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Eine Klinik zieht ins Klinikum ein

„Pendelärzte“ für ein Jahr Eine Klinik zieht ins Klinikum ein

Am Sonnabend kommt der Möbelwagen. Fast wie bei einem Wohnungsumzug. Nur dass bei diesem Umzug rund 1000 Umzugskartons auf 25 Lastwagentouren transportiert werden. Die Universitätshautklinik zieht um – jedenfalls ein Teil von ihr. Und das mitten im laufenden Geschäft.

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Einer von rund 1000 Umzugskartons: Jens Steinert vom Hausdienst des Klinikums packt in der alten Hautklinik an.

Quelle: Vetter

Das alte Fahrrad vor der Tür gehört Ilona Gundlach. Seit einigen Wochen ist die Stationsleiterin der Universitäts-Hautklinik zwischen dem Hauptklinikum und der Von-Siebold-Straße unterwegs. Das Klinikum ist der neue Standort der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Die zweite Adresse ist die der alten Hautklinik. Seit rund 50 Jahren werden dort Patienten behandelt, diese Ära im 50-er-Jahre-Charme-Gebäude geht zu Ende.

Auch Oberarzt Markus Zutt radelt derzeit vom neuen zum alten Standort und zurück. Die neuen Patientenzimmer, Operationssaal, Tagesklinik und Teile der Allergologie werden auf Ebene sechs im Bettenhaus zwei eingerichtet. Wenn die 40 Patienten, die derzeit noch in der alten Klinik liegen, am Sonnabend auf die neuen Stationen gefahren werden, muss „drüben“ alles fix und fertig sein.

„Die Medikamente in die Kisten“, sagt Gundlach. „Und die Latexhandschuhe“ fragt eine Kollegin. „Erst mal zwischenlagern“. In der alten Klinik wird seit Tagen gepackt. Kartons auf den Fluren, Rollcontainer: „Ich nutze den Umzug gleich zum aussortieren“, sagt Zutt. Sein Arztzimmer sieht schwer nach Umzug aus. Zutt wird auch im nächsten Jahr ein „Pendelarzt“ bleiben: Arbeit auf der Station im Hauptklinikum, Sprechstunden-Dienst in der alten Klinik. Nach einem Jahr soll dann der zweite und letzte Teil der Klinik in die Robert-Koch-Straße integriert werden. Bis es soweit ist, bleiben die Verwaltung und die Ambulanz im alten Gebäude. Die meisten Sprechstunden finden weiterhin dort statt.

„Der Umzug markiert einen klaren qualitativen Sprung für unsere Patienten und für un-sere Mitarbeiter“, sagt Michael Schön, Direktor der Hautklinik. „Die Versorgung unserer Patienten wird dadurch noch besser.“ Beispiel: Statt Vier- gibt es jetzt moderne Zweibettzimmer, wer die Sanitäranlagen aufsuchen will, muss nicht mehr über den Flur laufen. Wer ein Röntgenbild braucht, hat kurze Wege.

Aber: Nicht alle sind begeistert. Für das Personal bedeutet der Umzug seit Wochen: Stress pur. Krankenpfleger Werner Müller ist sauer. „Das kann doch nicht sein, dass wir als examinierte Kräfte hier alles packen müssen“, ärgert er sich und stapelt Kartons für die neue Station „6023“ in einen Transportcontainer. Die Arbeit mit seinen Patienten muss trotzdem weiterlaufen. Der Pfleger schimpft: „Das ist schlimm“.

Der Umzug der Klinik ist ein Kraftakt für alle Beteiligten. „Die Planungen dafür laufen seit eineinhalb Jahren“, sagt Koordinator Ullrich Ograbeck. Ab Sonnabend müssen 30 Computer und 50 Telefone am neuen Platz funktionieren, die Allergie-Ambulanz und zwei komplette Operationssäle einsatzbereit sein, 40 Patienten in ihren Betten auf einer nagelneuen Station im Bettenhaus zwei versorgt werden. „Zusätzlich zu dem Personal der Hautklinik werden für den Umzug noch einmal knapp 30 Arbeitskräfte eingesetzt“, sagt Baukoordinator Klaus Fricke.

Statt 4000 stehen der Hautklinik künftig 2600 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. In die freien Räume zieht übergangsweise die benachbarte Kinder- und Jugendpsychiatrie ein, dort wird renoviert. Bis die komplette Hautklinik im nächsten Jahr umgezogen ist, müssen Zutt und einige Kollegen vermutlich noch etliche Kilometer mit dem Fahrrad pendeln.

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