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Dreifach-Konzert im Göttinger Keller-Club Nörgelbuff

Im Zeichen des Synthesizers Dreifach-Konzert im Göttinger Keller-Club Nörgelbuff

Es quietscht und jault auf der Bühne, einzelne Melodiefragmente finden sich zögernd zusammen, es ist laut und schrill. Mirza Ramic steht auf der Bühne des Nörgelbuff und wippt ekstatisch im Takt seiner Beats.

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Quelle: Wikipedia © CC BY-SA 3.0 Times

Göttingen. Gesanglich sind die rund 100 Gäste an diesem Abend schon voll auf ihre Kosten gekommen: Die Göttinger Künstlerin Kormoran brachte die Gekommenen mit ihrem psychedelischen, teils eingängigen, teils schrägen Loop-Gesang als Support in Stimmung für das Konzert, das an diesem Donnerstag ganz im Zeichen der elektronischen Musik und des Synthesizers steht.

Battle Lines aus Leeds in England liefern im Anschluss Elektro-Pop, der durch den hallenden, hohen Gesang von Carly Humphries seine besondere Note bekommt. Der Großteil des Publikums hat sich auf den Boden gefläzt. Vielleicht, weil ihnen das zuckende Knallen des Schlagzeugs gepaart mit Melodieexplosionen den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Mit dem Echo der Klänge des Quartetts im Kopf begeben sich die Zuhörer nun also stehend in die leicht reizüberflutete Welt von Arms and Sleepers, deren eine Hälfte, Ramic, inmitten eines Gemischs aus dröhnenden Beats, Licht- und Schattenspielen und Videosequenzen mit seinem grauen Kapuzenpulli irgendwie seltsam normal wirkt. Introvertiert melancholischer, instrumentaler Triphop paart sich mit animierender, flirrender Ambient-Musik. Manchmal erahnt man ein Saxophon oder ein Klavier zwischen den elektronischen Tönen.

Nach kurzer Weile tanzt das gesamte Publikum. Der Beamer projiziert eine Straßenkreuzung mit Zebrastreifen auf die weißen Laken hinter dem Mischpult. In extremer Zeitlupe laufen Menschen hinüber. Spuren der täglichen Routine, seltsam fremd, bevor auf der weißen Fläche quallenartige Kugeln in Zeitlupe zu den schrillen, temporeichen Tonleitern vor sich hin wabern.

Bis weit nach Mitternacht tanzt das Publikum, jubelt und feiert. Der Alltag wird ihm am nächsten Morgen wohl besonders leb- und farblos erscheinen.

Von Katharina Kilburger

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