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„Gewinn“ oder „Klotz“?

Diskussion um Göttinger Kunstquartier „Gewinn“ oder „Klotz“?

Als „monolithischen Baukörper“ und „Kuqua-Betonklotz“ hat die CDU/FDP-Ratsgruppe den Siegerentwurf für das geplante Galeriegebäude für das Kunstquartier bezeichnet. Gleichzeitig hat sie ihre Kritik an dem Verfahren geäußert, bei dem Politik und Bürger „keinerlei Einfluss“ mehr haben.

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Siegerentwurf für das geplante Galeriegebäude im Kunstquartier: Das Kasseler Atelier 30 überzeugt damit die Jury und die SPD, aber nicht die CDU und FDP.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. „Die CDU/FDP-Gruppe lehnt den Entwurf strikt ab, sie fordert vielmehr eine Abstimmung der Bürgerschaft über die Entwürfe“, sagte Hans-Georg Scherer, Vorsitzender der CDU-Fraktion. Der von der Verwaltung „vorgebrachte, angebliche Zwang zur Verwirklichung des Betonklotzes“ könne auch nach Durchsicht von Sitzungsprotokollen nicht nachvollzogen werden. Stadtbaurat Thomas Dienberg hatte betont, dass das Verfahren nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) „ein stark reglementiertes von der EU definiertes Vergabeverfahren“ sei.

Hier finden Sie alle Entwürfe für das neue Galeriegebäude des Kunstquartiers in Göttingen.

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Hans Otto Arnold, bau- und planungspolitischer Sprecher der Gruppe, kritisiert die Architektur des Siegerentwurfes: „ „Zwischen das vergleichsweise winzige Grass Archiv aus dem Jahr 1300 und das marode alte Tuchmacherhaus aus dem 15. Jahrhundert einen solchen Baukörper zu quetschen – das erfordert schon mehr als Mut.“ Auch im „Gesamtensemble“ der Düsteren Straße werde der „fensterlose Kuqua-Betonbau so über Jahrzehnte einen Fremdkörper im Quartier bilden. „Wir können jetzt nur abwarten, ob in dem Verwaltungsverfahren nicht doch noch bautechnische und auch finanzielle Einwände den Siegerentwurf aushebeln“, sagte Scherer.

SPD kann CDU/FDP-Kritik nicht nachvollziehen

Ganz anders die SPD-Ratsfraktion: Diese steht „voll und ganz“ hinter der Entscheidung des Preisgerichtes und begrüßt den Entwurf des Kasseler Atelier 30. Dieser sei kein „monolithischer Block“ – das Gebäude sei aus ganz unterschiedlichen Materialien, durch die ein „abwechslungsreiches Fassadenbild“ entstehe, sagte die baupolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion Sylvia Binkenstein. „Einen Entwurf zu kritisieren, mit dem man sich nicht intensiv auseinandergesetzt hat, ist leicht, bringt die Stadt aber nicht weiter. Es geht nicht um den persönlichen Geschmack von Herrn Arnold, es geht um moderne Stadtentwicklung. Mit diesem Entwurf sind wir auf dem richtigen Weg.“ Das Gebäude sei ein Gewinn für die Stadt. Das Verfahren sei im Verwaltungsausschuss im Oktober nach Vorstellung und Beratung von Details im Bau- und Kulturausschusses beschlossen worden. „Die Entscheidung einem Fachgremium zu überlassen ist die Richtige“, meinte Binkenstein. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Peter Arndt war das Verfahren „klar und objektiv“. Dass die CDU/FDP Gruppe das Ergebnis stark kritisiert, liege daran, „dass kein Vertreter der CDU/FDP Gruppe an dem Verfahren teilgenommen hat, obwohl allen Fraktionen diese Möglichkeit offen gestanden hat“.

Ihm sei stets bewusst gewesen, dass das Wettbewerbs- und Vergabeverfahren durch EU-Vorgaben den Rat in seiner freien Entscheidung sehr eingrenze, entgegnete der Fraktionsvositzende der Grünen im Rat, Rolf Becker, der Kritik von CDU und FDP. Das Verfahren sei aber von der Verwaltung mit den Fraktionsspitzen abgesprochen gewesen, auch habe die Politik sich dann auf die Kriterien, die die Entwürfe zu erfüllen haben, geeinigt. In Zukunft wisse nun jeder, worauf es bei Verfahren dieser Art ankommt, sagte Becker. Mit den drei Siegerentwürfen habe er sich noch nicht befasst und könne daher seinen Favoriten nicht benennen. „Ich habe aber nichts gegen einen Stilbruch in der Düsteren Straße“, sagte Becker.

Nichts weiter als „Wahlkampfgetöse“ sei die Kritik der CDU/FDP-Ratsgruppe, auch wenn man sich darüber immer streiten könne, erklärte Patrick Humke (Antifaschistische Linke). „Wir stehen nach wie vor zum Kuqua, grundsätzlich ist das eine gute Sache.“ Auch die Vorbehalte der Gruppe gegen den Siegerentwurf könne er nicht nachvollziehen, sagte Humke: „Unsere Vertreterin im zuständige Gremium hat dem zugestimmt, als wären wir auch damit einverstanden.“ Sehr gut finde er, dass der Spielplatz im Nikolaiviertel erhalten bleiben soll. „Das fordern wir seit Jahren. Neben den ganzen Millionen ist das immer noch eine sehr bedeutende Sache“, erklärt Humke.

Schau im Rathaus

Seit Montag sind die 15 beim Architekturwettbewerb eingereichten Entwürfe für das geplante Galeriegebäude im Kunstquartier im Foyer des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4, zu sehen. Interessierte können sich anhand von Modellen, Plänen und Beschreibungen ein Bild von den Wettbewerbsbeiträgen machen. Die Ausstellung ist montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr frei zugänglich.

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