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Doch Molche an der Göttinger Zoologie

Abgerissenes Institut Doch Molche an der Göttinger Zoologie

Auf dem Gelände des abgerissenen Tierärztlichen Instituts gibt es doch geschützte Amphibien. Das hat Prof. Rainer Willmann, Direktor des Zoologischen Museums und Leiter der Abteilung Morphologie und Systematik der Tiere an der Universität Göttingen, nachgewiesen.

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Bergmolchbaby aus den Teichen hinter dem Zoologischen Institut.

Quelle: Willmann

Göttingen. Auf dem 7400 Quadratmeter großen Gelände sollen ein Verwaltungsgebäude der Sparkasse Göttingen und ein Hotel gebaut werden. Zur Vorbereitung wurden im März 60 alte Bäume und viele Sträucher auf dem lange brach liegenden Gelände gefällt. Vor knapp drei Wochen teilte der Verein Stadt und Planung mit, auf dem Areal lebten artengeschützte Molche und Lurche. Die Göttinger Stadtverwaltung bestritt dies.

 
Er habe mit zwei seiner Mitarbeiterinnen mittlerweile “Lurche in Mengen” gefunden, erklärt Prof. Willmann jetzt: „Schon beim ersten Griff ins Wasser hatten wir zwei junge Teichmolche.“ Danach seien zahlreiche weitere Exemplare, auch Bergmolche, hinzugekommen, “manchmal bis zu acht Tiere auf einmal im Netz. Dass dort Amphibien vorkommen, ist ja gemeinhin bekannt.“

 
Dass die Stadt von dem Molchvorkommen nichts wusste, ist für Willmann völlig unverständlich. Sogar im Rahmen der Ferienprogramme des Zoologischen Museums seien immer wieder Berg- und Teichmolche gefunden worden. Willmann: “Hunderte von Jungmolchen dürften zur Zeit dort leben.”

 
Molche, erläutert der Zoologe, entwickelten sich im Wasser, danach gingen sie an Land ihrer Nahrung nach – Insekten, Tausendfüßer oder auch Regenwürmer. Willmann: “In diesem Fall sind das die Garten- und Baumanlagen, die sich hinter dem Zoologischen Institut befanden. Es gilt jetzt, das, was von dem Lebensraum der Tiere übrig blieb, zu erhalten und zu fördern, um ihre Lebensgrundlagen nicht vollends zu vernichten.“

 
Die Stadt entgegnet jetzt, sie habe „eine weitere fachgutachterliche Prüfung“ in Auftrag gegeben. Stadt-Sprecher Detlef Johannson: Dabei habe „ein Vorkommen von Berg- und Teichmolchen“ nachgewiesen werden können. „Beide Arten sind nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und im Stadtgebiet im Übrigen häufiger anzutreffen; sie genießen allerdings nicht den Schutz der FFH-Richtlinie.“ Der Kammmolch, der noch weitergehenden Schutz genießt, sei jedoch nicht nachgewiesen worden. Bei den nächsten Arbeitsschritten im Rahmen einer ökologischen Baubegleitung, erklärt Johannson, „wird auf eventuelle Vorkommen von Amphibien im Baufeld besonders Rücksicht genommen werden“.

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Von Redakteur Matthias Heinzel

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