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„Eine kleine Sekunde der Freude“

Reformen in der Landeskirche „Eine kleine Sekunde der Freude“

Was ist Kirche? Eine Institution? Eine Organisation? Eine Bewegung? Und wie soll ihre Verfassung aussehen? Über diese Fragen sprach Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamts, beim evangelisch-lutherischen Kirchenkreistag Göttingen.

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S. Springer

Quelle: EF

Göttingen. Die Kirche lasse sich nicht auf eine Sozialform allein festlegen, meinte Springer. Kirche wolle eine Bewegung sein, die spontan und schnell agieren könne. Dafür brauche sie jedoch auch den Rahmen einer Organisation, die es ermögliche, effizient und effektiv mit Ressourcen umzugehen. Notwendig seien dafür etwa eine theologische Spezialisierung, aber auch eine gute Verwaltung. Institutionen wie Parteien und Staat seien heute zwar leicht in Verruf gekommen. Die Kirche wolle dennoch auch weiter eine Institution sein, nämlich als Volkskirche in dem Sinn, dass sie Kirche für das Volk sein wolle, offen für verschiedene Frömmigkeitsbewegungen und mit dem Anspruch, eine kräftige Stimme in politischen Fragen zu haben. Diese drei Sozialformen, Bewegung, Organisation und Institution, dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssten in Einklang gebracht werden, auch wenn es dabei anstrengend sei, Aufgaben, Ziele und Prioritäten auszuhandeln.

Springer sprach auch vor dem Hintergrund, dass derzeit an einer Revision der Verfassung der Landeskirche gearbeitet wird. Ein Sondierungsausschuss, dem Springer angehörte, hat dazu ein rund 100-seitiges Papier vorgelegt. Darin wird darauf hingewiesen, dass die geltende Verfassung von 1965 nicht mehr die notwendige Verbindung zur gelebten kirchlichen Realität habe - auch aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Sinkende Mitgliedszahlen und Kirchensteuereinnahmen, ein plurales säkulares Umfeld, Stärkung des Ehrenamts, Gemeindefusionen, Regionenbildung und interreligiöser Dialog waren damals noch in weiter Ferne. Auch die Sprache in der Verfassung wirke bereits etwas altmodisch, so Springer. Zudem sei die Rolle der Kirchenkreise nicht ausreichend berücksichtigt.

Aufgrund einer Reihe von anstrengenden Reformen und Sparrunden in den vergangenen Jahren stehe die hannoversche Landeskirche im Vergleich zum Bundestrend heute vergleichsweise gut da, betonte Springer. Die derzeitigen Kirchensteuereinnahmen ermöglichten so ein Aufatmen und „eine kleine Sekunde der Freude“, die man sich auch gönnen solle.

Dennoch bleibt noch viel auszuhandeln. Das machte die anschließende Diskussion mit den Mitgliedern des Kirchenkreistags deutlich. Es gab Kritik daran, dass die Landeskirche Aufgaben an die Kirchenkreise delegiere und diese finanziell nicht ausreichend ausstatte. „Wir behalten kein Geld zurück“, entgegnete Springer. Zugleich gehe es gerade darum, den Kirchenkreisen mehr eigene Entscheidungsmöglichkeiten zu geben.

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