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Diskussion um Hotel- und Sparkassenneubau am Groner Tor

„Keine Rücksicht auf Gefühlswelt“ Diskussion um Hotel- und Sparkassenneubau am Groner Tor

Deutliche Worte hat Christoph Lehmann, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes, am Montagabend gefunden: „Richtig brutal“ nannte er den Entwurf für das geplante Hotel- und Sparkassengebäude am Groner Tor.

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Model des Neubaus der neben der Zoologie (rechts) entstehen soll.

Quelle: Brünjes

Göttingen. Lehmann kommentierte damit die Ausführungen von Architekt Roger Ahrens, der in einer Informationsveranstaltung den Entwurf von ihm und Architektin Gesche Grabenhorst vorstellte. Der zur Berliner Straße gelegene Hotelbau, so argumentierten Grabenhorst und Ahrens, nehme die Architektur der benachbarten Zoologie auf. Lehmann sagte: „Da wird nichts aufgenommen, weder in Höhe, noch in der Linienführung.“

Schon zu Beginn der Diskussion ahnte Grabenhorst, dass es nicht leicht werden würde, die Kritiker ihres Entwurfes zu überzeugen. Nachfragen quittierte sie mit der Bemerkung, dass es sich doch um ein „anstrengendes Publikum“ handele.

„Die Zoologie ist ein Prunkstück, dahinter muss das Hotel zurücktreten“, meinte eine Diskussionsteilnehmerin. Eine andere bemerkte: „Auf die Gefühlswelt der Anwohner wird keine Rücksicht genommen.“ Sie klagte über die massive Bebauung – sechsstöckig soll der Neubau in weiten Teilen werden. „Vom städtebaulichen Ambiente wurde nur die Groner Landstraße 9 getroffen, nicht die Gründerzeitvillen gegenüber“, bemängelte Britta Walbrun, Naturschutzbeauftragte der Stadt.

Ahrens verteidigte hingegen die geschlossene Bebauung. Zum einen würden so die Straßenräume und die Tor-Situation besser gefasst, zum anderen halte der Riegel den Straßenlärm von den Innenhöfen ab. Der Moderator der Diskussion, Architekt Hans-Peter Achatzi, nannte diese Lösung „konsequent“. Francisco Welter-Schultes von der Nonnenstieg-Bürgerinitiative fürchtet zudem, dass es an der Ecke von Berliner und Groner Landstraße durch die Position des Hotels zu unübersichtlichen Situationen für Verkehrsteilnehmer kommen könnte.

Neben Gebäudeform, -höhe und -volumen war der zweite strittige Punkt das Planungsverfahren. Ohne eigenen Bebauungsplan und somit ohne Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Verfahren, sondern nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches soll das Vorhaben umgesetzt werden. Für Stadtbaurat Thomas Dienberg ganz selbstverständlich: „Das Baurecht sieht das so vor.“

Ohnehin gibt es für den größten Teil der Stadtfläche keinen Bebauungsplan. Den Einwurf von Lehmann, dass es 2006 vom Rat einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gegeben habe, erwiderte Dienberg, dass sich das jetzige Vorhaben mit dem damaligen Beschluss decke. Es erfülle die planerischen Zielvorstellungen von damals. Der Verein Kulturverbund hatte wegen des Verfahrens eine Beschwerde an die Kommunalaufsicht eingereicht. Die eingeforderte Stellungnahme der Stadt sei, so Dienberg, im Entwurf fertig.

Der Abriss der ehemaligen Tiermedizin am Groner Tor ist so gut wie abgeschlossen. Ein Investor ist allerdings weiterhin nicht in Sicht. ©Hinzmann

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