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"Döner nackt" und Waschbär im Vollrausch

Kurioseste Polizeieinsätze in 2015 "Döner nackt" und Waschbär im Vollrausch

Am Jahresende ein Blick zurück: Nicht jeder Polizeieinsatz schaffte es in die Tageszeitung - und wäre doch vergnüglich zu lesen gewesen. Polizeisprecherin Jasmin Kaatz hat die Protokolle der kuriosesten Einsätze ausgewertet.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Das war nicht zu übersehen, auch nicht für die Polizei. In der Rudolf-Winkel-Straße blieb das wachsame Auge im Februar am Heck eines Renault Twingo hängen. Das hintere Kennzeichen kopfüber angeschraubt, war ein 31 Jahre alter Göttinger unbekümmert mit dem Auto unterwegs. Das falsch montierte Kennzeichen stellte sich als das geringere Übel heraus. Den Beamten präsentierte der Mann einen gefälschten Führerschein.

  • !Ebenso schlecht gelaufen ist es für einen 46 Jahre alten Göttinger, der nur seiner Meldeauflage nachkommen wollte. Mit seinem frisch auf ihn zugelassenen BMW fuhr er zur Polizeidienststelle. Das kam bei den Beamten nicht gut an, war doch bekannt, dass der 46-Jährige wegen einer Fahrerlaubnissperre gar nicht mobil sein durfte. Schließlich tischte er den Ermittlern noch die Totalfälschung eines rumänischen Führerscheines auf.
  •  Die Flucht vor der Polizei endete für einen 23 Jahre alten Radfahrer im August in den Rosen. Der junge Mann war den Beamten aufgefallen, weil er mit hoher Geschwindigkeit und in Schlangenlinien den Nikolausberger Weg hinunter fuhr. Eigentlich wollten die Polizisten ihn über die mangelhafte Beleuchtung aufklären. Doch es kam anders. „Nö, keinen Bock!“, sagte der dazu und trat in die Pedale. Es folgte eine wilde Flucht, die in einer kleine Beetrosenhecke endete. Seine Vollbremsung brachte ihn ins Schlingern, so dass er gegen den Streifenwagen stieß und über den Lenker abstieg. Die Landung erfolgte zwischen den Heckenrosen.
  •  Ein echter Fall von mangelnder Ladungssicherung ereignete sich im September. Der Plan eines 53 Jahre alten Göttingers, eine 90 mal 200 Zentimeter große Matratze per Kleinkraftrad zu transportieren, scheitere kläglich. Die eingeklemmte Schlafunterlage verfing sich im Vorbeifahren an einem Autoreifen und brachte Fahrer und Ladung zu Fall.
  •  Einen ungewöhnlichen Unfall gibt es noch aus dem Dezember zu berichten. Bei dem Versuch, sich während der Fahrt durch das Fenster ihres Autos zu übergeben, kam auf der L 569 eine junge Frau von der Straße ab und landete im Straßengraben. Die Göttingerin blieb unverletzt. Bei der Unfallaufnahme kam der Alko-Test zum Einsatz – erfolgreich.
  • Außer Unfällen gab es auch Sonstiges: Noch am Tatort selbst bestraft, hat sich ein amtsbekannter Göttinger im August. In jener Nacht hatte der unter Alkoholeinfluss stehende 52 Jahre alte Mann elf Mal den Polizeinotruf gewählt. Eine Funkstreife stattete dem Störenfried schließlich einen Hausbesuch ab. Die Beamten nahmen den Dauerwähler erst ins Gebet (Gefährderansprache) und eröffneten ihm danach die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Missbrauchs von Notrufen. Das gefiel dem 52-Jährigen nicht. Ohne Vorwarnung holte er sein Mobiltelefon hervor, warf es auf den Boden, trat darauf und brach es abschließend in der Mitte durch. Weitere Anrufe über 110 blieben aus.
