bayrischen Polizei. Eigentlich wollten sich die Bayern in Hann. Münden nur das Konzept anschauen, um einen eigenen Landeslogistiker aufzubauen – Anfang 2015 wurden sie stattdessen selbst Kunde, ab Ende 2016 kommen die bayerischen Uniformen aus Hann. Münden. Noch aktueller ist eine ähnliche Vereinbarung mit dem Land Bremen, das nicht nur seine Uniformen, sondern die gesamte Kriminaltechnik über das LZN bezieht. Und noch ein weiterer Deal ist in den Bereich des Möglichen gerückt: Seit einem Jahr wird mit der Bundeswehr verhandelt, inzwischen über die Komplettausstattung der Soldaten – exklusive der Waffen. Ob dafür dann noch die Mündener Kapazitäten ausreichen, ist fraglich. Dort hat man mit der Vorbereitung auf den Bayern-Auftrag schon viel zu tun.

Schlüssel für den Erfolg ist das Aldi-Prinzip. Das LZN ist schlicht konkurrenzlos günstig für die Beamten und Dienststellen, was drei Gründe hat: Erstens sind die Verkaufszuschläge gering, da das LZN keine Gewinnerzielungsabsicht hat. Zweitens gibt es durch die großen ausgeschriebenen Volumina starke Rabatte – bei Büromaterial beispielsweise von 58 Prozent. Das zeigt auch der direkte Vergleich der Einsatzstiefel mit der Hamburger Feuerwehr, die denselben Schuh wie die Niedersachsen nutzt, dafür aber 80 Euro mehr pro Paar zahlt. Und drittens optimiert das LZN seine Prozesse fortlaufend. 2001 begann man mit neun Mitarbeitern in der Logistik, die Waren für 18 000 Beamte betreuten, heute sind es zehn Mitarbeiter, die – noch ohne die 33 000 Bayern – Waren für 63 500 Beamte bereitstellen.

In einem nächsten Schritt werden bald vermutlich die Handscanner im Lagerbereich auf Datenbrillen umgestellt, die über Augmented Reality ein noch effizienteres Warenmanagement erlauben. Einer der Schlüssel zum Erfolg ist eine eigens entwickelte Logistiksoftware. Dadurch ist es beispielsweise gelungen, den Anteil gesplitterter Warenlieferungen – etwa durch fehlenden Lagerbestand – von bis zu 20 Prozent auf unter fünf Prozent zu drücken und damit die Paketkosten im Jahr um 80 000 Euro zu senken.

Das Wachstum kommt vor allem aus dem Handel mit Waren und Dienstleistungen. Bis 2007 hat jede der 2300 Dienststellen des Landes Papier oder etwa Tische selbst eingekauft. Dann stieg das LZN ein und vergab zentral die entsprechenden Posten, mit Erfolg. „In dem Segment haben wir 2014 erstmals die 100 Mio. Euro Umsatz überschritten“, sagt Frank Hintze. „Aktuell gehen wir davon aus, dass wir darin bis zu 250 Mio. Euro Umsatz machen können – allein im Land Niedersachsen.“ Und dabei sind noch nicht einmal weitere Kundenkreise berücksichtigt: Kommunen, Krankenkassen, Universitäten – die meisten kennen das LZN schlicht noch nicht.

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Von Sven Grünewald

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