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Eine Kompostion aus Bildern

Warum ein Pyrotechniker kein Feuerwerker ist Eine Kompostion aus Bildern

„Am Anfang steht immer das Gelände. Und dann entstehen die Bilder im Kopf“, beschreibt Wolfgang Diedrich, was in ihm vorgeht, wenn er ein Feuerwerk plant. „Eine Choreografie von Bildern“, fügt er an. Über Silvesterknaller kann der 60-Jährige nur schmunzeln, er ist Pyrotechniker, der einzige Profi in Göttingen.

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Quelle: ef

Nikolausberg. Nein, die Bezeichnung Feuerwerker mögen Diedrich und seine Kollegen gar nicht, „das sind die Sprengstoffexperten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bundeswehr“, erklärt der Nikolausberger und Pyrotechniker aus Leidenschaft: Der Künstler, der mit Feuer und Licht immer neue Bilder am Boden und Himmel gestaltet, „um den Menschen eine Freude machen“. Wenn das Finale eines Großfeuerwerkes mit gigantischem Sprühregen, Glitzersternen und  farbigen Fontänen zu lauter Musik ausklingt und die Zuschauer applaudieren, „ist das mein Bestätigung“.

Diedrich selbst und sein Begleiter („Wir müssen immer zu zweit sein.“) sieht wenig vom Feuerwerk: „Wir arbeiten  so konzentriert, da ist keine Zeit zum Genießen.“ Dabei beginnt die Arbeit nicht erst, wenn er aus sicherem Abstand elektronisch die besonderen Kugelbomben zündet und aus langen Kartuschen in den Himmel schießt. Sie beginnt bereits, wenn er mit dem Kunden das Gelände besichtigt („Das ist entscheidend für Art und Größe des Feuerwerkes.“), das Feuerwerk plant, das Material aus dem Speziallager in einer alten Bunkeranlage in Norddeutschland holt und Stunden vor dem Feuerwerk mit seinem Begleiter die Abschusskartuschen aus PVZ-Rohren montiert und befüllt. „Und das alles unter sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen.“

Ein musikalisches Großfeuerwerk aus der Pyrotechnik-Schmiede "Das Feuer Werk" in Morschen. ©EF

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Das Material der Pyrotechniker hat mit den Silvesterraketen aus dem Kaufhaus wenig zu tun. Die sogenannten Kugelbomben sehen ganz anders aus, kommen von Spezialanbietern aus China und bestehen nur aus Pappe, „die, vielleicht bis auf ein paar Schnipsel, vollständig verbrennt“.

Diedrich ist eigentlich Physiker und hatte eine eigene „recht erfolgreiche“ IT-Firma aufgebaut. Die hat er vor fünf Jahren aufgegeben, um nach mehr als 20 Jahren Nebenjob hauptberuflich als Pyrotechniker zu arbeiten. Ein Beruf ohne gesetzlich anerkannte Ausbildung, aber mit strengen Vorgaben, um ihn ausüben zu dürfen. Unter anderem müssen Pyrotechniker eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorweisen, Lehrgänge besuchen und eine bestimmte Anzahl von Feuerwerken als eine Art Praktikant nachweislich mitgestaltet haben.

Mit einem Partner betreibt Diedrich inzwischen in Hamburg und Göttingen die Firma „Das Feuer Werk“. Ihre Kunden sind  Firmen, Privatleute und Kommunen, sie zünden kleine und große Feuerwerke bei Hochzeiten, Geburtstagen,  Jubiläen und Stadtfesten. Am liebsten malt Diedrich seine Bilder dann zu bombastischer Musik an den Himmel – zu klassischer ebenso wie zu Popsongs.

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