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Edle Rösser vor dem Richter

Pferdezuchtverein in Holtensen Edle Rösser vor dem Richter

Langbeinig und sportlich sollen sie sein, sich elastisch bewegen und ein hübsches Gesicht haben. Mit solchen Voraussetzungen erhalten sie Bestnoten von den Richtern. Doch diese Modells tragen Ganzkörperbehaarung und haben vier Beine. Der Pferdezuchtverein Südhannover hat seine besten Stuten geprüft.

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Auf der Anlage des Reitvereins Holtensen werden die besten Zuchtstuten des Pferdezuchtvereins Südhannover gesucht.

Quelle: Peter Heller

Holtensen. Erstmalig wurde die Stutenschau des Pferdezuchtvereins (PZV) Südhannover nicht mehr auf dem Kehr, sondern am Freitag auf der Anlage des Reitvereins Holtensen ausgerichtet. „Das hat ganz praktische Gründe. Die Verkehrsanbindung ist hier besser“, erklärte Klaus Storbeck, Vorsitzender des PZV. Hannoveranerzüchter Markus Bergemann aus Gieboldehausen erläuterte: „Mit einem Pferd im Hänger bis zum Kehr hinauf, kann ganz schön holprig sein. Und vorher muss man durch Göttingen.“ Er befürworte den Umzug der Zuchtschau nach Holtensen. Die Anlage biete ebenfalls einen guten Boden für die Stars des Tages: die Pferdedamen.

Diese wirkten etwas aufgeregt, wenn sie mit glänzend gebürstetem Fell und eingeflochtenen Mähnen den Richtern vorgestellt wurden. Die meisten Stuten waren sehr jung, eine erst zweijährig. Eine ungewohnte Umgebung, fremde Menschen in den Zuschauerreihen, streng blickende Richter mit Zetteln und Stiften in der Hand - da kann ein edles Ross schon etwas nervös werden. Das wurde aber nicht bewertet. Alles andere am Pferd dafür umso genauer: Beine, Rücken, Kruppe, Widerrist, Kopf sowie der Schritt und die Elastizität im Trab wurden mit einer Note versehen. Wer gut abschnitt, wurde ins Stutbuch eingetragen. Die besonders ansehnlichen Tiere erhielten die Anwartschaft auf den Titel Hannoveraner Prämienstute. Doch erst nach der Geburt eines Hannoveraner Fohlens wird der Stute dieser Titel auch zuerkannt.

„In der Pferdezucht kommt es auf die Mutter an, die vererbt 70 Prozent an den Nachwuchs“, erklärte Storbeck. Doch trotz berühmter Namen in der Abstammungslinie wird nicht jedes Pferd ein Weltmeister.

„Die Zucht ist aufwendig und kostet viel Geld, wenn sie vernünftig betrieben wird. Allerdings sind heute die Preise für Pferde am Boden. Viele sind nicht mehr bereit, für ein Pferd das zu bezahlen, was ein Züchter investieren musste, um ein gesundes und dem Zuchtziel entsprechendes Tier aufzuziehen“, verwies Jörg Küster als Geschäftsführer des PZV Südhannover auf aktuelle Trends. So habe es lange Zeit ein Überangebot an Warmblutpferden gegeben. Diese seien allerdings schon so hervorragend gezüchtet worden, dass auch die Ausbildung der Reiter hinterherkommen müsse, um mit solchen hochbegabten Tieren umgehen zu können, gab Storbeck zu bedenken, dessen eigene Stute auch zu den Anwärterinnen auf den Prämienstuten-Titel zählte.

Die Schausiegerin aus allen Jahrgängen war die vierjährige Fuchsstute Fiorentina, gezogen von Martina Köppen aus Bovenden.

Hannoveranerzucht

Die gezielte Zucht von Pferden im hannoverschen Raum lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Sinn und Zweck der Pferde war neben ihrem Einsatz in der Landwirtschaft vor allem ihre Kriegstauglichkeit. Mit dem technischen Fortschritt und dem Verlust riesiger Zuchtbestände nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zeit des Pferdes in Europa beinahe vorbei. Erst durch die zunehmende Sportreiterei und die Gründung ländlicher Reitvereine gewann das Pferd einen neuen Nutzungsschwerpunkt für den Menschen. Heute sind die Hannoveraner die im Sport weltweit am stärksten vertretene Warmblutrasse mit etwa 17000 Zuchtstuten. ny

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