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Eine Spurensuche in Göttingen

Vor 160 Jahren ist Heinrich Heine gestorben: Eine Spurensuche in Göttingen

Gerade mal knapp 150 Meter ist sie lang: die Heinrich-Heine-Straße zwischen Schiller- und Dürrstraße in der Südstadt. Sie erinnert an den 1797 geborenen Schriftsteller, der zu Göttingen ein ganz eigenes Verhältnis hatte. Vor 160 Jahren, am 17. Februar 1856, ist er in Paris gestorben.

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Lithographie nach einem Gemälde: Heinrich Heine zur Zeit seiner Übersiedlung nach Paris.

Quelle: EF

Göttingen. Nach gescheiterten kaufmännischen Anfängen nimmt Heine 1819 in Bonn ein Jurastudium auf. Dabei kümmert er sich so wenig um sein Fach, dass ihn seine Eltern, um sein Fortkommen besorgt, zum Wintersemester 1820/21 an die Göttinger Universität schicken. Doch der hoffnungsvolle Wechsel findet ein jähes Ende. Wegen eines Duells mit einem Studenten, der ihn wegen seines Judentums beleidigt hat, wird Heine der Universität verwiesen. Er geht 1821 nach Berlin und kehrt erst 1824 zum Examen nach Göttingen zurück. Im Juli 1825 wird er zum Doktor der Rechte promoviert.

Man kann nachvollziehen, dass der junge Jurist – sehr bald nur noch Schriftsteller – zu Göttingen nicht das beste Verhältnis hat. Das spiegelt sich vor allem in den sarkastischen Bemerkungen, mit denen er den einschlägigen Abschnitt in seiner „Harzreise“ schmückt. Die Stadt Göttingen sei „berühmt für ihre Würste und Universität“, ihre Bewohner würden eingeteilt in „Studenten, Professoren, Philister und Vieh“. Darunter sei der „Viehstand … der bedeutendste“. In einem Gedicht reimt er: „Zu Göttingen blüht die Wissenschaft, / Doch bringt sie keine Früchte. Ich kam dort durch in stockfinstrer Nacht, / Sah nirgendswo ein Lichte.“

In Göttinger Zeit konvertiert Heine zum Christentum und lässt sich in Heiligenstadt taufen. Sein späterer Weg ist sehr bewegt. Der Dichter erwirbt Ruhm, entzückt seine Leser mit romantischen Gefühlen und scharfzüngigen Ironien. Freilich wendet sich das Entzücken in Schmerz, wenn er mit seinem Spott Schriftstellerkollegen trifft. Politisch ausgesprochen aktiv, verlegt Heine seinen Wohnsitz ins liberalere Paris, schreibt Reisebücher, Gedichte, Prosa, Feuilletons, Musikkritiken und anderes mehr. Die letzten acht Lebensjahre verbringt er krank, ans Bett gefesselt, in seiner „Matratzengruft“.

Göttingen hat ihm neben der Straße (benannt erst 1947) eine Gedenktafel am Hause Weender Straße 50 gewidmet. Die Heinrich-Heine-Schule in der Groner Backhausstraße trägt seinen Namen. Der Fortbestand der Hauptschule ist freilich bedroht. Und für ein Denkmal war seine Verweildauer in Göttingen wohl nicht lang genug.

Die war kürzer, als auf der Gedenktafel großzügig mit „1820 bis 1825“ angegeben. Es fehlen die drei Jahre nach dem Uni-Rausschmiss und vier weitere Quartiere. Gewohnt hat der Student Heine zunächst Jüdenstraße 16 (Oktober 1820 bis Februar 1821), nach seiner Rückkehr aus Berlin ab Anfang 1824 Groner Straße 4, Goetheallee 15 und Goetheallee 16. Erst seine letzte Adresse bis Juli 1825 war die Weender Straße 50. Worauf er bald schrieb: „Die Stadt … gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.“

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Von Redakteur Michael Schäfer

Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016