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Ein Kilometer nächtlicher Fußmarsch

Durch die Finsternis Ein Kilometer nächtlicher Fußmarsch

Zu mitternächtlicher Stunde an einer Bundesstraße aus dem Bus zu steigen und durch die Finsternis mehr als einen Kilometer weit nach Hause zu laufen, ist für viele Menschen eine unheimliche Vorstellung. Erst recht wenn man ein Mädchen und erst 17 Jahre alt ist – wie Mariele Weiss, der genau das an einem Sonnabend passiert ist.

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Nachts vom Abzweig an der Bundesstraße 27 zu Fuß nach Bösinghausen gelaufen: Mariele Weiss.

Quelle: Theodoro da Silva

Bösinghausen. Als die Jugendliche um 23.30 Uhr am Göttinger Bahnhof in den Bus der Regionalbus Braunschweig Linie 170 stieg, glaubte sie noch, dass der Busfahrer, wie im Fahrplan vermerkt, auf Anforderung die Ortsmitte ihres Heimatdorfes Bösinghausen ansteuern und dort halten würde. Ein Trugschluss: Die Einmündung an der Bundesstraße 27 ließ der Fahrer links liegen, steuerte stattdessen an den Straßenrand und ließ das Mädchen aussteigen. Auch von Weiss‘ Bitten und der Intervention anderer Fahrgäste ließ er sich nicht umstimmen. Die 17-Jährige stand an der B 27, rief mit dem Handy ihre Mutter Cornelia an – und machte sich auf den Weg nach Bösinghausen. Von der anderen Seite aus setzte sich auch Cornelia Weiss in Marsch, um ihrer verängstigten Tochter entgegenzugehen.

Weiss ist erzürnt über den Vorfall, „zumal das kein Einzelfall war“. Bereits ein Jahr zuvor habe sich auf der Strecke ähnliches zugetragen – lediglich zu einer früheren Stunde. Ein damals an die RBB geschriebener Brief blieb unbeantwortet – anders als die nach dem jüngsten Vorfall per Telefon mündlich vorgetragene Beschwerde, der ein Entschuldigungsschreiben folgte.

„Für unsere verspätete Antwort möchten wir uns entschuldigen“, heißt es darin. Die Fahrten der Linie 170 zur angegebenen Zeit würden von einem Auftragnehmer durchgeführt. Dessen Fahrer, nach Angaben der RBB neu auf der Strecke, bedauere den Vorfall und entschuldige sich. „Den Auftragnehmer haben wir aufgefordert, neue Fahrer intensiver zu schulen und besser einzuweisen.“ Der Fahrer sei darauf hingewiesen worden, sich ordnungsgemäß und kundenfreundlich gegenüber Fahrgästen zu verhalten, schreibt die RBB-Geschäftsstelle Göttingen. „Wir hoffen, dass zukünftig kein Anlass zu Beschwerden dieser Art mehr besteht.“ Das hofft Weiss auch, „gerade im Interesse anderer Kinder, die diese Strecke fahren müssen!“

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