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„Ein nettes Gimmick“, nicht nur für Kinder

Sprechende Tonnen „Ein nettes Gimmick“, nicht nur für Kinder

„Treffer – Abfall versenkt“. Das ist der Lieblingsspruch von Antje Marx. „Das klingt so schön norddeutsch“, sagt sie. Es ist Sonnabendmittag, und die Gleichenerin sitzt gegenüber einer der neuen sprechenden Mülltonnen in Göttingens Innenstadt im Straßencafé.

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Weiß, wie er den Eimer zum Sprechen bringt: Lasse Tiedemann hört sich das Repertoire der Tonnen-Sprüche an.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Schon eine ganze Weile lauscht sie darauf, was der schicke Abfallbehälter zu sagen hat.

Wenn allerdings Kinder herausgefunden haben, dass die Tonne verschiedene Sprüche drauf hat und immer wieder ihre Hand unter den Sensor strecken, dann wird es manchem Gast doch ein bisschen viel. „Dann ist der Spaßeffekt weg“, sagt Marx.

Nicht so für Lasse Tiedemann. Der Sechsjährige freut sich über die Töne aus den Tiefen der Tonne. Schnell stellte er fest, dass man nicht einmal etwas in den Behälter hineinwerfen muss, um ihn zum Sprechen zu bringen. Und kaum hält der Knirps wieder seine Hand in die Öffnung, schon schallt es „Danke und bis zum nächsten Mal“ heraus.

Lasses Kommentar: „Das sagt der immer.“ Lasses Vater Ingo Nolte hält die sprechenden Abfallkörbe für  „ein nettes Gimmick“. Vielleicht motiviere das die Menschen ja, ihren Müll nicht einfach auf die Straße zu werfen, meint er.

Das glaubt auch Cordula Münch, die die Idee „cool“ findet und sich eine dauerhafte Installierung der tönenden Tonnen vorstellen könnte. Derweil hat ihr anderthalb Jahre alter Sohn Finn mit etwas Hilfe durch die Mama den Eimer zum Sprechen gebracht. Finn lacht, und Mama Münch freut sich: „Er war ja vorhin etwas quengelig.“

Auch vor Wiederholdt steht eine der zehn Tonnen im Bambus-Stahl-Gehäuse. Gerade hat Birgit Stemme einen Prospekt hineingeworfen. Sie ist enttäuscht, als sich der Mülleimer nicht einmal bedankt. Es stellt sich heraus, dass ihr lässiger Wurf aus dem Handgelenk nicht ausreichte, um den Bewegungsmelder zu erreichen und damit dem Behälter einen Spruch zu entlocken.

Seit knapp einer Woche stehen die solarbetriebenen, sprechenden Abfallbehälter in der Innenstadt. Abends werden sie von den Geschäftsleuten, die als Paten fungieren, hereingeholt und ans Stromnetz angedockt. Gisela Grosse von Wiederholdt berichtet von ihren Erfahrungen: Der seitliche Knopf, mit dem sich das Gehäuse öffnen lässt, sei etwas mühsam herauszuziehen.

Ist das jedoch gelungen, geht es recht einfach: Tonne raus, Gehäuse ankippen und beides in den Laden rollen. Müffeln die Tonnen nicht, mag man sich fragen, zumal die Stadtreinigung die Behälter erst vormittags leert. Grosse: „Jetzt ist es ja nicht sehr heiß. Da hält sich das in Grenzen. Aber wie das im Sommer ist…?“

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