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Einkommensverlust bei südniedersächsischen Landwirten

Dramatischer Absturz Einkommensverlust bei südniedersächsischen Landwirten

Die Preise für Milch sowie für Rind- und Schweinefleisch sind stark gesunken. Zwar leben die meisten Landwirte in Südniedersachsen vom Getreide-, Raps- und Zuckerrübenanbau, allerdings gibt es rund 100 Milcherzeuger, 100 Rinder- und bis zu 400 Schweinezüchter, die vom Preisverfall betroffen sind.

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Die Preise für Milch sowie für Rind- und Schweinefleisch sind stark gesunken. Zwar leben die meisten Landwirte in Südniedersachsen vom Getreide-, Raps- und Zuckerrübenanbau, allerdings gibt es rund 100 Milcherzeuger, 100 Rinder- und bis zu 400 Schweinezüchter, die vom Preisverfall betroffen sind.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Situation sei angespannt, die Stimmung schlecht, sagt Hubert Kellner, selbst Ferkelzüchter und Vorstandsvorsitzender des „Landvolk Göttingen Kreisbauernverbands“.

Laut Statistischem Amt der Europäischen Union haben die deutschen Landwirte 2015 einen Einkommensrückgang von 37,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen müssen. Lag beispielsweise der Milchpreis vor eineinhalb Jahren noch bei 35 Cent pro Liter, sind es jetzt 26 Cent.

„Landvolk“-Geschäftsführer Achim Hübner rechnet vor: „Ein Hof mit 100 Kühen, die im Durchschnitt jeweils 8000 Liter Milch im Jahr geben, hat vor eineinhalb Jahren 280000 Euro Umsatz gemacht – jetzt sind es, aufs Jahr hochgerechnet, nur noch 208000 Euro.“

1,25 Euro bekomme derweil ein Züchter derzeit pro Kilo Schweinefleisch, lange seien es 1,60 Euro, vor eineinhalb Jahren sogar 1,85 Euro gewesen. Drei Gründe seien für den Preisverfall verantwortlich: Erstens die ruinöse Preispolitik der großen Einzelhandelsketten.

Zweitens der Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015. Und drittens – der Hauptgrund – der von Moskau verhängte Importstopp für Lebensmittel als Antwort auf das vom Westen verhängte Embargo wegen des Ukraine-Konflikts.

Für Stefan Mann vom Vorstand des „Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter“ hat die Abschaffung der Milchquote hingegen den größten Anteil an der Misere. Sie habe eine Produktionssteigerung von rund zehn Millionen Tonnen nach sich gezogen, woraufhin aufgrund des viel zu großen Angebots die Preise in den Keller gegangen seien.

Stefan Mann macht dafür den einflussreichsten landwirtschaftlichen Interessenverband, den „Deutschen Bauernverband“, verantwortlich. Dieser habe die Quotierung als angebliche „Planwirtschaft“ bekämpft und Produktionssteigerungen um jeden Preis propagiert. Allerdings – die Milchpreise haben auch schon vor der Abschaffung der Quote stark geschwankt.

Dass die deutsche Landwirtschaft ihren Fokus auch auf den Export richtet, hält Bert Stoltenberg von der „Landwirtschaftlichen Beratung Göttingen“ dagegen für richtig. „Wir sind weltmarktfähig aufgestellt“, betont der Agrar-Ingenieur, darüber hinaus sollte die Bundesrepublik als globaler Akteur ihren Teil zur Welternährung beitragen. Das funktioniere allerdings nur mit professionellerer internationaler Vermarktung. „Da liegt in Deutschland noch einiges im Argen.“

Sollte sich die derzeitige Situation innerhalb des nächsten halben Jahres nicht verbessern, werde es möglicherweise vermehrt zu Aufgaben von Höfen kommen, so Hübner: „Dann könnte es richtig bitter werden.“

Von Hauke Rudolph

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