Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Diebstahl zu Lasten eines unbekannten Erben

Aus dem Amtsgericht Diebstahl zu Lasten eines unbekannten Erben

Es gibt Prozesse, die finden gar nicht statt, aber sind trotzdem spannend. Es gibt auch Straftaten, die haben kein Opfer, jedenfalls keines, das man kennt.

Voriger Artikel
207 Schüler schwitzen bei Landesrunde der Mathematik-Olmypiade
Nächster Artikel
„Brauch und Sitte“ beim Corps Brunsviga
Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Auf den Prozess gegen dieses Trio trifft beides zu. Gemeinschaftlicher Diebstahl zu Lasten eines unbekannten Erben, lautet der Anklagevorwurf. Zwei Männer und eine Frau sollen sich verantworten, weil sie die Wohnung eines verstorbenen Kumpels geplündert haben sollen.

Zweimal schon wurde die Hauptverhandlung aufgerufen. Beim ersten Versuch kam einer der Männer nicht. Beim zweiten Anlauf fehlte zusätzlich die weibliche Angeklagte. Spannend wurde es, weil der Richter nun versuchte, seiner Angeklagten mittels eines Haftbefehls habhaft zu werden. Der Mann, der sich zweifach vor dem Prozess drückte, ist inzwischen gefasst. Er sitzt im Gefängnis zur Sicherung der Hauptverhandlung. Die Frau aber, eine Polin, ist über alle Berge. Trotzdem hat Amtsrichter Philipp Moog schon mal den 26. Februar als dritten Verhandlungsversuch terminiert, denn den inhaftierten Mittäter kann er ja nicht ewig schmoren lassen. Die Chance, dann freiwillig zu kommen, hat die Angeklagte. Andernfalls bleibt der Haftbefehl auf Dauer bestehen.

Der Fall spielt in einem Millieu, in dem Pietät ein Fremdwort ist. Alkohol und Drogen bestimmen das Leben. Olga O. (alle Namen geändert) soll „mal hier, mal da bei Männern übernachten“, sagt der erschienene Angeklagte Ernst E. Die Polin mit zwei kleinen Kindern in der Heimat sei „Prostituierte“, keiner wisse, „wo sie gerade anschafft“. Auch zum Mitangeklagten Pawel P. sagt Ernst E. etwas. Der sei am Tattag „voll besoffen gewesen“, „der hat gar nix mitgekriegt“.

Es geht um diesen Vorwurf: Am 15. Oktober 2012 soll das Trio in eine Wohnung in der Groner Landstraße 9 eingebrochen sein, in der danach diverse Elektrogeräte fehlten. Darunter ein PC-Tower, Monitor, Zubehör und eine Fernbedienung. Das ganze sollen sie in die Wohnung von Ernst E. gebracht haben, um es zu verkaufen. Später dann seien sie noch ein zweites Mal eingebrochen. Diesmal hätten sie eine Kaffeemaschine und zehn Packungen Tabak mitgehen lassen.

Gemein wird die Sache dadurch, dass der Bewohner des aufgebrochenen Apartments am Vortag gestorben war. Die Polizei hatte, nachdem die Leiche gefunden worden war, die Wohnungstür versiegelt. Später fand sie Teile der Beute bei dem damals im selben Haus wohnenden Trio.

Auch wenn die Hauptverhandlung formal noch nicht begonnen hat, weil die Mitangeklagten fehlen, gibt Ernst E. schon mal seine Version zum Besten: Nicht gestohlen habe er den Computer, sondern in Sicherheit gebracht. Er will gesehen haben, dass die Eingangstür des früheren Kumpel aufgebrochen war. Das sei ja leider Alltag in dem Haus, dauernd werde eingebrochen. Da habe er den Rechner vor Dieben in Sicherheit gebracht. Bezeugen könne es der Bewährungshelfer des Verstorbenen.

Den habe er angerufen und gefragt, was er mit dem PC machen solle. Das sei so ein altes Ding, ein Commodore 64 gewesen. Habe der Bewährungshelfer besorgt gehabt, vom Flohmarkt für 15 Euro. „Ein C 64? Ist der nicht schon wieder mehr wert?“, fragt noch die Staatsanwältin. Den Bewährungshelfer könne man ja mal hören. Aber dann, ermahnt sie Ernst E., müsse er beim dritten Versuch auch wieder kommen. Nicht, dass dann wieder zwei Drittel der Angeklagten fehlen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016