Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Die dicksten Kartoffeln

Wätzolds Woche Die dicksten Kartoffeln

Für Landwirt Gerhard Teichmann kommt ein Verbot von Glyphosat überhaupt nicht in die Tüte, denn: "Wer ein solch ungefährliches Mittel verbieten will, müsste alle anderen Herbizide auch verbieten." So wird er im "Thema des Tages" zitiert.

Voriger Artikel
Nächster Schritt im Verfahren
Nächster Artikel
Gedenktafel für ungarischen Physiker
Quelle: CH

Dass aber genau der Cocktail aus verschiedenen Herbiziden Bienen und andere Nützlinge ausrotten könnte, kommt Bauer Teichmann offenbar nicht in den Sinn. Sein Landvolk-Kumpel Achim Hübner kommt sogar zu der verblüffenden Erkenntnis "Wenn man Glyphosat verbieten will, müsste man auch Alkohol verbieten." Na gut, wenn man das Zeug trinkt, kann ich mir schon vorstellen, dass man weich im Kopf wird. Noch schlimmerem als Glyphosat scheint Werner Gitt verfallen zu sein. Der Mathe-Prof. a.D. trat am Donnerstag in der erstaunlich gut gefüllten Stadthalle nämlich mit dem Anspruch auf, wissenschaftlich zu beweisen, dass es Gott gibt und die Bibel Wort für Wort wahr ist. Da der Eintritt frei war, ging ich hin, schließlich stehe ich auf Freak-Shows.

Gitt gab verblüffendes von sich, sprach von den sechs Elektromotoren des Kolibakteriums und der Anordnung der Samen in einer Sonnenblumenblüte. Weil sowas nicht zufällig entstehen kann, muss es nämlich einen Gott geben. Da ihm diese Argumentation wohl selbst etwas zu dünn war, hat Gitt sich einfach ein paar Naturgesetze selbst ausgedacht. Als er die referiert hatte, war fast allen im Saal klar, dass ein Baum nicht von sich aus wissen kann, wie dick sein Stamm sein muss, um das Geäst zu tragen. Das hat ihm nämlich Gott als immaterielle Information in den Samen geschrieben. Und die Bibel ist übrigens wahr, weil sich bisher 3268 biblische Prophetien erfüllt haben.

Also stimmt auch der Rest des Buches. Wer würde bei soviel Plausibilität zu widersprechen wagen? Ich habe anhand einer Formel aus meiner Phantasie errechnet, dass Gitts Verein "Missionswerk Bruderhand" im Jahr mehrere Trillionen für derartige Quatsch-Veranstaltungen ausgibt. Was man damit segensreiches finanzieren könnte ... Am Ende meiner Zeilen beschleicht mich ein gruseliger Verdacht: Vielleicht gehört Bauer Teichmann ja auch zu Gitts Leuten und bringt das Glyphosat nur aus, um mitzuhelfen, die Offenbarung des Johannes zu erfüllen. Oh Gott!

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis