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Ein Jahr nach Notlandung: Konsequenzen offen

Flugunfalluntersuchungsbericht Ein Jahr nach Notlandung: Konsequenzen offen

Vor genau einem Jahr, am frühen Abend des 26. August 2011, sind bei einer Notlandung von drei Heißluftballone bei Adelebsen und Wibbecke 17 Menschen verletzt worden – acht Passagiere erlitten schwere, neun leichte Verletzungen.

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26. August 2011: Korb eines der bei Adelebsen notgelandeten Heißluftballone.

Quelle: dpa

Adelebsen/Göttingen. Die Frauen und Männer im Alter von 15 bis 62 Jahren wurden durch den Aufprall teilweise aus den Körben geschleudert oder waren herausgesprungen.

Die drei Ballones waren bei Güntersen mit jeweils fünf Passagieren gestartet. Das Ziel sollte bei Uslar sein, doch bereits nahe Offensen wurden die Heißluftballone von plötzlich auftretenden Windböen erfasst, woraufhin die Piloten, so hieß es damals im Polizeibericht, zu einer unplanmäßigen und spontanen Notlandung gezwungen gewesen seien.

Inzwischen liegt der Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) vor, die noch am Unfallabend die Ermittlungen aufgenommen hatte. Der Pilot des führenden Ballons, ein 45-Jähriger, informierte laut BFU-Bericht die beiden anderen Piloten, dass aufgrund sich schneller drehender Windräder im Sichtbereich eine höhere Windgeschwindigkeit zu vermuten sei. Die Piloten hätten sich auf eine baldmögliche Landung verständigt.

Gegen 18.50 Uhr erfolgten die Landungen. Im Untersuchungsbericht wird folgender Hergang genannt. Der erste Ballon „kollidierte bei der Anfahrt mit einem Baum“, setzte „hart auf einem Stoppelfeld auf, kippte auf eine Schmalseite des Korbes und blieb nach einer Schleiffahrt von zirka 20 Metern in Obstbäumen hängen“. Der Pilot blieb unverletzt, seine fünf Passagiere wurden leicht verletzt.

Ballonführer bewusstlos im Korb

Der zweite Ballon „setzte vor einer vier bis fünf Meter hohen Hecke hart auf und wurde durch diese hindurchgezogen“. Laut BFU-Bericht habe „danach der Ballonführer bewusstlos im Korb gelegen“. „Schleifend, teils springend und pendelnd“ habe sich der Ballon anschließend auf einer Ackerfläche fortbewegt, wobei „Passagiere aus dem Korb geschleudert“ worden seien und andere „den Korb in Panik“ verlassen hätten. Der 42-jährige Pilot und die fünf Passagiere wurden schwer verletzt.

Der dritte Ballon setzte, so ist im BFU-Bericht nachzulesen, etwa „90 Meter vor einer Baumreihe hart auf einem Stoppelfeld“ auf und kam in der Baumreihe zum Stillstand. Der 56-Jährige Pilot und drei Passagiere wurden leicht, zwei weitere Passagiere schwer verletzt.

Einer der drei Piloten habe sich, so heißt es in Bezug auf die meteorologischen Informationen in dem Untersuchungsbericht, um 15.46 Uhr bei der Luftfahrtberatungszentrale Leipzig eine sogenannte Wetterberatung eingeholt. Er habe „gezielt nach dem Zeitpunkt des Eintreffens der Front“ für den Bereich Göttingen gefragt. Vom Flugwetterberater sei ein Zeitfenster zwischen 19 und 20 Uhr genannt und der Hinweis gegeben worden, „dass sich auch mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor der Kaltfront eine trockene Konvergenzlinie (Böenlinie) ausbilden könne.“

Dem BFU-Bericht ist zu entnehmen, dass der Pilot seiner geäußerten Absicht, „infolge der Unsicherheiten gegen 17.30 Uhr nochmals eine aktuelle Wetterberatung einzuholen“, nicht folgte. Indes habe sich ein Pilot gegen 18 Uhr beim Flugplatz Kassel-Calden nach dem dortigen aktuellen Wetter erkundigt.

Der „Ballonticker“ der Luftfahrtberatungszentrale Nord habe, so die BFU in ihrem Bericht zur Wetterlage zum Unfallzeitpunkt, um 17.30 Uhr „eine Gewitterlinie mit Sturmböen, Hagel und Starkregen“ vermeldet, die sich „bis in das südliche Niedersachsen erstrecke und „weiter nordostwärts“ verlagere. Weitere Gewitter kämen von Südwesten. Die Gewitterwarnungen seien zunächst bis 20 Uhr gültig.

„Die Untersuchung dient nicht der Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen“, wird im BFU-Untersuchungsbericht hervorgehoben. Welche strafrechtlichen Konsequenzen sich aus den Notlandungen ergeben, ist ein Jahr nach dem Unfall noch immer nicht klar. Auf Tageblatt-Anfrage teilt die Staatsanwaltschaft Göttingen mit, es sei verschiedenen Personen eine Frist zur Stellungnahme binnen drei Wochen eingeräumt worden.

Danach werde abschließend entschieden, etwa ob Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben werde oder Geldbuße verhängt werde.

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