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„Eine Göttinger Stadtansicht“ von Zeichner Uwe Brandi

Antworten auf sieben Fragen „Eine Göttinger Stadtansicht“ von Zeichner Uwe Brandi

Eine Zeitreise hat Uwe Brandi mit seiner Zeichnung „Eine Göttinger Stadtansicht“ geschaffen. Im Format 405 mal 55 Zentimeter ist das Motiv vergrößert in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1, in Göttingen zu sehen.

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Der Künstler und sein Werk: Uwe Brandi über der Götinger Stadtansicht.

Quelle: Heller

Im  Format 100 mal 70 Zentimeter ist die Druckgrafik in den Geschäftsstellen von Göttinger Tageblatt, Jüdenstraße 13c in Göttingen, und von Eichsfelder Tageblatt, Auf der Spiegelbrücke 11, in Duderstadt zum Preis von 50 Euro erhältlich. Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie ist freitags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet (bis 22. März). 

Je kürzer die Distanz, umso mehr Schlagworte sind zu erkennen. Je näher der Blick der Stadtansicht kommt, umso mehr Fragen stellen sich. Die einzelnen Motive in den sieben Streifen auf der großformatigen Zeichnung von Uwe Brandi sind wie ein Quiz.

  • Was wurde aus dem Rothen Turm?
  • Was verbirgt der große Vorhang?
  • Welcher Stern dreht sich vielfach gen Himmel?
  • Wer war der Einäugige?
  • Was singt Barbara?
  • Wo war der Reitstall?
  • Was ist Selbstorganisation?

Nur sieben von vielen möglichen Fragen. „Jeder einzelne Abschnitt ist ein kleines Werk für sich“, beschreibt Uwe Brandi seine neue Zeichnung „Eine Göttinger Stadtansicht“. Der gebürtige Göttinger, der schon seit Jahrzehnten nicht mehr in der Stadt lebt, sondern in Rheinland-Pfalz, hat die Göttinger Geschichte von 953 bis heute im Bild von „der Ecke oben links bis nach rechts unten“ als sieben Zeitleisten dargestellt.

Dem 73-Jährigen ist es wichtig, dass er die Betrachter anlockt, dass sie seine Sicht auf die Dinge anregt, vielleicht auch aufregt. „Meine Arbeit hat auch etwas Spielerisches, weil ich mit viel Fantasie dokumentiere“, erklärt der Künstler, der für seine detailreichen Tuschezeichnungen bekannt ist.

Er zeichnet frei Hand, arbeitet akribisch mit Feder und fünf Farben. Die mischt er passend, denn „das Blau ist zu dumpf, das Rot zu giftig und das Schwarz wird nur mit Wasser vermischt zu einem akzeptablen Grau.“ Und dabei macht Brandi sich Gedanken zu den jeweiligen Einzelmotiven, die dann flugs schwarz auf weiß kommentiert werden – treffend oder weit hergeholt aus der künstlerischen Freiheit, auf jeden Fall für Brandi typisch auf lauter kleinen Fähnchen und Bannern.

Die Stadtansicht ist als Auftragsarbeit entstanden. Daraus entwickelt hat sich nun eine größere Auflage der Druckgrafik: „Es ist ein Geschenk an die Göttinger Bürger“, so Brandi. Der freut sich auf Gespräche über seine Ideen zu Göttingen und neue Erkenntnisse, wenn er von Betrachtern seines Werkes mal wieder etwas über Göttingen erfährt, was er bis heute nicht wusste: Davon gibt es einiges, aber das hat Uwe Brandi „schon vor zwei Jahren erkannt: Göttingen ist viel mehr als ich aus Schülerzeiten in Erinnerung hatte.“

Am Wochenende 6. bis 8. März ist Uwe Brandi wieder in Göttingen, um in der Torhaus-Galerie, wo seine Ausstellung zu sehen ist, mit Betrachtern seiner Zeichnungen An- und Einsichten  zu teilen und möglicherweise auch für ihn Neues über seine Geburtsstadt zu erfahren.

Alle Antworten auf einem Bild

Göttingen. Die bloßen Fakten sind bekannt: Sie ist die kleinste der sechs niedersächsischen Großstädte, Studenten machen einen deutlichen Anteil ihrer Bevölkerungszahl aus und ihre Universität ist die größte Niedersachsens. Aber was macht die Stadt Göttingen eigentlich aus?

Worin liegt ihre Besonderheit, worin ihr Charme? Es mag unzählige Antworten auf diese Frage geben, und jeder Bürger der Stadt hat sicherlich eine eigene parat. Der Künstler Uwe Brandi aber scheint alle Antworten zu kennen. Er hat sie alle auf einem Bild versammelt.

Seine Druckgrafik „Eine Göttinger Stadtansicht“ wird zur Zeit in der Torhaus-Galerie ausgestellt. Daneben sind Detailvergrößerungen des Großformats, aber auch einige Arbeiten des Künstlers zu anderen Themen zu sehen. Zur Vernissage am vergangenen Freitag kamen deutlich mehr Interessierte, als der Ausstellungsraum fassen konnte.

In der Stadtansicht zeigt Brandi, der selbst Göttinger Wurzeln hat, in sieben Motivstreifen die Besonderheiten der Stadt. Viele Fassaden sind dort zu sehen – von der Jacobikirche bis zum Wirtshaus „Zum Schwarzen Bär“. Neben vielen Daten, Zeittafeln und einem Stadtplan versammelt Brandi auch Portraits von berühmten Göttingern, wie Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) oder Carl Friedrich Gauß (1777-1855) auf dem Bild. Das Besondere sind aber die vielen anderen Menschen, die Brandi nur als Strichmännchen gezeichnet hat.

Tausende kleiner Figuren bevölkern die Stadt. Sie verweisen auf die Bürger Göttingens. Brandi zeigt sie als Händler, auf Häuser kletternd oder aus Fenstern schauend. Viele von ihnen tragen Spruchbänder.

„Nehmen Sie sie nicht zu ernst“, rät der Künstler. „Viele Sprüche sind sinnvoll, andere sind anders“. Es sind gerade diese Sprüche, die das Lebendige der Stadt darstellen. „Mach mich keene Fiesematenten“, liest man da, aber auch „Wer sind wir? Und wenn ja, wie lange noch?“ Ernste Aussagen, Begriffe aus der Wissenschaft, fremdsprachige Sätze, aber auch witzige Statements sind zu entdecken. Alles ist genauso unterschiedlich wie es bei den Bürgern einer Stadt auch der Fall ist, fragte man sie nach Profession oder Meinung.

Allen gezeigten Bildern ist gemeinsam, dass der Künstler weniger Einzelmotive in den Vordergrund rückt, als das er ganze Motivgruppen zueinander in Beziehung setzt. Brandi zeigt Systeme. Aufbau und Abbruch, Alt und Neu im Wandel der Zeiten sind vorherrschende Themen: Seine detaillierten Szenen sind voll von Baustellen, Kränen, Abrissgeräten. Dabei bleiben seine Bilder kleinteilig und rätselhaft in ihrer Organisation.

Als Betrachter durchschaut man ihre Gesetzmäßigkeiten lange nicht, vielleicht sogar nie. Das heißt aber auch, dass es lange etwas zu entdecken gibt, oft auch etwas, was den Betrachter schmunzeln lässt. Zum Beispiel wenn sich Brandi in seinem Bild über Göttingen selbst kommentiert: „Göttingen ist eine sehr grüne Stadt (das habe ich in diesem Bild nicht dokumentiert. Leider.)“

Von Daniela Lottmann

„Eine Göttinger Stadtansicht“ von Uwe Brandi ist im Format 100x70cm zum Preis von 50 Euro in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11, erhältlich.

Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1, in Göttingen ist freitags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet (bis Sonntag, 22. März).

 
Auflösung
  • Der Rote Turm war ein Teil der inneren Stadtmauer nahe der Kurzen Straße. Er wurde auch als Pulvermagazin genutzt. Während der Belagerung Göttingens im Dreißigjährigen Krieg durch General Tilly wurde er 1629  zerstört. Es war aber kein Kriegsschaden, sondern ein Blitzeinschlag, wie Stadtarchivar Ernst Böhme zu berichten weiß.
  • Otto II. von Braunschweig-Göttingen (1380-1463) wurde auch der Einäugige genannt. Er wurde 1394 Fürst im Fürstentum Göttingen. Otto überließ ab 1425 die Regierung der Stadt den Ständen.
  • Der Vorhang steht für die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Am Platz der ehemaligen Synagoge erinnert das Mahnmal von Corrado Cagli an die im November 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesteckte Synagoge. Die 1973 fertiggestellte Cagli-Skulptur bildet aus der geometrischen Dreiecksform den Davidstern.
  • Barbara singt das „Göttingen-Lied“. Die französische Sängerin schrieb es 1964 bei einem Besuch der Stadt.
  • Der Reitstall war ein Gebäude der Universität an der Weender Straße/ Reitstallstraße. Nach dem Abriss im Jahr 1968 entstand dort ein Hertie-Kaufhaus, heute ist es das Carree-Einkaufszentrum.
  • Das im Jahr 2004 gegründete Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation erforscht die Organisation komplexer Systeme. Am Faßberg ist das Institut mit seiner architektonisch auffallenden Experimentierhalle Teil des Max-Planck-Campus am Faßberg.
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