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Drogenabhängiger verletzt Göttinger Polizisten im Gesicht

Katz-und-Maus-Spiel endet blutig Drogenabhängiger verletzt Göttinger Polizisten im Gesicht

Weil er mit einem Messer einen 59 Jahre alten Polizeibeamten im Gesicht verletzt und außerdem auf ihn einen Schuss mit einer Schreckschusswaffe abgegeben hat, steht seit Mittwoch ein 30 Jahre alter Drogenabhängiger vor Gericht. Dabei handelt es sich um ein Sicherungsverfahren: Der Mann soll dauerhaft im Maßregelvollzug untergebracht werden.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Er habe Durst gehabt, einfach nur Durst, sagt der Angeklagte. Deshalb habe er in der Nacht zum 4. November 2014 an einer Tankstelle in der Königsallee etwas zu Trinken kaufen wollen. Geld hatte er nicht, die EC-Karte funktionierte nicht. Als er zu einer Flasche mit Scheibenwischer-Flüssigkeit griff, um diese auszutrinken, rief die Tankstellen-Mitarbeiterin die Polizei.

Was dann folgte, war ein „Katz-und-Maus-Spiel“ mit einem Hauptdarsteller, der sich „wie ein Kind benommen“ habe, sagt der Polizist im Zeugenstand. Das alles endete blutig. Der erfahrene Polizeibeamte und seine Kollegin hatten den verwirrten Mann aufgefordert, das Tankstellengelände zu verlassen - ein Platzverbot. Der ging, kam aber gleich wieder. Die Beamten warteten ab, verwiesen den 30-Jährigen wieder des Platzes. Der ging, friedlich, aber kam zurück. Sie schickten ihn wieder weg. Das sei 15 bis 20 Mal so gegangen. Dann habe er einen Gefangenentransporter bestellt und dem 30-Jährigen gesagt, dass man ihn nun mitnehmen werde, sagte der Polizist.

Noch während man wartete, entdeckte die Polizistin plötzlich ein Messer in der Hand des Mannes, gleich danach in der andren Hand eine Pistole. Das Messer, sagt der Beamte, habe er nicht gesehen, aber sofort die Hand mit der Pistole runtergedrückt. Als sich ein Schuss löste, habe er ihm mit aller Kraft die Waffe entwunden. Erst später habe ihn die Kollegin darauf aufmerksam gemacht, dass er in dem Gerangel eine Gesichtsverletzung erlitten hatte: einen Schnitt, der mit sechs Stichen genäht werden musste. „Ich hatte das gar nicht bemerkt, war einfach nur froh, dass keinem was passiert war“, sagt der Beamte.

Von all dem weiß der Beschuldigte angeblich nichts. Er habe keine Erinnerung. Er wisse nur, dass er drei Tage sein Methadon, eine ärztlich verordnete Ersatzdroge für Heroin, nicht mehr abgeholt habe, stattdessen für 400 Euro Amphetamin und vor allem die Modedroge Flex konsumiert habe. Von dem Zeug, er nennt es Badesalz, habe er Verfolgungswahn bekommen. Er habe vier Tage nicht geschlafen, kaum etwas getrunken, sei völlig fertig gewesen. Dazu soll ein psychiatrischer Gutachter gehört werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Horrordroge Flex
Es ist nicht der erste Vorfall in Göttingen mit ehemals Drogenabhängigen, die zur Modedroge Methylendioxypyrovaleron (MDPV) greifen und ausflippen. Die Designerdroge ist nirgendwo sonst in der Bundesrepublik so verfügbar wie in der Leinestadt. Sie ist in den USA als „Badesalz“ bekannt geworden und wird hier als „Flex“ verkauft. Weil sie so preiswert ist, ist sie stark verbreitet. Sie kann bei Überdosierung oder bei langem Schlafentzug zu schlimmsten Psychosen führen. Die Göttinger Polizei hat eigens eine mehrköpfige Sonderermittlungsgruppe im Kampf gegen MDPV eingesetzt.    ck
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