Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Diskussion um einen neuen Flächennutzungsplan in Göttingen

Platz für 3900 neue Wohnungen Diskussion um einen neuen Flächennutzungsplan in Göttingen

Weichenstellung für die kommenden 15 Jahre: Der Flächennutzungsplan für die Stadt Göttingen soll neu aufgestellt werden. Vier Jahre nachdem der Rat dafür den Aufstellungsbeschluss verabschiedet hat, und nach der Erarbeitung diverser Gutachten hat die Verwaltung als Diskussionsgrundlage das „Siedlungsentwicklungskonzept Göttingen 2025“ vorgelegt. Neben der Diskussion in den öffentlichen Ratsausschüssen plant die Verwaltung ab Juni eine Informationsveranstaltung und acht Bürgerforen. Der Flächennutzungsplan ist das zentrale Steuerungsinstrument für die Stadtentwicklung.

Voriger Artikel
Fachtagung in Göttingen will Frauen und Mädchen mit Behinderung stärken
Nächster Artikel
Stadt Göttingen bleibt bei Tempo 30

Luftbild von Göttingen.

Quelle: dpa

Göttingen. Der Ausgangspunkt für die Neuaufstellung des inzwischen 40 Jahre alten Flächennutzungsplanes ist das „Siedlungsentwicklungskonzept der Stadt Göttingen 2025“. Dieses haben Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Stadtbaurat Thomas Dienberg am Montag als Diskussionsgrundlage vorgelegt.

Es besteht aus den drei Teilen „Baulandkonzept Wohnen und Gewerbe, „Klimaplan Stadtentwicklung“ und den „Landschaftsplan“. Darin sind neben dem 2007 erstellten städtebaulichen Leitbild Ergebnisse aus Fachgutachten zum Wohnbau- und Gewerbeflächenpotenzial, das Einzelhandelskonzept und eine Klimaanalyse eingeflossen.

Wohnen

In Göttingen werden bis zum Jahr 2025 rund 3900 Wohnungen fehlen. Davon geht zumindest das 2013 vorgelegte Gewos-Gutachten aus. Rund 1210 in Ein- oder Zwei-Familien-Häusern, knapp 2700 in Mehrfamilienhäusern. Für neue Wohnungen werden dafür in der Stadt knapp 100 Hektar an Bauflächen benötigt. Bei allein 75 davon soll es sich um neu zu erschließende Flächen handeln. Um diese Flächen

Zum Vergrößern klicken
Quelle:

bereitzustellen, schlägt das Siedlungskonzept Göttingen 2025 nun 45 Flächen im gesamten Stadtgebiet vor.

Weitere zwölf „Potenzialflächen“ kommen hinzu. Damit könne, so Stadtplaner Hans-Dieter Ohlow, der von den Gewos-Gutachtern angenommene Bedarf gedeckt werden. Köhler machte deutlich, dass die Verwaltung weiterhin auf die Entwicklung im Bestand setzt. Aber: Diese Flächen würden nicht ausreichen, daher werde man auf die Außenbereiche ausweichen müssen. Flächen für den Geschosswohnungsbau sollten sich aber auf die zentralen Stadtgebiete konzentrieren.

Gewerbe

Auch das Göttinger Gewerbe und die Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen haben Hunger nach neuen Flächen. Das Wachstumsszenario des Cima-Gutachtens sieht einen weiteren Bedarf im Stadtgebiet

Zum Vergrößern klicken
Quelle:

für Gewerbeflächen von 44,4 Hektar bei derzeit 683 Hektar bestehender Gewerbefläche. Der neue Flächennutzungsplan könnte 46,5 Hektar neuer Fläche vorschlagen. Nach einer Untersuchung kämen in der Stadt rund 81 Hektar als neue Gewerbeflächen in Frage.

Landschaftsplan

Zum ersten Mal soll mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes ein Landschaftsplan für Göttingen erstellt werden. Er bildet die Arbeitsgrundlage „für die zielgerichtete und umfassende ökologische Entwicklung des gesamten Stadtgebietes“, heißt es im Siedlungskonzept Göttingen 2025. Er befasst sich mit den Themen Ressourcenschutz für Boden, Wasser, Klima und Luft, der Tier- und Pflanzenwelt, dem Landschaftsbild und der Naherholung. Die Verwaltung sieht hier vor allem bei den Grenzen der

Zum Vergrößern klicken
Quelle:

Landschaftsschutzgebiete Anpassungsbedarf.

„Die legen sich wie die Pelle bei der Wurst um die Stadt“, sagt Ohlow. Acht Gebiete, die aus dem Landschaftsschutz genommen werden sollen nennt Ohlow: den Reiterhof Hetjershausen, den oberen Habichtsweg, die Oberen Wiesen in Roringen, die südliche Feldmark in Geismar, den Kehr, den Kiessee, den Golfplatz und den Dragonernager in Weende. Aufgenommen werden soll die Schießanlage auf dem Kerstlingeröder Feld.

Klimaplan

Bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes soll auch der Klimaschutz berücksichtigt werden. Der Klimaplan Stadtentwicklung behandelt dafür die Themenfelder „Wärmeenergiebedarf im Bestand“, „Erneuerbare Energien“, „Klimaplan Verkehrsentwicklung“, „Stadtklima“ und Hochwasserschutz“. So könnte etwa die Verteilung von „Kaltluftschneisen“ bei der Aufstellung von Bebauungsplänen eine Rolle spielen, sagte Ohlow. Die Klimaanalyse sei aber keine „KO-Karte“ für die Entwicklung.

Auf ► goettingen.de/fnp stellt die Stadtverwaltung alle öffentlichen Informationen zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes zur Verfügung.
 
