Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
„Ein Oberbürgermeister ist kein Superman“

Halbzeit der Amtszeit „Ein Oberbürgermeister ist kein Superman“

Für acht Jahre haben die Göttinger den Sozialdemokraten Wolfgang Meyer zu ihrem Oberbürgermeister gewählt. Am Sonntag hat er die Hälfte seiner Amtszeit geschafft. Sein Amt angetreten hat er am 1. November 2006.

Voriger Artikel
Herzhafte Erbsensuppe für den guten Zweck
Nächster Artikel
Hundebesitzer sollen Kot beseitigen

Hat bis zu sieben Termine pro Tag: Wolfgang Meyer ist seit vier Jahren Oberbürgermeister.

Quelle: CM

Gewählt haben ihn die Göttinger bereits im September 2005. In einer Stichwahl überrundete er mit 68,9 Prozent der Stimmen den CDU-Kandidaten Daniel Helberg. Als Oberbürgermeister repräsentiert Meyer die Stadt auf politischer und gesellschaftlicher Ebene, zugleich ist er Chef der Stadtverwaltung. Ilse Stein und Ulrich Schubert haben den 62-jährigen Juristen aus Geismar zur Halbzeit nach seinen Erfolgen, Fehlern und seiner schwersten Rede gefragt.
Tageblatt: Ihre größte Leistung in den vergangenen vier Jahren?
Wolfgang Meyer: Ein Oberbürgermeister ist kein Superman. Also geht es nicht um den „einen“ Kraftakt. Ich habe politisch, personell und organisatorisch dafür gesorgt, dass Klimaschutz und Integration wichtige Göttinger Politikfelder geworden sind. Und ich bin stolz darauf, dass wir trotz der weltweit größten Finanz- und Wirtschaftskrise Wege gefunden haben, um weiter für und in Göttingen und seine Zukunft zu investieren, vor allem für Bildung, Kinderbetreuung und Klimaschutz.

Ihr größter Fehler...
...ist bisweilen mein ungebrochener Optimismus, dass wir für diese Stadt und ihre Menschen noch viel mehr Gutes und das vor allem auch schneller erreichen können. Es gibt leider in der Politik und in der Öffentlichkeit immer noch zu viele, die erst das Haar in der Suppe suchen, bevor sie probieren, wie gut sie schmeckt. Manchmal lasse ich mich durch diese Nörgler beeindrucken.

Was hat Sie menschlich am tiefsten berührt?
Dass drei hervorragende Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen in Göttingen auf unserem Schützenplatz ihr Leben lassen mussten. Bei einem Einsatz für unsere Sicherheit. Vor wenigen Tagen haben wir das Richtfest für die neue Sportarena gefeiert. Wir werden am Schützenplatz eine würdige Form finden, dieser drei tapferen Männer zu gedenken.

Was war Ihre größte menschliche Enttäuschung?
Die ist mir Gott sei dank bislang erspart geblieben. Aber es gab Enttäuschungen in der Arbeit. Zum Beispiel, dass eine Ikea-Ansiedlung wegen häufigen Konzeptwechsels des Konzerns bislang nicht möglich war, obwohl wir uns bis an die Grenzen krumm gelegt haben und obwohl unterschriftsreife Verträge ausverhandelt waren.

Ihr härtester Tag war...
...gerade gestern. Nein, im Ernst: Fünf, sechs, sieben Termine am Tag, oft bis in die Abendstunden, meistens Verpflichtungen auch an Wochenenden, dazu interne Besprechungen, die nötige Zeit am Schreibtisch – als Oberbürgermeister muss man eine gewisse psychische und körperliche Robustheit besitzen, mit wenig Schlaf und viel Verzicht auf manche Freizeit auskommen können und trotzdem immer wieder gern ins Rathaus zurückkehren. Und so geht es mir.

Ihr schönster Tag...
...entsteht aus einer Summe von Tagen mit schönen, positiven und erfreulichen Erlebnissen. Unsere Einnahmesituation verbessert sich, die Einsparmaßnahmen zeigen Wirkung. In der Innenstadt wird kräftig investiert. Am Stadtbadareal geht es endlich los. Die Arbeitslosenzahlen sinken kontinuierlich. Das sind alles Beispiele für Arbeitsergebnisse, die einen Tag schön machen; wie zum Beispiel auch die Nachrichten, dass die Georgia Augusta zu den neun Exzellenz -Universitäten zählt und in internationalen Rankings immer besser abschneidet.

Ihre schwierigste Rede war...
...die Trauerrede für Hermann Schierwater, meinen früheren Chef. (Anm. d. Red.: Hermann Schierwater war langjähriger Oberstadtdirektor Göttingens und Meyer als Dezernent in seiner Verwaltung tätig) Es gibt viele schwierige Themen. Aber wenn wir in der Verwaltung eine Lösung gefunden haben, können wir das auch in Worte fassen. Zur Bewältigung der vielen Aufgaben brauche ich die ganze Kompetenz der Verwaltung. Ich habe gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich finde viel Unterstützung bei meiner Arbeit. Auch im Rat. Dafür bin ich dankbar. Das macht auch ein bisschen stolz.

Ihre schönste Rede fand...
...großen Beifall. Bei deutlich über 100 Reden und Grußworten pro Jahr will ich selbst nicht urteilen. Es gab gute und gewiss auch schwächere Beiträge von mir. Ich bin meinem Temperament nach ja niemand, der die eigene Person gern in den Vordergrund rückt. Besonderen Spaß machen mir immer die Reden bei der Elchpreis-Verleihung.

Die wichtigsten Vorhaben für die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit sind?

Die Zahl der Studierenden in Göttingen muss wachsen. Wir werden auch mit 30 000 Studierenden noch ein exzellenter Hochschulstandort sein. Ich will die Stadt weiter wettbewerbs- und damit zukunftsfähig machen. Wir müssen also das Haushaltsdefizit verringern, weitere Ganztagsschulen einrichten, das hohe Niveau der Kinderbetreuung halten, Göttingen als Klimaschutz-Stadt etablieren und als Standort für die Logistikwirtschaft ausbauen. Das Projekt Gesundheitsregion halte ich für wichtig, genauso wie unsere ehrgeizige Museumskonzeption mit den Wissenshäusern.

Wo sehen Sie sich persönlich nach dem 1. November 2014?
Im Ruhestand – den ich hoffentlich bei guter Gesundheit erreichen werde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 14. bis 20. Oktober 2017