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Eine Stunde später – „dann wäre ich jetzt nicht hier“

Göttinger Henning H. auf der Loveparade Eine Stunde später – „dann wäre ich jetzt nicht hier“

Henning H. wollte eigentlich „nur mal gucken, wie die Loveparade so ist“. Jetzt ist er froh, dass er noch am Leben ist.

Der Göttinger arbeitet zurzeit in Bochum und besuchte am Sonnabend mit seiner Frau das nahe gelegene Duisburg, um sich die Mega-Party aus der Nähe anzuschauen. Kurz vor der Massenpanik, bei der 19 Menschen getötet wurden, hatte er den Tunnel, an dem sich das Unglück ereignete, noch passiert. Zu Hause dann sahen er und seine Frau die schrecklichen Bilder im Fernsehen. „Wir hatten drei Stunden Gänsehaut“, erinnert er sich.

Dabei hatte der Tag so fröhlich begonnen. H. sah „viele feiernde Menschen“, auch in besagtem Tunnel, den er mit seiner Frau wie alle anderen benutzte, um auf das Partygelände zu kommen. „Zu der Zeit waren beide Tunnel noch begehbar“, erinnert er sich. Allerdings habe er schon auf dem Hinweg gedacht, dass es eng werden könnte. „Es war extrem laut durch die Leute, dunkel und dreckig“, erzählt er. In Breite und Höhe ähnele der Tunnel der Göttinger Unterführung an der Ecke Maschmühlenweg/Bahnhofsallee.

Dennoch erreichte er mit seiner Frau am frühen Nachmittag gefahrlos das Partygelände, das das Paar nach etwa zwei Stunden unversehrt wieder verließ. „Selbst als wir gegangen sind, war noch vieles auf der Fläche frei“, sagt er. „Nur der Hochweg von den beiden Tunneln war proppevoll.“ Die Leute seien, einmal auf dem Gelände angekommen, nicht weitergegangen. „Deswegen hat sich alles gestaut.“ Gegen 18 Uhr sah das Paar dann im Fernsehen die ersten Bilder vom Unglück. Und dann habe auch schon sein Handy geklingelt, sagt H. „Meine Eltern und mein Bruder wollten wissen, ob es uns gut geht.“ Noch am Abend schrieb er im Forum des Göttinger Internetportals goloci.de, für das er als freier Mitarbeiter tätig ist: „Wären wir eine Stunde später losgegangen, wär‘ ich jetzt nicht hier“.

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Göttinger schildert Loveparade-Erlebnisse

Als es am Sonnabend auf der Loveparade in Duisburg zur Massenpanik kam, war Philip Beuße mittendrin. Der 19-jährige Göttinger war nur wenige Meter von dem Container entfernt, auf den sich viele der Partygäste zu retten versuchten. Schräg hinter ihm lag die Treppe, an der sich das Unglück ereignete.

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Von Redakteur Andreas Fuhrmann

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