Zum Vergrößern klicken
Quelle:
 

Eine Überarbeitung ist längst überfällig

Welche Bedeutung hat ein neuer Flächennutzungsplan für die Entwicklung der Stadt?
Köhler: Der Flächennutzungsplan schafft die Grundlage, auf der wir konkrete Bebauungspläne entwickeln wollen. Er ist für die strategische Stadtentwicklung eines der wichtigsten Instrumente, das mit verschiedenen Fachplanungen verbunden ist, die Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel, Landschaft, Klima und Verkehr betreffen.

Welche Entwicklungsziele verfolgt die Stadt mit dem Planwerk?
Köhler: Natürlich ist Wohnen eines der großen Themen. Wir brauchen beispielsweise Grundstücke für den Bau von preisgünstigen Wohnungen. Ein zweites Feld ist die Ausweisung neuer Gewerbeflächen. Insgesamt setzen wir auf eine Entwicklung im Bestand. Das allein kann den Bedarf aber nicht decken. Davon müssen wir ausgehen.

Wir verzahnen mit allen Klimabelangen, legen erstmals einen Landschaftsplan vor. Und kümmern uns um den Landschaftsschutz. Was muss rein? Was kann raus? Der Kiessee zum Beispiel, wie wir meinen. Darüber wollen wir diskutieren.

Warum ist eine Überarbeitung des Flächennutzungsplanes überhaupt nötig?
Dienberg: Der alte Flächennutzungsplan ist 40 Jahre alt. Eine Überarbeitung ist längst überfällig. Seit 1975 sind rund 100 Änderungen in den Plan eingegangen. Gerade in den entscheidenden Fragestellungen, den wir uns jetzt in Göttingen gegenüber sehen, ist der alte Plan alles andere als auf den neuesten Stand. Das ist einmal im Bereich der Wohnbauflächenentwicklung der Fall. Es ist zum anderen im Bereich Klimaschutz der Fall.

Fragestellungen, die 1975 im Prinzip keine Rolle gespielt haben. Das gilt auch für die Entwicklung von Gewerbeflächen und für Flächen für Universität und Wissenschaft. Hier haben sich mittlerweile ganz andere Flächenbedarfe entwickelt. Auch bildet der alte Plan den Landschafts- und Klimaschutz nicht ab. Diese Fragen sollen in einem neuen Flächennutzungsplan gelöst werden sollen.

Bis wann soll der fertige Flächennutzungsplan vorliegen?
Dienberg: Wir haben uns vorgenommen, uns die nächsten zwölf bis 15 Monate für die Öffentlichkeitsbeteiligung Zeit zu nehmen. Ende 2016, Anfang 2017 könnte in etwa der Zeitpunkt sein, an dem der Feststellungsbeschluss über den neuen Flächennutzungsplan vom Rat gefasst werden kann.

Heißt das, dass jetzt alle Bauprojekte bis Anfang 2017 stillstehen?
Köhler: Aktuelle Bebauungspläne werden nicht nach hinten geschoben. Dadurch würden wir viel Zeit verschenken. Wenn jetzt oder in nächster Zeit im Bestand neuer Wohnraum entstehen kann, warten wir nicht auf die Verabschiedung des Flächennutzungsplans.

Der alte Flächennutzungsplan ist 40 Jahre alt. Wie lang soll der neue nun Bestand haben?
Dienberg: Wenn der Flächennutzungsplan Ende 2016 verabschiedet wird, dann ist der Planungshorizont etwa 2030.

Wie weit sind die jetzt von der Verwaltung vorgelegten Pläne bindend?
Dienberg: Die Planung steht mitnichten fest. Es ist ein Vorschlag, der jetzt eingegeben wird. Dieser stellt das Ergebnis einer soliden Vorarbeit dar. Diese Diskussion ist insbesondere deshalb wichtig, damit Politik und Rat, die abschließen entscheiden müssen, sich ein entsprechend vollständiges Bild machen können.

Das Interview führte Michael Brakemeier

 
Bürgerforen

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Stadtbaurat Thomas Dienberg setzen bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes auch auf Bürgerbeteiligung. Neben den am 19. März beginnenden öffentlichen Beratungen in den Ausschüssen des Rates soll es am 1. Juni eine Auftaktveranstaltung geben, in der die Verwaltung die Ziele eines neuen Flächennutzungsplanes erläutern will.

Im Anschluss sind dann für die Sommerferien vier Bürgerforen geplant, in denen auch Anregungen aus der Bevölkerung gesammelt werden sollen. Voraussichtliche Termine: 15., 16. 29. und 30 Juni. Bei vier weiteren Foren sollen dann ab Ende September Ergebnisse aus den ersten Terminen präsentiert werden.

Ende 2015 sollen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung im Bauausschuss vorgestellt werden, bevor die Verwaltung die Endfassung des Flächennutzungsplanes vorbereitet.

 
Beratungen bis Oktober

• 19. März 2015 Bau- und Umweltschusss.

• 28. April 2015 Bau- und Umweltschusses.

• 7. Mai 2015 Bau- und Umweltschusses.

• 1. Juni 2015 Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung.

• Juni bis Oktober 2015 Bürgerforen in den Stadtteilen. Vier Termine zwischen 15. Juni und 10. Juli zur Vorstellung der Pläne und Sammeln von Anregungen. Vier weitere zwischen 29. September bis 16. Oktober, um Ergebnisse zu präsentieren.

• 2016 Erarbeitung der Endfassung und Beschluss.

• Ende 2016/Anfang 2017 Beschluss durch den Rat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“