Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Disco-Mord: Jugendstrafe um ein Jahr reduziert

Revisionsprozess Disco-Mord: Jugendstrafe um ein Jahr reduziert

Wie der Prozess auch endete – dem Leid der Eltern des Opfers und der Wut der Mitbürger auf den inzwischen 19-jährigen Tom T. (Name geändert) konnte kein Strafmaß gerecht werden.

Voriger Artikel
Nobelpreisträger Nash besucht Göttingen
Nächster Artikel
Frühjahrsboten gegen wintergraue Stimmung

Tatort im April 2008: Hier wurde Denise L. erschlagen.

Quelle: Theodoro da Silva

Gestern saß erneut eine Jugendstrafkammer über den jungen Mann zu Gericht, der am 20. April 2008 die 17-jährige Denise L. nach einer Disco in Asche totschlug. Das erste Urteil, neuneinhalb Jahre Jugendstrafe, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben. Gestern reduzierte das Gericht die Strafe um ein Jahr. Es wurde damit der BGH-Vorgabe gerecht, stieß aber bei Zuhörern auf Unverständnis.

Tom T. selbst nahm das Urteil ungerührt entgegen. Auf den ersten Blick emotionslos hatte er den durch seinen Revisionserfolg neuerlichen Prozess verfolgt. Nur unter dem Tisch wippte unablässig sein Fuß.

Durch seinen Anwalt hatte er erklären lassen, er bekenne sich „verantwortlich für den Tod von Denise“ – mehr nicht. Und in seinen letzten Worten vor dem Urteil sagte er nur: „Ich muss auf jeden Fall was an mir ändern. Es ist mir klar, dass es keine Entschuldigung für die Tat gibt, deshalb versuche ich es nicht erst.“ Zu dieser Einschätzung war zuvor schon das Personal der Jugendanstalt Hameln gekommen, in der er seit eineinhalb Jahren einsitzt. Er bagatellisiere seine Tat, hieß es in ihrem Bericht ans Gericht.

Die erneute Verhandlung durch eine andere Jugendstrafkammer war erforderlich geworden, weil der BGH dem ersten, 150-seitigen Urteil vorwarf, die nicht auszuschließende verminderte Schuldfähigkeit des zur Tatzeit gerade 18-Jährigen durch Drogen- und Alkoholkonsum sowie weitere ihn entlastende Momente nicht hinreichend berücksichtigt zu haben. Es bestehe die Besorgnis, dass die Kammer „die angemessene Sanktion in Relation zur Höchststrafe verkannt“ habe, hatte der BGH geschrieben, den Schuldspruch (Totschlag) jedoch anerkannt.

Mit der Begründung, die höchste Jugendstrafe von zehn Jahren sei nur im denkbar schlimmsten Fall auszuurteilen, reduzierte das Gericht in der neuen Verhandlung die Strafe auf achteinhalb Jahre.
Wie sehr noch immer der – wegen des Schweigens des Angeklagten – unfassbare Tod der Tochter die Familie erschüttert, machte ein emotionaler Ausbruch der Mutter des Opfers deutlich: „Mörder“, schrie sie den Angeklagten beim Verlesen der unerträglichen Details der Tat an.

Von Jürgen Gückel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen