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Drei Tage à Göttingen

Barbara-Ausstellung im Städtischen Museum Drei Tage à Göttingen

Vielen Franzosen ist Göttingen ein musikalischer Begriff: Das Lied „Göttingen“ der Sängerin Barbara war in Frankreich ein Hit. In Göttingen sind sowohl Lied als auch Sängerin eher unbekannt – das will das Städtische Museum mit seiner Ausstellung „Barbara 1964“ ändern.

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Das Städtische Museum widmet der Sängerin Barbara eine Ausstellung.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Drei Tage war die französische Chansonnière im Jahr 1964 in Göttingen. Eine kurze Zeit, die nicht nur ihr Leben, sondern auch den deutsch-französischen Beziehungen eine neue Richtung gegeben hat. Dabei hatte Barbara in Göttingen keinen guten Start: Die französische Jüdin wollte eigentlich nicht nach Deutschland und wurde zu dem Auftritt im Jungen Theater Göttingen überredet.

In Göttingen angekommen, wollte sie nicht auftreten, als sie auf der Bühne statt des versprochenen Flügels nur ein Klavier vorfand. Spontan organisierten einige Studenten einen Flügel aus einem benachbarten Haus und trugen ihn auf die Konzertbühne. Barbaras  Auftritt wurde enthusiastisch bejubelt.

Die Begeisterung der Göttinger führte bei Barbara zu einem Stimmungswechsel. Am dritten Tag ihres Aufenthalts saß sie im Garten des Jungen Theaters und schrieb vor ihrem letzten Auftritt die Rohfassung des Liedes „Göttingen“, die sie noch am selben Abend vortrug.

Sängerin und Komponistin: Barbara machte Göttingen mit dem gleichnamigen Lied in Frankreich bekannt.

Sängerin und Komponistin: Barbara machte Göttingen mit dem gleichnamigen Lied in Frankreich bekannt.

Quelle: Nationaal Archief

Das Leben der französischen Chansonnière

1930 wird Barbara als Monique Andrée Serf in Paris geboren und verlebt keine einfache Kindheit. Im Alter von neun bis 15 Jahren versteckt sich die französische Jüdin vor den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime in Paris und wird dabei immer wieder von ihrer Familie getrennt. Sie beginnt eine Karriere als Chansonsängerin und tritt jahrelang in einem kleinen Nachtclub auf. Mit der Zeit füllt Barbara in Frankreich immer größere Konzertsäle. Hans-Gunther Klein, damals Direktor des Jungen Theaters, überredet sie zu einem Auftritt in Göttingen. Dort schreibt sie im Juli 1964 den Chanson „Göttingen“. Das Lied kommt ein Jahr später in die französischen Charts und Barbara singt es bei vielen ihrer Konzerte. 1967 gibt Barbara noch einmal ein Konzert in Göttingen in der ausverkauften Stadthalle. An diesem Abend singt sie „Göttingen“ erstmals auf deutsch und erhält minutenlangen Applaus. Barbara hat als Komponistin und Sängerin unterschiedliche Kunstformen zusammengebracht und war immer auf der Suche nach neuen Wegen. In den 1980er-Jahren engagiert sie sich für die Aids-Hilfe, erhält das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmedaille der Stadt Göttingen. Barbara stirbt 1997 im Alter von 67 Jahren.

Der Soundtrack der deutsch-französischen Versöhnung sei mit dem Lied entstanden, heißt es im Städtischen Museum. „Wir wollen nicht die Künstlerin Barbara, sondern das Jahr 1964 und Göttingen in den Mittelpunkt stellen“, betont Museumsdirektor Ernst Böhme. Dazu ist eine Sonderausstellung entstanden, die Barbaras Göttingen-Zeit im kommunalen Bewusstsein verankern soll.

„Das Lied hat eine große Bedeutung für die deutsch-französische Aussöhnung“, sagt Kuratorin Andrea Rechenberg. Sie hat die Ausstellung konzipiert und monatelang Dokumente ausgewertet, die in der Ausstellung gezeigt werden. Außerdem gibt es außer viel Musik auch Zeitzeugen-Interviews zu hören.

Offiziell wird Barbara in Göttingen bereits gedacht: Auf den Zietenterrassen gibt es eine Barbarastraße, am ehemaligen Gebäude des Jungen Theaters an der Geismarlandstraße erinnert eine Gedenktafel an sie und in einigen Gärten blüht die Barbara-Rose. Damit Barbara nicht in Vergessenheit gerät. Schließlich sei die Geste des Händereichens immer noch aktuell, erklärt Rechenberg.

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung „Barbara 1964“ ist von Sonntag, 22. Mai, bis Sonntag, 27. November, zu sehen. Das Städtische Museum, Rittersplan 7-8, hat dazu   dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Verein Göttingen Tourismus bietet zur Sonderausstellung begleitend die Themenstadtführung „Barbara – ein Chanson für Göttingen“ an. An den Sonntagen des 29. Mai, 19. Juni, 24. Juli, 21. August, 18. September, 16. Oktober und 27. November beginnen die Führungen jeweils um 11 Uhr am Alten Rathaus. Eine Anmeldung ist unter Telefon 05 51 / 4 99 80 31 erforderlich.

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