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Ehepaar Linde: Kranichranger in Mecklenburg-Vorpommern

Die Kranichwelle schwappt Ehepaar Linde: Kranichranger in Mecklenburg-Vorpommern

Carsten und Rosi Linde leisten in jedem Herbst Dienst für das Kranichinformationszentrum Groß Mohrdorf in Mecklenburg-Vorpommern: ein Besuch am Arbeitsplatz zweier Kranichranger aus Südniedersachsen.

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Carsten und Rosi Linde leisten in jedem Herbst Dienst für das Kranichinformationszentrum Groß Mohrdorf in Mecklenburg-Vorpommern: ein Besuch am Arbeitsplatz zweier Kranichranger aus Südniedersachsen.

Quelle: Linde

Zingst / Günz. Sechs Uhr morgens im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bei Zingst, kurz vor Sonnenaufgang.

Ein von zwei Kaltblütern gezogener Planwagen rollt in der Dunkelheit auf den Aussichtspunkt Pramort zu. An Bord: Carsten Wagner, Ranger im Nationalpark, und der Bösinghäuser Carsten Linde, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Kranichinformationszentrums Groß Mohrdorf, mit einer Gruppe von Fotografen. Das Ziel der Fahrt: Schlafplätze von Kranichen, die vor ihrem Aufbruch in die Winterquartiere bis Ende Oktober in der Rügen-Bock-Region rasten.

Die Fotografen schleppen ihre Ausrüstung in einen Aussichtsturm aus Holz. Stative werden aufgebaut, Teleobjektive an die Kameras geschraubt. Der Himmel färbt sich zartrosa. „Das ist heute nicht spektakulär“, meint Linde, „kein ideales Licht für Naturfotografie“. Langsam werden beim Blick durch das Fernglas die Konturen der großen Vögel vor der spiegelnden Wasseroberfläche sichtbar. „Es sind etwa 4000“, sagt Wagner leise.

„Eigentlich hat man ja schon alle Szenen“

Erste Unruhe im flachen Wasser des Boddens. Leise klicken die Kameras. Kranich auf Kranich schwingt sich mit kräftigen Flügelschlägen in das Morgenrosa. In kleinen Trupps fliegen die grauen Vögel in Richtung Land. der 71-Jährige Linde, ehemaliger Schulleiter in Göttingen und Seulingen, hat das schon oft erlebt und fotografiert. Dennoch ist seine eigene Kamera auch an diesem Tag dabei. „Eigentlich hat man schon alle Szenen, aber trotzdem ist jedes Foto eine Nuance anders.“

Seit elf Jahren unterstützt der Südniedersachse und passionierte Fotograf mit Ehefrau Rosi das Kranichinformationszentrum Groß Mohrdorf. Zu Beginn der Zugvogelrast reist das Ehepaar mit Wohnmobil und Auto nach Mecklenburg-Vorpommern.

Carsten und Rosi Linde leisten in jedem Herbst Dienst für das Kranichinformationszentrum Groß Mohrdorf in Mecklenburg-Vorpommern: ein Besuch am Arbeitsplatz zweier Kranichranger aus Südniedersachsen.

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Die Lindes bleiben je nach Verlauf fünf bis sechs Wochen lang dort, während sich die grauen Vögel und ihr Nachwuchs auf den Feldern der Region Reserven für den weiten Flug nach Frankreich oder Spanien anfressen. „Rund 140 000 Kraniche ziehen hier nach und nach durch“, berichtet Kranichrangerin Linde. „Im September und Oktober schwappt die Kranichwelle“, ergänzt ihr Ehemann.

