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Ein besorgter Redakteur

Tageblatt-Kolumne Ein besorgter Redakteur

Als Redakteur hat man's auch nicht immer leicht. Seit vielen, vielen Jahrzehnten irrlichtern über Stammtischen aberwitzige Vorurteile, denen  schon Generationen von Journalisten sich ausgesetzt sahen:

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Stellv. Chefredakteur des Tageblatts: Christoph Oppermann.

Quelle: Heller

Die Schreibknechte sind zu allem imstande, aber zu nichts zu gebrauchen; sie verdienen sich dumm und dämlich; sie konkurrieren mit Studenten, wer mittags später aufsteht. Mit den Vorurteilen wollen wir mal aufräumen. Sagen wir mal so: "Dämlich" ist relativ.

Tatsächlich schlafen wir morgens überhaupt nicht lange. Bereits in aller Frühe, wenn es uns niemand zutraut, treffen wir uns mit unseren Führungsoffizieren von NSA, BND, CIA und EDEKA, um uns instruieren zu lassen, welche Nachrichten am nächsten Tag auf den Titelseiten erscheinen sollen. Anschließend sprechen sich die Redaktionen aller großen Medienkonzerne (Alle! In diesem Falle alle) in einer abhörsicheren Telefonkonferenz ab, wer die von NSABNDCIAEDEKA vorgegebenen Themen wie aufbereitet, damit nur keine Zeitung aus der Reihe tanzt. Deshalb sehen wir mittags schon so erschöpft aus. Wir haben uns nicht müde geschlafen. Irrtum.

Bis jetzt hat dieses System auch hervorragend funktioniert. Nun aber wird's Klima für uns, die gedungenen Schreiber, rauer. Immer mehr "besorgte Bürger" kommen uns auf die Schliche und unterstellen uns ein allenfalls oberflächliches Verhältnis zur Wahrheit, und die de-Luxe-Version des beunruhigten Bourgeois ist der "besorgte göttinger", der sich in einer Leserzuschrift äußert. Doch, doch, der schreibt sich selbst klein, ist aber hellwach und lässt sich höchstens seine gestörte Beziehung zu Groß- und Kleinschreibung vorwerfen. Fast! Fast wäre ich auf die moderne Hexenprobe hereingefallen. Entweder nämlich kommt das Tageblatt in den nächsten Tagen mit einer Richtigstellung und der Wahrheit mit Blick auf Straftaten von Flüchtlingen heraus - oder eben auch nicht. Entgeht die Magierin versehentlich dem Ertrinken, ist sie eine Hexe. Säuft sie ab, ist sie zwar keine Hexe, aber - dumm gelaufen. Irgendwas ist ja immer.

Erwähnte ich bereits, dass anonyme Zuschriften schlicht erbärmlich sind? Nein? Also: Anoynme Zuschriften ... lassen wir das.

Wohin das alles führen soll, fragt sich ein besorgter Redakteur

Sie erreichen den Autor unter c.oppermann@goettinger-tageblatt.de und auf Twitter unter @tooppermann

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