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Eine Million Kilometer mit dem Bus durch Göttingen

Hermann Thies Eine Million Kilometer mit dem Bus durch Göttingen

Hermann Thies hatte schon immer eine Vorliebe für große Fahrzeuge und fürs Fahren. Beides konnte er als Busfahrer bei den Göttinger Verkehrsbetrieben 40 Jahre lang miteinander verbinden. Jetzt hört Thies auf. Freitag ist sein letzter Arbeitstag.

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Hermann Thies

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Thies gilt als Urgestein der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB), sagt sein Kollege Werner Grübl. Er hat nachgerechnet: Wenn Thies 40 Jahre lang wöchentlich sechs Schichten mit je 100 Kilometern gefahren ist, ergibt das eine Strecke von 1 000 056 Kilometer. Dieser Schätzung zufolge sei Thies im Laufe seiner Dienstjahre etwa 26 Mal mit dem Bus um die Erde gefahren.

Zwischenmenschliches besonders wichtig

Der gelernte Schlosser hat erst bei der Bundeswehr, dann im Baugewerbe gearbeitet. Damit habe er sich auf seinen Traumberuf vorbereitet, berichtet Thies. Er habe mindestens 23 Jahre alt sein und eine zweijährige Fahrpraxis mit 7,5-Tonnen-Fahrzeugen nachweisen müssen.

Am 2. Januar 1978 kletterte Thies endlich auf den Busfahrersitz. Der gebürtige Barteroder fuhr Früh- und Spätschichten und saß auch an Wochenenden am Steuer. Dabei seien ihm zwischenmenschliche Begegnungen besonders wichtig gewesen. Aber die ihm anvertrauten Geheimnisse und Erlebnisse seiner Fahrten will der 63-Jährige für sich behalten. Viele Fahrgäste bräuchten einen Ansprechpartner, sagt der Busfahrer.

Klar habe er sich auch schon mal verfahren. Einmal sei er nachts auf einer neuen Tour falsch abgebogen, habe aber alle Fahrgäste noch pünktlich zum Ziel gefahren. „Stress im Bus gab es eher selten“, sagt er. Nur einmal habe er die Leitstelle anfunken müssen, die sofort eine Zivilstreife geschickt habe.

Mehr Komfort als vor 40 Jahren

In den 40 Jahren seiner Busfahrer-Laufbahn habe sich vieles verändert. „Der Verkehr hat kräftig zugenommen“, sagt Thies. Außerdem werde immer knapper überholt und mehr gedrängelt. Dafür sei das Busfahren wesentlich komfortabler geworden, auch für die Fahrer: Er erinnert sich an Zeiten, in denen noch mit Zwischengas geschaltet wurde. Damals waren die Busse nicht klimatisiert und die richtige Sitzposition wurde mithilfe von Brettern und Backsteinen der Größe der Fahrer angepasst, berichtet Thies.

Sein Fahrplan für den Ruhestand steht bereits fest: Thies kegelt, spielt Tennis, fährt Rad, kümmert sich um seinen großen Garten und will mit seiner Frau ab und zu verreisen oder seine erwachsenen Söhne besuchen. Und in zwei Jahren will er den Bus-Schein verlängern und erklärt: „Vielleicht bin ich noch ab und zu im Bus zu sehen.“

Am Freitag, 5. August, startet Hermann Thies vom Betriebshof der Göttinger Verkehrsbetriebe seine Abschiedstour im Gelenkbus durch Göttingen.

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