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Ein Dach aus Backsteinen

Stararchitekt Peter Zumthor stellt sein "Haus für einen Kunstverlag" vor Ein Dach aus Backsteinen

Die Verlegerin Nina Holland und der Schweizer Architekt Peter Zumthor haben am Donnerstag ein erstes Konzept für das Projekt "Haus für einen Kunstverlag" vorgestellt. Das Haus soll auf der Ecke von Düsterer Straße und Turmstraße entstehen. Druckerei, Buchverlag und Wohnungen sollen dort Platz finden.

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Präsentation in der Paulinerkirche: Verleger Jerry Sohn, Architekt Peter Zumthor und Verlegerin Nina Holland an dem Innenstadt-Modell. Der Neubau mit dem spitzen Giebel ist in der Mitte zu sehen.

Quelle: CH

Göttingen. Peter Zumthor hat Teile der Göttinger Innenstadt als Tonmodell gebrannt. Auf mehr als vier Quadratmetern stehen rötlich-braune Häusermodelle. In ihrem Zentrum: das Viertel zwischen Nikolaikirchhof, Nikolaistraße, Düsterer Straße und Turmstraße. Unauffällig reiht sich dort das Modell des geplanten Neubaus mit seinem steil aufragenden, spitzen Giebel in die Straßenzüge von Düsterer Straße und Turmstraße ein. Der Neubau soll in der unmittelbaren Nachbarschaft des geplanten Kunstquatiers mit seinem neuen Galeriegebäude entstehen.

Das Modell:

Das Modell soll am Sonnabend, 12. und 19. März, im Günter-Grass-Archiv, Düstere Straße 6, zu sehen sein. Die Uhrzeit steht noch nicht fest.

"Backsteine passen gut nach Göttingen"

Er habe versucht, die Stimmung der Stadt aufzunehmen, sagt Zumthor. So soll das neue Haus "komplett und massiv" aus Backsteinen gebaut werden. "Auch das Dach", sagt er. "So etwas habe ich noch nie gemacht." Nach Möglichkeit sollen die Backsteine historische Ziegel sein, die aus anderen Häusern stammen, um so "Geschichte und Neubau" zu verweben. Und Backsteine, so findet er, passten gut nach Göttingen. Sein Haus soll "Teil von dem sein, was schon da ist". Gleichzeitig soll es an exponierter Stelle den Eingang zur Innenstadt betonen und attraktiver machen.

"Das Haus soll Teil des Lebens in der Stadt sein", ergänzt Holland. So sollen Einblicke in ihre Arbeit möglich sein, sagt sie. In den unteren Etagen sollen Druckerei und Verlag entstehen, in den oberen beiden zwei Wohnungen. "Die Verbindung von Wohnen und Arbeiten in der Stadt gefällt mir gut", sagt Zumthor. Ihn reizten Bauherren, die "etwas Kulturelles machen wollen". Seine Häuser dienten kulturellen oder sozialen Aufgaben. "Kommerzielle Dinge schließe ich aus", sagt der Schweizer. Sein Anliegen sei es, Häuser zu bauen, "die gut funktionieren".

Architekt Zumthor: "Kleines, aber feines Projekt" in Göttingen

Vor anderthalb Jahre habe sie mit einem Brief Kontakt zu dem renommierten Architekten gesucht, erläuterte Holland. Das Interesse Zumthors an die "kleinen, aber feinen" Projekt in Göttingen war damit geweckt. Wie viel sie in den Bau des Hauses investieren will, verrät Holland nicht. Geld, so lässt sie durchblicken, sei nebensächlich.

Mehr Entwürfe zu dem Neubau als das Tonmodell gibt es noch nicht. "Keinen einzigen Strich", sagt Zumthor. Erst wenn das Planungsrecht durch die Ratspolitik geschaffen worden ist, wolle er mit den konkreten Planungen anfangen. "Das wird eine spannende Reise", sagt Zumthor.

Verlag und Verlegerin

Die Amerikanerin  Nina Holland  betreibt seit 2011 in Göttingen den Buchverlag  Little Steidl , in dem sie mit ihrem Geschäftspartner Jerry Sohn in Handarbeit Künstlerbücher herausgibt. Bereits zuvor, seit 2004, hatte sie mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl zusammen gearbeitet. Holland lernte bei Steidl das Druckerhandwerk. Sie betont, dass ihr Verlag unabhängig vom Steidl-Verlag sei. Derzeit befindet sich ihre Druckerei in der Willi-Eichler-Straße. 2015 kaufte sie das Haus Düstere Straße 2.  mib

Mehr Infos: littlesteidl.de

 

Stararchitekt aus der Schweiz

Peter Zumthor  ist ein Architekt aus der Schweiz. Der 72-Jährige bekam 2009 nach mehr als 26 internationalen Architektenpreisen den Pritzker-Preis für sein Lebenswerk verliehen. Nach einer Tischlerlehre studierte Zumthor Architektur, Innenarchitektur und Design. Er arbeitete danach auch als Mitarbeiter der Denkmalpflege in Graubünden. Zu seinen bekanntesten Gebäuden gehören das Kunsthaus Bregenz, die Therme in Vals und das Kunstmuseum Kolumba in Köln. 1993 gewann Zumthor in Berlin den Architekturwettbewerb für die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors".

"Wir wollen dieses Haus"

Das Interesse an dem geplanten Neubau Düstere Straße 2 und an Architekt Peter Zumthor war bei der ersten öffentlichen Präsentation des Modells am Donnerstag groß. Rund 100 Bürger sind dazu in die Paulinérkirche gekommen. Darunter auch Ratspolitiker, Stadtbaurat Thomas Dienberg und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD).

"Wir wollen dieses Haus", rief einer der Besucher. Der folgende Applaus im Saal war groß. Auch Köhler zeigte sich angetan von dem ersten Entwurf. "Ich bin sehr davon überzeugt", sagte er. Jetzt müsse sich die Politik diesem Angebot stellen. Der Rat der Stadt muss für den Neubau erst grünes Licht für eine Änderung des Bebauungsplanes geben. Dienberg betonte, dass es bei dem gezeigten Modell lediglich um Form, Höhe und Dachform gehe.

Während der baupolitische Sprecher der Grünen, Ulrich Holefleisch, Zumthors Hausidee "raffiniert" nannte, blieb Horst Roth ( Grüne) skeptisch. "Zu groß", "zu massig" nannte er das Eckhaus. Auch überrage es mit seinem steilen Dach die umliegenden Häuser. Zudem würde der Bau weit in die Turmstraße hineinragen, ergänzte Hans-Otto Arnold (CDU).

Architekt Zumthor entgegnete den beiden: "Haben sie keine Angst. Angst ist ein schlechter Ratgeber." mib

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