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Eigentümer müssen ihre Balkone sichern

Balkonsicherheit Eigentümer müssen ihre Balkone sichern

Statiker ergründen derzeit, warum in Wolfenbüttel am Wochenende neun Menschen von einem Balkon gestürzt sind. Ein Holzbalkon gab unter dem Gewicht von Partygästen nach. Drei Frauen und sechs Männer stürzten aus dem zweiten Stock und wurden teilweise schwer verletzt. Kann so etwas auch in der Stadt und dem Landkreis passieren?

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Quelle: r

Göttingen. Eine Geburtstagsparty in Wolfenbüttel war nach dem Absturz der neun Personen jäh beendet, die weiteren etwa 20 Partygäste standen unter Schock. Denn Balkonanlagen, auch wenn sie nachträglich ¬ wie in Wolfenbüttel ¬ angebaut werden, müssen in der Regel für eine Verkehrslast von etwa 400 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt sein.

Der etwa zehn Quadratmeter große Balkon in Wolfenbüttel hätte vier Tonnen tragen müssen. Ein Gewicht, das neun Personen schwerlich erreichen können.

„Die städtische Bauaufsicht hat mit Balkonen zu tun, wenn sie Bestandteil eines Neubauantrags sind oder ebenso in den Fällen, in denen Balkone nachgerüstet werden sollen“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. „Sind die Anträge genehmigt, geht die gesamte Verantwortung an den Eigentümer über.“

Der Eigentümer müsse dafür sorgen, dass seine bauliche Anlage und alle Teile der Anlage dauerhaft sicher seien. „Er muss sich auch um den Zustand von Balkonen kümmern. Die Verantwortung nimmt ihm niemand ab. Regelmäßige Balkonkontrollen durch die Stadt gibt es in Göttingen nicht und nach meinem Wissen in keiner deutschen Stadt“, sagt der Stadtsprecher.

„Insofern kann wohl auch keine deutsche Stadt mit Blick auf das schreckliche Geschehen in Wolfenbüttel für sich behaupten: Kann bei uns nicht passieren.“

Für den Landkreis Göttingen sagt Sprecher Ulrich Lottmann: „Seit der Novelle der Niedersächsischen Bauordnung im Jahr 2012 werden bei den meisten Bauvorhaben bautechnische Nachweise der Standsicherheit nicht mehr durch die Bauaufsicht geprüft.

Lediglich in Fällen des § 65 Abs. 3 S. 1 der Bauordnung wird die Prüfung der Statik noch durch die Bauaufsicht durchgeführt.“ Ziel der Novelle sei eine Entbürokratisierung der Niedersächischen Bauordnung gewesen, zugleich sollte dadurch mehr Verantwortung auf Bauherr, Entwurfsverfasser, Tragwerksplaner und Bauleiter übertragen werden.

„Sollte die Bauaufsicht des Landkreises Göttingen Kenntnis von möglichen Baurechtsverstößen erlangen, werden diese selbstverständlich überprüft und bei Gefahrenlagen dafür gesorgt, dass diese beseitigt werden“, so Lottmann.

Von Frank Beckenbach

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