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„Die krassesten Tage unseres Lebens“

Göttinger in Idomeni „Die krassesten Tage unseres Lebens“

Tränengaseinsätze, überfüllte Flüchtlingslager und Lebensmittelengpässe: Einige Göttinger sind derzeit in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze und erleben dort „die krassesten Tage ihres Lebens“.

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Kinder warten darauf, die Grenze passieren zu können.

Quelle: Georgi Licovski (dpa)

Göttingen. „Mittlerweile sind knapp 9000 Menschen hier, es wird immer voller“, schildert einer der Aktivisten die Lage am Grenzübergang Idomeni telefonisch. Im Hintergrund skandieren Menschen auf Englisch „macht die Grenze auf“. „Das sind Syrer“, erklärt er. Seit vergangener Woche sei auch für die der Weg über die Balkanroute nach Europa quasi versperrt.

Hunderte zogen zum Grenzübergang

Er und drei andere Göttinger sind seit gut einer Woche vor Ort, um die Geschehnisse dort zu dokumentieren. Sie berichten, zuletzt habe sich die Situation zugespitzt: Nachdem am Montag das Gerücht kursiert habe, die Grenze sei offen, sei am Grenzübergang die Lage eskaliert, erzählt er.

Hunderte seien zum Grenzübergang gezogen, die mazedonischen Behörden hätten aber nur 65 Familien durchgelassen. Nachdem andere Flüchtlinge versucht hätten, den Grenzzaun zu durchbrechen, habe die mazedonische Polizei dann Tränengas- und Schockgranaten eingesetzt, sagt der Aktivist ­— „Dabei war klar, dass da Kinder in der Menge sind.“

Wenig später habe er eine schreiende und weinende Frau getroffen, die, von Granaten geblendet, ihr Kind fallengelassen hatte. Lange Zeit seien die Aktivisten davon ausgegangen, dass das Baby in der „panischen Flucht“ vor den Granaten zertrampelt wurde. „Gott sei dank“ sei es aber in einer Krankenstation von Ärzte ohne Grenzen gefunden worden ­— dem Aktivisten zufolge „verletzt, aber lebendig“.

Lebensmittel reichen nicht aus

Ansonsten seien die Strukturen des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) und von Ärzte ohne Grenzen überfordert, berichtet er weiter. Die Lebensmittel reichten nicht aus, viele Menschen würden unter freiem Himmel schlafen. Zugleich versuchten mittlerweile viele, die hochgesicherte Grenze illegal zu überqueren.

Die Aktivisten hoffen nun, dass der EU-Gipfel am Montag, 7. März, eine Entspannung bringt. Auch wenn für sie „es die krassesten Tage unseres Lebens“ sind, wollen sie „auf jeden Fall“ weitermachen: Er habe noch nie etwas so richtiges gemacht, sagt der Göttinger.

Von Christoph Höland

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