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„Eine extrem aggressionsgehemmte Persönlichkeit“

Vergewaltigung mit Todesfolge „Eine extrem aggressionsgehemmte Persönlichkeit“

Für zwölf Jahre soll der 27 Jahre alte Peter D. aus Adelebsen in Haft. Zuvor soll er aber in einer psychiatrischen Anstalt behandelt werden. Er sei schuldig der Vergewaltigung einer 87 Jahre alten Frau, die daran gestorben ist. Das fordert der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Die Nebenklage verlangt lebenslange Haft.

„Das Sexuelle stand nicht im Vordergrund, es ging um Aggression“, sagte Staatsanwalt Jens Christokat. Und: „Es war Sex als Entladung angestauter Wut.“ Denn: „Eigentlich ist er eine extrem aggressionsgehemmte Persönlichkeit.“

Drei Schlüsselsätze eines Mordprozesses, in dem in den gestrigen Plädoyers von Mord keine Rede mehr war. „Vergewaltigung mit Todesfolge“ heißt das Delikt, das Ankläger wie Verteidiger für erfüllt halten. Der 27-Jährige habe in der Nacht zum 16. November 2008 in einer Wohnung des Seniorenstifts die 87 Jahre alte ehemalige Leiterin überfallen und mehrfach vergewaltigt. Die herzkranke Frau ist während der Tat erstickt. 

Den ursprünglichen Verdacht, er habe sie mit einem Kissen getötet, damit sie ihn nicht belasten kann (also ein Mord zur Verdeckung einer Straftat), hält auch die Staatsanwaltschaft für nicht beweisbar. Zwar habe der Angeklagte am Tatort sein Handy verloren und sei zurückgekehrt. Er habe die Türscheibe eingeschlagen, sich verletzt und beim Durchzwängen durch das Loch im Glas seine Kleider zerfetzt. Dass er sein Opfer aber dann mit dem Kissen erstickte, sei „eher unwahrscheinlich“, sagte Christokat.

Wie er sieht auch Verteidiger Karl-Heinz Mügge den Schlüssel der Tat im Verhältnis des schmächtigen jungen Mannes zu einer Mutter. Diese habe ihm vor der Übersiedlung nach Deutschland die Ehe in Kasachstan mit seiner  Freundin verwehrt, habe ihn ständig kontrolliert und teils stündlich angerufen. Am Tattag hatte er mit einem Freund Alkohol getrunken (2,1 Promille) und erstmals die Anrufe der Mutter ignoriert. Eine „plötzliche Persönlichkeitsveränderung“, so der Staatsanwalt unter Bezug auf den Psychiater, und „das Opfer musste alle angestaute Wut über sich ergehen lassen.“ Er sei weiter gefährlich, bedürfe psychiatrischer Behandlung. Das Urteil folgt heute um 13 Uhr.

Von Jürgen Gückel

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