  • Kurz und bündig verlief das Telefonat zwischen einem angeblichen Polizeibeamten der „Kripo Kassel/Hamburg“ und einer 71 Jahre alten Dame aus Hann. Münden. Der Trickbetrüger hatte die Frau aufgefordert, wegen Datenmissbrauchs 3800 Euro zu zahlen. Die Antwort des Opfers fiel unmissverständlich aus: „Du kannst mich mal!“ l
  • Während ein 38 Jahre alter Göttinger auf Montage weilte, räumten Diebe sein Apartment aus. Von Mikrowelle, Waschmaschine, Kühlschrank, Sofa, Flachbildschirmfernseher, Schrankwand und sogar dem verklebtem Teppich fehlt jede Spur.
  • Nicht immer geht es harmonisch zu. Selbst in der allertrautesten Zweisamkeit gibt es mal Stress. So geschehen im September in Rosdorf. Hier rief ein Mann die Polizei, weil er sich mit seiner Lebenspartnerin stritt. Als die Beamten eintrafen, war die verbale Auseinandersetzung zwar bereits beendet, dennoch kam ans Licht, dass Anlass des Streites die „fehlende Mitarbeit des Mannes bei der Hausarbeit“ gewesen sei.
  • Auch in einer großen Stadt wie Göttingen gibt es interessante Begebenheiten mit der heimischen Tierwelt. Es sei erwähnt, dass auch unseren haarigen Freunden anscheinend nichts Menschliches fremd ist. Eindeutiger Beweis: Ein alkoholisierter Waschbären in Hann. Münden im Juni. Vermutlich durch den Konsum vergorener Früchte vollkommen berauscht, torkelte er durch die Gegend.
  • Auch entlaufene Tiere beschäftigten die Polizei. Zu erwähnen ist die Eselin „Gretha“, die sich im Juni in Reinhausen umsah. Oder auch das amtsbekannte Hausschwein einer Studentenverbindung in der Reinhäuser Landstraße, das sich im Juni Auslauf verschaffte. Aus einem Gehege in Holtensen hatte sich zu Beginn des Jahres eine Hirsch-Familie auf die Wanderschaft gemacht. Und auch Schafe haben einen gewissen Freiheitsdrang. Im September zog eine Herde in die Südstadt.
  • Einen langen Weg hatte im Mai ein in Berlin verloren gegangener Ehering hinter sich. In einem Krankenhaus landete der wertvolle Fingerschmuck mit in der Krankenhauswäsche. Diese wurde in eine Göttinger Großreinigung gefahren. Hier konnte das vermisste Schmuckstück wieder aufgefunden werden.
  • Ein unbekleideter Mann, der sich in einem Waldgebiet bei Herberhausen an seinem Auto aufhielt, zog an einem Abend im Mai den Einsatz eines Streifenwagens nach sich. Eine Frau hatte den Nackedei gemeldet. Die stellte fest, dass sich der 61 Jahre alte Mann in Begleitung einer Frau befand. Beide gaben übereinstimmend an, „dass man sich im Auto näher gekommen und zum Auskleiden ausgestiegen sei“. Das klang einleuchtend.
  • Wie der liebe Gott ihn schuf, also völlig unbekleidet, soll ein Mann im Juli mehrfach bei einem Göttinger Imbiss aufgetaucht und sich Döner bestellt haben. Das ging eine Zeit lang gut. Irgendwann reichte es dem Imbissbetreiber und er informierte die Polizei. Die Beamten führten ein klärendes Gespräch mit dem Döner-Nackteinkäufer.
  • Zum Schluss noch die kuriose Premiere des Jahres 2015. Am Neujahrstag sammelte eine Funkstreife im Windausweg einen „stark angetrunkenen Seemann ein, der seinen Weg nicht mehr allein fortsetzen konnte“. Die Freunde und Helfer brachten den 74-Jährigen nach Hause. Als kleines Dankeschön sang er den Polizisten während der Fahrt zu seinem „Heimathafen“ Seemannslieder. So geht es also auch.

Von Jasmin Kaatz

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