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„Durch Gottes Gnad durchs Fewer geflossen“

Glocken aus der Region Göttingen „Durch Gottes Gnad durchs Fewer geflossen“

Täglich läuten die Kirchenglocken, sonntags besonders lange, wenn sie zum Gottesdienst einladen. Wir stellen in einer zwölfteiligen Serie ausgewählte Glocken der Region und die dazugehörigen Kirchen vor. Den Glockenklang können Sie im Internet als Podcast herunterladen. Heute die erste Folge: St. Johannis in Göttingen.

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Der Ton f im Johannis-Geläut: Die jüngste Glocke, gegossen 1958.

Quelle: Hinzmann

Am schnellsten ist der hohe Ton des Dreiklangs, die tiefen Töne haben ein langsameres Tempo. Wer sonntags zehn vor zehn vor der Göttinger Johanniskirche steht, kann sehr schön die eigentümliche Harmonie dieses Dreiklangs wahrnehmen, zugleich die rhythmische Freiheit, in der die Schlagtöne aufeinander folgen.

Die Töne des Dreiklangs (B-Dur) stammen von den drei großen Glocken der Kirche. Den tiefsten liefert die 1828 von Glockengießermeister Siegmund Andreas Lange in Hildesheim gegossene Glocke, der dazu das Metall einer geborstenen Glocke aus dem Jahre 1348 mitverwendete. Finanziert wurde sie, wie eine Inschrift verrät, durch eine „Hauscollecte bey saemmtlichen verehrlichen Einwohnern“. Die Glocke hat einen Durchmesser von 180 Zentimetern und wiegt etwa dreieinhalb Tonnen.

1942 wurde diese Glocke beschlagnahmt und für etwaigen kriegsbedingten Metallbedarf nach Hamburg gebracht, wo sie ihr Schicksal mit vielen anderen Kolleginnen auf dem sogenannten Glockenfriedhof teilte. Doch konnte sie 1947 wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren, ohne eingeschmolzen worden zu sein.

118 Zentimeter Umfang hat die Glocke, die den höchsten Ton des Dreiklangs, ein f, liefert. Sie ist der Benjamin im Dreiklang: Gegossen wurde sie 1958 von der hessischen Glockengießerei Rincker. Sie wiegt eine knappe Tonne (genau 981 Kilogramm) und trägt als Inschrift das Jesuswort „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ aus dem 24. Kapitel des Matthäusevangeliums. Gewidmet ist die Glocke „unseren im 2. Weltkrieg gefallenen, vermissten und umgekommenen Gliedern + Die Johannisgemeinde von 1958“.

Komplettiert wird der Dreiklang durch die Terz, den Ton d. Die Glocke, die diesen Ton liefert, ist die älteste erhaltene der Johanniskirche, gegossen 1616 von den lothringischen Wander-Glockengießern Thomas Simon und Francoy Breutel. Ihre Inschrift beginnt: „Anno 1616 den 2 Augusti bin ich durch Gottes Gnad durchs Fewer geflossen.“ Sie hat einen Durchmesser von 143 Zentimetern und wiegt etwa 1600 Kilogramm.

Der früheste Bau von St. Johannis, so hat es Franz Lübeck im 16. Jahrhundert in einer Chronik erwähnt, begann 1119, ein romanischer Bau. Sie soll wohl ebenso breit, aber kürzer als die spätere gotische Kirche gewesen sein, die von 1300 bis 1347 gebaut wurde. Die Türme stammen aus dem 15. Jahrhundert, die Turmhauben von 1661/62. Eine wesentlich spätere Ergänzung ist das Chorgewölbe mit seinen beiden Pfeilern, errichtet 1895 bis 1897. St. Johannis ist die Hauptkirche der Stadt Göttingen, darauf beruht auch der Name ihres Chores, der Göttinger Stadtkantorei.

In der kommenden Woche: die Glocken von St. Jacobi.

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