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„Einfach schrecklich“

Amoklauf in Winnenden „Einfach schrecklich“

Sie haben Angst, sind ratlos, oft nachdenklich – gleichgültig ist der Amoklauf in Winnenden keinem Schüler. Ulrich Schubert und Jennifer Schrodt haben Realschüler und Gymnasiasten in Göttingen nach ihren Gefühlen am Tag nach dem Ereignis in einer Schule bei Stuttgart gefragt.

„Einfach schrecklich“, sagt der zwölfjährige Karim – „da geht man ganz normal zur Schule, und dann so etwas.“ „Echt scheiße – und mir tun die Eltern leid“, fügt der 16-jährige Domenik an.  „Krass“, „einfach doof“, „herzlos“ und „schlimm“ finden die Kinder aus den sechsten bis zehnten Realschuljahrgängen den jüngsten Amoklauf. Und die meisten haben darüber auch im Unterricht gesprochen – „da war es meisten ganz still“. Viele haben auch Angst, „das kann ja überall passieren – ohne irgendeine Vorwarnung“, sorgen sich die 14-jährigen Mädchen Samar und Alica. Und diese Sorge bestätigend zeigt ein 16-Jähriger auf einen schüchtern wirkenden Jungen und sagt: „Mit dem da.“ Warum? „Ein Opfer halt, wird hier immer gemobbt.“

Solche Sorgen haben nicht alle: „Hier kann das eigentlich nicht passieren“, beruhigt Jasmin (13) auch ein bisschen sich selbst. „Hier kennen wir doch jeden“, fügt Timm Dennis aus dem neunten Jahrgang der Realschule an.

„Natürlich ist man erschrocken und trauert mit“, sagt der 18-jährige Gymnasiast Fryderyk Lyzba. Er hat „das Gefühl, dass Amokläufe immer öfter passieren“. Die Medien bringen es nah, aber „es fühlt sich entfernt an“. Annika H. (18) findet den Vorfall  „heftig“, da fällt einem nichts mehr zu ein“. Im Unterricht habe sie mit ihren Mitschülern eine Stunde darüber geredet – „und das hat einem schon ein bisschen die Angst genommen.“ Für den 19-jährigen Schüler Stefan Krug bleibt trotzdem „ein Gefühl der Machtlosigkeit“ und er ist froh, die Schule bald hinter sich zu haben. Er bedauert aber auch, dass es an seiner Schule gestern Morgen keine Schweigeminute gab wie nach dem Amoklauf in Erfurt 2002. 

Mögliche Ursachen und Motive für einen Amoklauf kennen die Schüler viele. Jugendliche kämen zu leicht an Waffen, sagt Stefan. Die Gesellschaft sei zu egoistisch, so Annika. Vielleicht haben solche Typen die falschen Freunde, vermutet Maikel (13). Auch Computerspiele mit aggressivem Hintergrund und viel „Geballer“ könnten Ursache sein. Die meisten gefragten finden solche Spiele aber „schnell langweilig“.

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Andacht in St. Michael

Mehr als 500 Schüler haben gestern, am Donnerstag, 12. März,  in der katholischen City-Kirche St. Michael der Opfer des Amoklaufs in Winnenden gedacht. Pfarrer Manfred Hösl hat in Zusammenarbeit mit der Schulleitung der Bonifatius Real- und Hauptschule eine kurze Andacht für die Schüler organisiert.

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