Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Die Spur der Bilder

„Entartete Kunst“ im Fundus des Felix-Klein-Gymnasiums aufgespürt Die Spur der Bilder

Drei Kunstwerke, die unter den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ verfemt waren, sind überraschend im Felix-Klein-Gymnasium aufgetaucht: eine Lithografie von Emil Nolde und zwei von Otto Pankok.

Voriger Artikel
Tanznachmittag für Ältere
Nächster Artikel
Frühe Saisoneröffnung in Göttingen

Eines der Bilder, das die Nationalsozialisten als "entartete Kunst" deklarierten.

Quelle: HW

Göttingen. Klaus Wettig, Göttinger Sozialdemokrat und ehemaliger Kreistags- und Europaabgeordneter, hat den vergessenen Bilder-Schatz aufgespürt. Und nicht nur diesen: Darüberhinaus fand sich ein monumentales Landschaftsgemälde des früher bekannten, heute aber weitgehend vergessenen Malers Georg Greve-Lindau aus Lindau.

Auf die Spur der Bilder kam Wettig durch die Lektüre der Festschrift zur Eröffnung der damaligen Neuen Oberrealschule im Jahr 1928 in der Böttingerstraße und durch den Kontakt mit Schulleiter Michael Brüggemann. Das heutige Felix-Klein-Gymnasium verfügte seinerzeit über eine nicht unbedeutende Wandbildsammlung mit Bildnissen bedeutender Persönlichkeiten, deutschen Städten und Landschaften und andere Kunstwerke, hieß es darin. Darunter auch Werke von Ferdinand Hodler, Käthe Kollwitz, Emil Nolde, Otto Pankok und Erich Waske, deren Arbeiten während der Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“ verfemt wurden.

Das Monumentalbild von Georg Greve-Lindau teilte dieses Schicksal nicht: Das Ölgemälde zeigt die Werra mit den beiden Burgen Hanstein und Ludwigstein in verhalten impressionistischer Malweise. Damals hing es im Eingangsfoyer des Schulgebäudes.

Zusammengetragen wurde die Bildersammlung von Göttinger Bürgern und Firmen: Die Oberrealschule galt in Göttingen als Schule nicht der Professoren, sondern der Handwerkerfamilien und Fabrikanten. Und die hatten Geld.

Viel aus dem Bilderfundus verschwand, allerdings wohl erst in der direkten Nachkriegszeit. Dann nämlich wurde das Schulgebäude zuerst als Lazarett, dann als Unterkunft für „displaced persons“ genutzt – für Menschen, die durch die Kriegsereignisse versprengt worden waren. Als der Schulbetrieb Anfang des Jahres 1946 langsam wieder begann, waren viele der Werke bereits verschwunden, meint Wettig.

Aber nicht alle: Die Nolde-Lithografie, betitelt „Händler“, hängt bis heute im Zimmer von Direktor Brüggemann. Ebenso eine unbetitelte Lithografie von Otto Pankok, die eine Kleinstadtszene, wahrscheinlich aus einem Judenviertel, zeigt. Das große Landschaftsbild hängt nicht mehr im Eingang, sondern eher versteckt in einem Flur im ersten Stock unweit des Lehrerzimmers. Es ist ziemlich restaurierungsbedürftig.

Entartete Kunst

Unter dem Begriff „Entartete Kunst“ begannen die Nationalsozialisten bereits vor ihrer Machtergreifung im Jahr 1933, die gesamte Moderne, vor allem aber deren Malerei, zu diffamieren. Die Kunst sollte „völkisch“ sein, sowohl in Form wie auch in Inhalts sein.

1936 folgte ein formales Verbot jeglicher Kunst der Moderne. Alle Museen wurde mit dieser Zielrichtung „gesäubert“. 1937 wurden 650 beschlagnahmte Kunstwerke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Als Wanderausstellung ging sie bis April 1941 nach Berlin, Wien, Salzburg, Hamburg, Leipzig, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main, Wien, Salzburg, Stettin und Halle. hein

Glücksfall für Göttingen.Fast

Eigentlich galt Klaus Wettigs Interesse bei der Kontaktaufnahme mit dem Felix-Klein-Gymnasium Walter Krauspe. Der Architekt des 1926 entworfenen und 1928 gebauten Schulgebäudes sei für Göttingen ein Glücksfall gewesen, sagt Wettig.

Hochmodern war das Gebäude damals. Und teuer: Auf 1,45 Millionen Reichsmark wurder der Bau kalkuliert, dazu 280000 Reichsmarg für die Einrichtung. Besonders über die dunkelvioletten Eisenschmelzklinker der Fassade gab es Streit: Eine verputzte Fassade wäre deutlich billiger gewesen. Doch auch hier habe Krauspe Weitsicht gezeigt: Für einen Putzbau wären immer wieder Erhaltungsarbeiten notwendig geworden.

Das Felix-Klein-Gymnasium war nicht das einzige wegweisende Göttinger Bauprojekt Krauspes. Der Architekt entwarf auch das Freibad am Brauweg und das Schützenhaus, das allerdings durch die wechselnden Eigentümer bis zur Unkenntlichkeit überbaut wurde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“