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Drohneneinsatz zum Schutz von jungen Rehen in Lenglern

Moderne Technik Drohneneinsatz zum Schutz von jungen Rehen in Lenglern

Auf Wiesen lauern für Rehkitze und andere Wildtiere viele Gefahren – auch durch den Beginn der Frühjahrsernte. Landwirte sind angehalten, Kitze einen Tag vor dem Mähen zu vertreiben oder mit Hunden suchen zu lassen. Nun erhalten die Jungtiere in der Region auch Unterstützung aus der Luft.

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Beim Start der High-Tech-Rehkitzsuche: Christian Trothe, Holger Frahnert und Iris Wohlfahrt (v.l.).

Quelle: Hinzmann

Lenglern. Iris Wohlfahrt, die zusammen mit ihrem Mann eine rund 1200 Hektar große Jagd bei Göttingen gepachtet hat, geht mit ihren Hunden auf Kitzsuche. Aber auch die Technik hält Einzug in den Tierschutz, wie Christian Trothe auf einem Feld zwischen Lenglern und Emmenhausen zeigt. Der Jäger und studierte Forstwirt bietet mit seinem Unternehmen Milvus Media Drohnenflüge an. Neben einem normalen Objektiv ist das Fluggerät mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die Temperaturunterschiede zwischen Umgebung und Lebewesen auf Monitoren farblich darstellt. Mithilfe von GPS kann der Wildbiologe im Vorfeld die abzufliegende Route der Drohne programmieren. Sechs Hektar schaffe er in 30 Minuten. Im „Spannungsfeld zwischen wildem Tier und Mensch“ sieht er seine Arbeit.

 
Das Hauptproblem zu dieser Jahreszeit ist, dass die frühen Erntetermine in die Brut- und Setzzeiten vieler Wildtiere fallen. Spätere und weniger Schnitte bedeuten Ertrags- und Qualitätseinbußen für den Landwirt. Der Zeitdruck ist groß. Allerdings verstecken viele Tiere ihre Jungen im hohen Gras, um sie vor natürlichen Feinden zu schützen. Durch den Drückinstinkt in den ersten Lebenstagen fliehen Rehkitze meist nicht vor Gefahr, sagt Wohlfahrt. Um den Mähtod zu verhindern, sollen laut der Weimaranerzüchterin die Flächen vor dem Abmähen nach Wildtieren durchsucht werden. Wenn der Landwirt von gesetzten Kitzen in seinem Feld weiß, aber dennoch mäht, „ohne vorher Maßnahmen zum Schutz der Tiere ergriffen zu haben“, ist dies sogar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, teilt das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit.

Zuletzt nehmen durch verendete Kitze nicht nur Wildtiere Schaden. Der Nutztierbestand der Landwirte ist gefährdet, sagt Holger Frahnert. Der Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Göttingen geht auf Botulismus ein: „Vermähte Kitze“ im Futter könnten bei Kühen unter anderem diese tödliche Vergiftung hervorrufen, erklärt Frahnert.

 
Die Drohnen „sind aber nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Hund“ zu sehen, sagt Trothe. Junge Kitze seien noch geruchsarm und somit für Hunde schwerer aufzuspüren. Es müssen auch gut ausgebildete Hunde sein, die nur „vorstehen und nicht zubeißen“. Die Drohne hingegen benötigt Akkus, ist störungsanfälliger und braucht Zeit zum Starten. Außerdem sei sie am besten morgens einzusetzen, da sich das Gebiet durch Sonneneinstrahlung noch nicht aufgewärmt habe und somit die Kitze mit der Wärmebildkamera besser zu erfassen seien, erklärt Trothe.

 
Eigentlich sei aber am wichtigsten, dass Landwirte und Jäger gut miteinander kommunizieren, erklärt Wohlfahrt. Dann klappt es auch mit dem Tierschutz.
 

Von Friedrich Schmidt

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