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Einbecker tötet Bruder im Drogenrausch mit sechs Messerstichen

Bruder-Mord wegen "Hirngespinsten" Einbecker tötet Bruder im Drogenrausch mit sechs Messerstichen

"Ich hatte viele Hirngespinste. An allem, was ich gedacht habe, habe ich meinem Bruder die Schuld gegeben." Mit diesen Worten erklärt der 31 Jahre alte Einbecker der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen, warum er am Abend des 3. August vergangenen Jahres auf dem Flur der elterlichen Wohnung in Einbeck seinen Bruder mit sechs Messerstichen getötet hat.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen/Einbeck. Mit einem Nato-Springmesser hatte er auf Brust, Bauch, Nase und Knie des völlig überraschten Opfers eingestochen und dem Bruder derart schwere Verletzungen zugefügt, dass dieser zwei Wochen später im Krankenhaus starb. Erst als der älteste Bruder der Familie hinzu kam, ließ er von dem anderen ab.

Der ungelernte und arbeitslose junge Mann ist nicht des Mordes angeklagt, und er wird auch nicht verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft strebt in einer Unterbringungsschrift seine dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Klinik an. Denn die Tat, die als Totschlag gewertet wird, fand im Drogenrausch statt. Der Täter sei dabei wegen einer krankhaften seelischen Störung nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat zu erkennen. Zur Tatzeit war der 31-Jährige bereits seit mehreren Jahren von Cannabis und Amphetaminen abhängig.

Täglich, so räumte er vor Gericht ein, habe er je ein Gramm beider Drogen konsumiert. Dadurch habe er Wahnvorstellungen entwickelt, hatte ein Sacherständiger in seinem schriftlichen Gutachten erklärt. nicht vorhandene Tiere im Essen oder eingebildete Gefahren seien von ihm gesehen worden. Der Beschuldigte gab am Dienstag an, sich auch eingebildet zu haben, der Bruder schleiche sich in sein Zimmer und misshandele ihn. Dabei sei dieser doch die einzige Person gewesen, die ihm nahe gestanden habe.

Das Leben des jungen staatenlosen Arabers war zuletzt auf dauerhaften Drogenmissbrauch, auf Egoshooter-Spiele und Actionfilme in seinem Zimmer in der Wohnung der Großfamilie reduziert. Die Nächte habe er durchgemacht, habe sich mittags schlafen gelegt, sei abends aufgestanden und nur aus dem Haus gegangen, um sich Drogen zu holen.

Am Tattag war ihm gleich nach dem Aufstehen um 18.50 Uhr der Bruder auf dem Flur begegnet. "Alles, worauf ich wütend war, habe ich an ihm ausgelassen. Das tut mir leid." Konkrete Erinnerung an die Tat selbst habe er aber nicht. Warum er das Messer gehabt habe? "Um mich gegen wilde Tiere zu verteidigen, Kampfhunde uns so." Einen Dolch und das Nato-Messer hatte er eigens scharf geschliffen dafür - "aus Langeweile". Der Prozess wird fortgesetzt.

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