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Ebay-Betrüger werden angeklagt und machen weiter

18.562 Euro Schaden Ebay-Betrüger werden angeklagt und machen weiter

Die Angeklagte gesteht: „Stimmt alles!“ Der Ehemann leugnet: „Ich habe erst im Gefängnis davon erfahren.“ Gemeinsam soll das Ehepaar aus Bad Sachsa, 44 und 51 Jahre alt, im großen Stil Betrug auf der Internet-Auktionsplattform Ebay begangen haben.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen/Bad Sachsa/Walkenried. In mehr als 120 Fällen sollen sie Waren, die sie meist gar nicht hatten, zum Kauf angeboten, das Geld nach der Versteigerung eingestrichen und die Ware nie geliefert haben. Gesamtschaden: 18 562,45Euro.

Im Landgericht Göttingen, wo sich das Ehepaar seit Montag vor einer Wirtschaftsstrafkammer wegen gemeinschaftlichen und teils gewerbsmäßigen Betruges verantworten muss, dauerte allein das Vorlesen der Vorwürfe eine Dreiviertelstunde. Dabei hat das Gericht die Anklagepunkte bereits zusammengestrichen und verhandelt nur die 74 schwerwiegendsten der insgesamt 120 Fälle. Sie teilen sich auf zwölf Anklagen auf, beginnend im Januar 2012, endend im Sommer 2014.

Das Paar wird aus der Untersuchungshaft dem Gericht vorgeführt, wo beide wegen Wiederholungsgefahr seit 27. November einsitzen. Denn obwohl das Amtsgericht Herzberg bereits eine erste Anklage gegen die 44 Jahre alte, einschlägig vorbestrafte Ehefrau verhandelt hatte, waren deren Betrügereien im Herbst vergangenen Jahres munter weiter gegangen. „Ich wollte ja die Sachen wirklich wegschicken, manchmal hat es ja auch geklappt“, sagt die Frau unter Tränen. „Aber sie haben einige Teile zehn Mal verkauft, und hatten kein einziges“, gibt Richter Matthias Thielbeer zu bedenken.

„18.000 Euro mehr, ich würde das merken“

Meist waren es Elektronik-Geräte wie Receiver, Router oder Computerzubehör, das Ebay-Kunden aus ganz Deutschland für Preise zwischen 70 und 160 Euro vom Anbieter aus Walkenried ersteigerten. Bezahlt haben sie auf diverse Konten des Ehepaares, dazu auf Bankverbindungen des Vaters, der Kinder, gar eines Pflegekindes. Die Ebay-Accounts liefen ebenfalls auf viele verschiedene Namen, darunter Bekannte oder gar das  Aupair-Mädchen der sechsfachen (mit Pflegekind) Eltern.

Von all dem will der 51-Jährige Ehemann nichts mitgekriegt haben. Dem Gericht erzählt er, weder die Kontoauszüge seiner Bankverbindungen gesehen, noch die Kontostände kontrolliert, noch irgendetwas von den Auktionen seiner Frau bemerkt zu haben. Er will auch die unzähligen bösen Mails verärgerter Ebay-Kunden, die auf seinem Mailaccount landeten, nie gelesen haben. Seine Frau habe ihm auch alle Post vorenthalten. Nicht einmal, dass er angeklagt wurde und Termin bei Gericht hatte, will er wahrgenommen haben. Das habe ihm alles seine Frau vorenthalten. Ob er sich denn nicht gewundert habe über den relativen Wohlstand, wird der Hartz-IV-Empfänger gefragt. „Wir haben doch nichts Großartiges angeschafft. Im Gegenteil auf alles mögliche verzichtet“, antwortet er. „18.000 Euro mehr, ich würde das merken“, sagt der Richter. Der Angeklagte will nichts bemerkt haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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