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Diskussion um Kunstquartier in Göttingen

Irreparable Schäden“ an Archiv und Museum befürchtet Diskussion um Kunstquartier in Göttingen

In einem offenen Brief appellieren mehr als 250 Göttinger an Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und an die Mitglieder des Rates der Stadt, „das Städtische Museum, das Stadtarchiv und die Ausstellungen im Alten Rathaus vor den geplanten Haushaltskürzungen zu bewahren und sie nicht für die Finanzierung des Projektes Kunstquartier heranzuziehen“.

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Das Göttinger Kunstquartier (Kuqua) soll zwischen Düsterer Straße und Nikolaistraße entstehen.

Quelle: Vetter

Göttingen. Das Schreiben sei am Montag versandt worden, sagte Sabine Wehking, Sprecherin der Unterzeichner, unter denen sich viele Historiker befinden.

Die Unterzeichner protestieren gegen den Vorschlag von Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck, fünfzig Prozent der zu erwartenden Betriebskosten „mit existenzgefährdenden Einsparungen im Bereich des Städtischen Museums, des Stadtarchivs und der Ausstellungen im Alten Rathaus“ zu finanzieren, heißt es in dem Brief. „Dramatische und irreparable Schäden“ wären die Folge.

Die Stadtverwaltung hatte im Dezember die künftigen laufenden Kosten für das Kunstquartier mit 360 000 Euro beziffert. Um den städtischen Anteil daran zu decken, hatte Schlapeit-Beck vorgeschlagen beim Stadtarchiv 25 000 Euro, beim Museum 105 000 Euro und bei den Ausstellungen im Alten Rathaus 50 000 Euro Zuschüsse im Jahr einzusparen.

Bei diesen Summen handele es sich um eine „Modellberechnung“, die noch nicht beschlossen wurde, sagte sie in der vergangenen Woche gegenüber dem Tageblatt. Diese zeige, dass der Kuqua-Betrieb aus städtischen Mitteln darstellbar wäre – „ohne maßgebliche Beeinträchtigung“ von Museum und Stadtarchiv, deren Leistungen sie „sehr schätze“.

Über den Tellerrand schauen

Schlapeit-Beck, so die Unterzeichner des offenen Briefes,  setze mit diesen Einsparungen „die Arbeitsfähigkeit der ihr anvertrauten Institutionen aufs Spiel“. Und weiter: „Archiv und Museum verkörpern in einzigartiger Weise das Gedächtnis der Stadt Göttingen und erbringen unverzichtbare Leistungen für den Erhalt der historischen Identität.

Beide Einrichtungen sind durch die Bürger selbst geschaffen und in den letzten Jahrzehnten von den Gremien der Stadt auf ein hohes Niveau mit überregionaler Ausstrahlungskraft gebracht worden.“

Schon beim Neujahrempfang hatte Oberbürgermeister Köhler sich für das Kunstquartier eingesetzt: „Bei allem Verständnis für das Bemühen um Bewahrung und Sicherung bewährter Einrichtungen muss doch aber möglich bleiben, den Kopf über den Tellerrand zu heben. Und was sehen wir dann? Ein mit dem Verleger Gerhard Steidl gemeinsam entwickeltes Konzept für ein neues Kunstquartier, dass in Berlin derart überzeugt hat, dass aus dem Programm Nationale Projekte des Städtebaus der zweithöchste Einzelbetrag, nämlich 4,5 Millionen Euro, nach Göttingen gehen wird.“

Dass die Idee des Kunstquartiers „attraktiv“ ist, bestreiten die Unterzeichner nicht. Aber: „Dies alles geschieht, um mit öffentlichen Mitteln eine private Initiative des Kunstverlegers Gerhard Steidl zu realisieren. Wesentliche Teile der Göttinger Kultur- und Stadtgeschichte würden geopfert, und das zugunsten eines privaten Kunstprojektes ohne Bezug zur Identität der Stadt“, lautet der Vorwurf.

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