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Ebola-Schutzmaßnahmen am Göttinger Uniklinikum

Ausziehen ist kritischer Punkt Ebola-Schutzmaßnahmen am Göttinger Uniklinikum

„Vorsicht, Biogefährdung!“ Noch ist das Warnschild an der Tür zur Isolierstation der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) verdeckt. Da es in Göttingen bislang noch keinen Patienten mit Verdacht auf eine Ebola-Infektion gab, musste das Schild noch nicht aufgeklappt werden.

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Doppelt und dreifach verpackt: UMG-Mitarbeiter Jens Jakisch (links) und Dagmar Harder präsentieren sich in der komplette Schutzmontur.

Quelle: Niemann

Göttingen. Das Risiko, dass dieser Fall eintrete, sei derzeit sehr gering, sagt Professor Helmut Eiffert vom Institut für Medizinische Mikrobiologie.

Trotzdem hat das Klinikum umfangreiche Maßnahmen getroffen, um ihre Patienten und ihre Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen. Einen Fall wie in Spanien, wo sich kürzlich eine Krankenschwester bei der Behandlung eines Ebola-Patienten infiziert hatte, soll es in Göttingen nicht geben.

Die UMG veranstaltet deshalb nicht nur wöchentliche Schulungen für ihr Pflegepersonal, sondern hat auch als zusätzlichen Schutz zwei Kammern an die Isolierstation angebaut, die das so genannte Ausschleusen optimieren sollen.

Flüssigkeitsdichte Anzüge

„Das Ausschleusen ist der kritischste Punkt“, erläutert Sabine Scheithauer, Leiterin der Stabsstelle Krankenhaushygiene und Infektiologie. Dies zeigt auch der Fall in Spanien: Medienberichten zufolge soll sich die Krankenschwester dadurch infiziert haben, dass sie sich beim Ausziehen des Schutzhandschuhes über das Gesicht strich. Damit hier so etwas nicht passiert, hat das Klinikum die Reihenfolge für das An- und Ausziehen der Schutzkleidung genau festgelegt.

Sollte ein Verdachtsfall auf eine Ebola-Erkrankung auftreten, würde der betreffende Patient direkt auf der Isolierstation aufgenommen, ohne mit anderen Patienten in Kontakt zu kommen. Ärzte, Schwestern und Pfleger müssen vor dem Betreten der Station in einem Vorraum Ringe, Uhren, Ketten, Pieper, Stifte, Handys und andere Utensilien ablegen und ihre Hände desinfizieren.

Dann kommt die Ankleideprozedur. Los geht`s an den Füßen: OP-Socken und OP-Schuhe werden in Schutzüberstiefel eingepackt, die Haare mit einer Haube bedeckt, dann kommt der Overall. „Wir haben flüssigkeitsdichte Anzüge angeschafft, damit gehen wir über die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts hinaus“, sagt Sabine Scheithauer.

„Doppelt hält besser“

Danach wird ein spezieller Mundschutz mit Ventil angelegt. „Dieser muss sehr genau sitzen“, sagt Pflegedienstleiter Holger Gottschling. Erst danach wird die Kapuze des Overalls über den Kopf gezogen und der Reißverschluss bis oben hin geschlossen.

Weil Ebola-Viren unter anderem über Körperflüssigkeiten übertragen werden, müssen als zusätzliche Schutzmaßnahmen noch eine Einwegschürze über den Overall und ein Visier vor das Gesicht gezogen werden. „Doppelt hält besser“ gilt auch für die Hände: Über einen grünen Schutzhandschuh kommt erst der Ärmel des Overalls, dann ein zweiter Handschuh, dann müssen noch die Ärmel in die Stulpen gekrempelt werden.

So eingepackt, kommen die Ärzte und Pfleger in ihrer astronautenähnlichen Montur kräftig ins Schwitzen.

Behandlung in Hamburg-Eppendorf

Auch für die Auskleide-Prozedur gibt es genaue Anweisungen. Hier ist noch einmal besondere Vorsicht erforderlich, weil das Personal auf der Isolierstation Kontakt mit dem Patienten hatte. Damit keine Fehler gemacht werden, kommt ein zusätzlicher Mitarbeiter – ebenfalls in voller Schutzausrüstung – über einen separaten Eingang als Supervisor in die erste Schleusenkammer.

Dieser achtet zum Beispiel darauf, dass Ärzte und Pfleger zunächst ihre Schutzanzüge an Kopf, Schultern und Oberkörper mit Desinfektionsmitteltüchern abwischen und das Visier nach vorne und nicht über den Kopf abziehen. Die benutzten Kleidungsstücke und Schuhe verstauen sie in bruchsicheren Gefäßen, die sich nach dem Verschließen nicht mehr öffnen lassen.

Sollte sich der Ebola-Verdacht bestätigen, würde der Patient nicht in Göttingen behandelt, sondern ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verlegt. Dies ist das zuständige Kompetenzzentrum für die Behandlung dieser Krankheit.

Von Heidi Niemann

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