Am „Utkiek Günz“, einem mit Leader-Plus-Mitteln errichteten Aussichtspunkt unweit von Groß Mohrdorf, sind die Lindes in dieser Zeit täglich von etwa 9 bis um 17.30 Uhr anzutreffen. Zu Beginn der Saison bauen sie mit anderen Ehrenamtlichen die Absperrungen auf, richten die Beobachtungsplattform ein und legen Informationsmaterial aus. Sie haben den Parkplatz im Blick, notieren anhand der Kennzeichen die Herkunft der Besucher und beantworten deren Fragen. Die Kranichranger zählen die Vögel und registrieren die beringten Tiere. Die Ringfarben einzelner Kraniche geben Auskunft über das Herkunftsland.

Hochsaison mit 70 000 grauen Vögeln

An diesem Tag frühstücken rund 700 Kraniche in 50 Metern Entfernung. „Endlich“, freut sich Linde. Einige Tage seien die Tiere ausgeblieben, bis auf eine Vogelfamilie, „das dominante Männchen hat die anderen vertrieben“. Es ist Hochsaison im Kranichland. Rund 70 000 der grauen Vögel rasten derzeit in Mecklenburg-Vorpommern.

Je mehr Kraniche eintreffen, desto mehr Schaulustige sind in der Rügen-Bock-Region unterwegs. Keine leichte Zeit für die Kranichschützer. Problematisch ist sie für Landwirte: Touristen parken an den Fahrbahnrändern und Feldzufahrten, zehntausende Kraniche fressen das Saatgut. Aussichtspunkte und Parkplätze wurden gebaut, um die Situation entschärfen. Gerade ist etwa am Günzer See eine zweite Beobachtungsplattform eingerichtet worden.

Durch Ablenkungsfütterungen sollen die Touristenströme gelenkt, Menschen und Kraniche störungsfrei nah zueinander gebracht und zugleich der materielle Schaden für die Landwirtschaft so gering wie möglich gehalten werden. „Bis vor etwa 15 Jahren hat das Land Ausgleichszahlungen geleistet“, berichtet Carsten Linde. Viele Bauern kooperierten dennoch mit dem Kranichinformationszentrum, stellten ihr Arbeitsgerät und das Ablenkungsfutter zur Verfügung. „Wir versuchen, das durch Spenden zu finanzieren.“

Alljährlich im Herbst schließen sich Rosi und Carsten Linde dem ehrenamtlichen Team des Kranichinformationszentrums an. „Andere Urlaubsziele haben wir eher selten“, sagt die 61-Jährige. Wobei die Begeisterung für die großen Zugvögel das Ehepaar auch schon in andere Länder geführt hat. Nach Schweden etwa, wo die Kraniche Frühjahr und Sommer verbringen, oder nach Frankreich und Spanien, wo sie im Winter Quartier beziehen.

Carsten Linde ist ihnen bis in den entlegendsten Winkel mit der Kamera gefolgt. Seine spektakulärsten Bilder teilt er mit anderen Kranichfreunden in Fotokalendern. Ein Buch mit Kranichfotos, Gedanken, weltweiten Mythen und Geschichten über die „Vögel des Glücks“ hat der 71-Jährige in diesem Jahr herausgegeben. Er will ihnen auch in Zukunft auf der Spur bleiben – aus Sympathie und in eigener Sache: „Die Kraniche tragen mich.“

Kranichinformationszentrum

Im November gibt Linde in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, einen Einblick in sein Leben mit den Kranichen. Er stellt dort dort unter dem Titel „Kranich Faszination“ seine Fotografien aus.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 8. November, um 12 Uhr mit einem Referat von Günter Nowald, Geschäftsführer Kranichschutz Deutschland, eröffnet. Am Sonntag, 15. November, präsentiert Axel Harmsen Lindes Buch „Kraniche – Märchen, Mythen, Gedichte und Texte“.

Der Bösinghäuser Fotograf selbst zeigt am Tag der Finissage, Dienstag, 1. Dezember, um 19 Uhr die Bildershow „Wenn die Kraniche ziehen“. Die Ausstellung ist vom 8. November bis zum 1. Dezember montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie an Sonntagen von 11 bis 13 Uhr zu sehen.

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