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„Dort zu leben, heißt immer Angst haben zu müssen“

Yasser Khadem Al-Jamen floh vor Krieg aus Damaskus „Dort zu leben, heißt immer Angst haben zu müssen“

Jeden Tag kommen Menschen nach Deutschland, in überfüllten Zügen, maroden Kähnen - und erreichen auch die Region. Hier warten die Migranten auf das Ende ihres Asylverfahrens - und auf ein besseres Leben. Einige stellen wir in loser Reihenfolge vor. Heute: Yasser Khadam Al-Jamen und sein Bruder Omar aus Syrien.

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Yasser und Omar Khadem Al-Jamen sind ohne ihre Familie aus Syrien nach Deutschland geflohen.

Quelle: Hallmann

Göttingen. Yasser Khadam Al-Jamen ist 24 Jahre alt. Mit seinem jüngeren Bruder Omar floh er vor Krieg und Zerstörung aus Damaskus. Er war gezwungen, seine Familie und seine Freunde zu verlassen und sein Studium abzubrechen.

Al-Jamen studierte im vierten Jahr Agrarwissenschaften, und sein Bruder Omar hatte schon zwei Jahre Wirtschaftswissenschaften hinter sich, als Al-Jamen und seine Eltern entschieden, dass die beiden Brüder das Land verlassen sollten. „Es ist sehr schwierig, dort zu leben“, sagt Al-Jamen. „Vor allem in ländlicheren Gebieten fallen viele Bomben, dort bleibt nichts stehen.“ Der 24-Jährige berichtet von Straßensperren an jeder Ecke, mit Soldaten bemannten Checkpoints, der ständigen Lebensgefahr. „Dort zu leben, heißt, immer Angst haben zu müssen“, erklärt Al-Jamen. Ende des Jahres 2015 verließ er mit seinem Bruder das Land: bei Nacht und Nebel über die türkische Grenze, in einem überfüllten Boot über das Mittelmeer nach Griechenland. „Die Wellen waren sehr hoch und gefährlich“, erzählt Al-Jamen. Die Flucht nach Deutschland dauerte nur eine Woche. „Wir hatten viel Glück“, findet Al-Jamen.

Die Brüder wohnen nun seit drei Monaten in einer Unterkunft in Weende, und haben jetzt endlich Aussicht auf Deutschkurse. Eingelebt haben sie sich gut: Die Brüder spielen Fußball im SC Weende, Volleyball mit deutschen Studenten, haben Schwimmunterricht bekommen und einen Campingausflug unternommen. „Wir sind hier zu Hause“, sagt Al-Jamen. „Hier im Haus ist es wie eine große Familie, wir helfen einander, kochen zusammen, bekommen viel Besuch.“ Doch dann kam Anfang Mai die Nachricht, dass sie die Weender Flüchtlingsunterkunft verlassen müssen, alle Bewohner sollten in die neue Unterkunft auf der Göttinger Siekhöhe umziehen. Der Grund: Kakerlakenbefall. Al-Jamen und sein Bruder waren verzweifelt. „Wir mussten alles bis auf unsere Kleidung zurücklassen.

Es ist wieder alles weg, was wir besessen haben“, sagt Al-Jamen. „Als wir hier ankamen, hätte ich nie gedacht, dass uns so etwas passiert.” „Wir wollen ein Teil der deutschen Gesellschaft werden“, sagt Al-Jamen. „Aber ich weiß nicht, wie wir eine Verbindung zur deutschen Kultur aufbauen sollen, wenn wir an diesem Ort sind.“ Mit anderen Bewohnern protestierten die Brüder gegen den Zwangsumzug, sind auf die Straße gegangen und haben demonstriert. Mit Erfolg: Die Stadtverwaltung sicherte zu, dass sie nach der Säuberung der Weender Unterkunft an der Großen Breite wieder dorthin zurückkehren dürfen. hal

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