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Diskussion zu Serienmördern in Göttinger Universität

Fallzahl winzig, Interesse riesig Diskussion zu Serienmördern in Göttinger Universität

Es geht eine Faszination von ihnen und ihren Taten aus: Serienmörder. Selbst wenn  es nur theoretisch um sie geht, lösen sie gewaltiges Interesse aus. Der Hörsaal war mit mehr als 400 Studenten überfüllt, als das Institut für Politikwissenschaft sich in einer Podiumsdiskussion mit Serienmördern, wer sie sind und wie man ihnen auf die Spur kommt, befasste.

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Überfüllter Hörsaal: Beim Thema Serienmörder ist das Interesse an Jörg-Martin Jehles Vortrag riesig.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Mit dabei ein Profiler des Landeskriminalamtes (LKA), der seit mehr als zehn Jahren solche Serien von Straftaten analysiert.

Doch so wie im Fernsehen, warnte LKA-Mann Carsten Schütte, dürfe man sich das nicht vorstellen. Nicht der Profiler löse die Fälle, er bleibe im Hintergrund, er gebe nur Hinweise, analysiere, stelle Parallelen fest und unterstütze die Kollegen der Mordkommissionen.

Eingangs hatte bereits der Kriminologe und Jura-Professor Jörg-Martin Jehle die Erwartungen gedämpft. Sicher habe einer der spektakulärsten Serienmörder der Geschichte, Fritz Haarmann, etwas mit Göttingen zu tun: Sein präparierter Kopf ruht in der Sammlung der Göttinger Rechtsmedizin.

Gerade einmal 0,1 Prozent

Doch tatsächlich seien Serien von Tötungsdelikten äußerst selten. Mord und Totschlag machten in der Kriminalstatistik gerade einmal 0,1 Prozent aller Taten aus. Und das seien auch nur die polizeilichen Statistiken. Die Zahl der Verurteilungen sei viel geringer.

In drei Vierteln der Fälle stelle sich der Mord-Verdacht später als Totschlag oder Körperverletzung heraus. Drei von vier Straftaten gegen das Leben seien ohnehin nur Versuche. Damit komme gerade mal ein vollendetes Tötungsdelikt auf 100 000 Einwohner. Der Göttinger habe damit gute Chancen, an etwas anderem zu sterben.

Allerdings: Statistik ist so eine Sache. Bezöge man die tatsächlichen Taten zum Beispiel in Bodenfelde auf die dortige Bevölkerung, kämen andere statistische Werte heraus: 2001 wurde dort ein Taxiunternehmer von seiner Geliebten ermordet.

Schwarze Witwe

Dann ließ die Schwarze Witwe, eine Ex-Prostituierte, mindestens vier ihrer stets betagten Ehemänner töten und beerbte sie. Schließlich tötete  Jan O. 2010 zwei Kinder von 13 und 14 Jahren aus sexuellen Motiven.

Bei der Aufklärung des Mordes an den Kindern, so Profiler Schütte, sei seine fünf Mitarbeiter zählende und erst seit 2000 bestehende Dienststelle damals auch beteiligt gewesen. Anfangs, so Schütte, habe man den Fehler gemacht, zu analysieren und den Mordkommissionen dann erst das Ergebnis zu präsentieren.

Wenn das nicht zur bestehenden Ermittlungsrichtung passte, sei man schlicht ignoriert worden. Inzwischen erarbeite die LKA-Gruppe zusammen mit den Ermittlern vor Ort. Rund 20 Serien von Straftaten – zuständig sei sein Team auch für Brandstifungs- und Sexualdelikt-Serien oder Raubüberfälle – seien seither aufgeklärt worden.

Eine Serie ungeklärt

Eine einzige Mordserie sei in Niedersachsen ungeklärt – und wird  es wohl auch bleiben, weil seit Jahren keine Taten mehr geschehen sind. Gemeint sind drei Morde an älteren Männern im Harz. Insgesamt würden sieben Morde an Spaziergängern dieser Serie zugerechnet.

Und warum üben Mordserien so großes Interesse aus, obwohl die Zahl der Tötungsdelikte seit Jahrzehnten stetig sinkt? Weil jede Tat viel intensiver als früher wahrgenommen und öffentlichkeitswirksam ermittelt wird, sagt Jehle. Die Medien berichten mehr, weil das Interesse einfach da ist. Und die Zahl der Taten, so Jehle, sinke auch aus demografischen Gründen: Die Bevölkerung werde älter. Da werde auch weniger gemordet.

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