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Die ganze Nacht musste durchgetanzt werden

Diamantene Hochzeit Die ganze Nacht musste durchgetanzt werden

Vor 60 Jahren schlossen Irmgard und Joachim Jähne den Bund fürs Leben. Heute kann das tanzbegeisterte Paar Diamantene Hochzeit feiern. Verantwortlich für die Eheanbahnung  – wie auch für andere Paare in Adelebsen und Umgebung nach dem Krieg – waren die „Bobbys“.

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Heirat vor 60 Jahren in Adelebsen: Irmgard und Joachim Jähne.

Quelle: Mischke

An den ersten Tanz können sich die Jähnes nicht mehr ganz genau erinnern. Eine Melodie mit der Zeile „ein Zug nach Bodenfelde“ könnte es gewesen sein. „Wir haben uns nur mitbewegt“, erinnert sich Irmgard Jähne, „tanzen konnten wir damals noch gar nicht richtig.“ 

Damals war 1945 auf der Bramburg bei Adelebsen. Die gebürtige Adelebserin ging wie alle aus den Dörfern der Umgebung zum Tanzen dorthin. „Auf der Lust“, auf der unteren Bramburg, stand die Kantine des Basaltbergwerks. Freigeräumt gab es Platz für die „Bobbys“, die jeden Mittwoch und Sonnabend zum Tanz aufspielten. „Ganz Adelebsen war da“, erzählt die Adelebserin. „Es gab ja sonst nichts, und wir hatten Nachholbedarf.“ 

Kriegsgefangene im Tagebau

Die „Bobbys“ waren eine Musikertruppe aus Kriegsgefangenen der Engländer, die im Basaltwerk arbeiteten. Auch Joachim Jähne war am Ende des Zweiten Weltkrieges in englische Kriegsgefangenschaft geraten. Er landete als sogenannter Dienstleiter im Basaltsteinbruch Güntersen und dann auch in Adelebsen auf der Bramburg. „Dort haben wir uns kennen und lieben gelernt“, sagt der 85-Jährige. Zurück in die alte Heimat nach Bautzen wollte er nicht mehr – „schon weil ich Leutnant war“. Getanzt wurde die ganze Nacht – schließlich galt Ausgangsverbot bis zum Morgen. „Wir haben durchtanzen müssen“, so Irmgard Jähne, „wir waren noch jung.“ 1947 verlobten sich die beiden, zwei Jahre später wurde geheiratet.

In Göttingen legte Jähne seine Verwaltungsprüfung bei der AOK ab. Die Ausbildung hatte er schon in Bautzen absolviert. Bis zur Pension arbeitete er bei der AOK, zuletzt als Leiter der Leistungsabteilung.  Seine Frau arbeitete unter anderem in einer Adelebser Drogerie und einer Stickerei in Göttingen. 

Dem Tanzen blieben die Jubilare immer verbunden. 13 Jahre nahmen sie im Tanzverein sogar an Turnieren teil. Als Wertungsrichter reiste Jähne mit seiner Frau weitere Jahre zu Turnieren auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Noch heute halten sie sich fit mit sportlicher Betätigung. Regelmäßig wird gekegelt, und dreimal in der Woche steht die Adelebser Schwimmhalle auf dem Programm.

Von Gerald Kräft

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