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Politiker und Elternrat kämpfen um Töpfe und für Geschwister

Linke fordern 4. IGS Politiker und Elternrat kämpfen um Töpfe und für Geschwister

Jetzt setzen sich auch Politiker und der Stadtelternrat dafür ein, an Göttinger Gesamtschulen die Geschwisterregelung weiter zuzulassen – ebenso eine Auswahl nach Leistungstöpfen. Eine anders lautende Rechtsauffassung der Landesschulbehörde verunsichert zurzeit vor allem Eltern.

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„Das bisher praktizierte Aufnahmeverfahren an unseren Gesamtschulen hat sich über viele Jahre bewährt“, sagte die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) am Montag.

Quelle: dpa

Göttingen. „Das bisher praktizierte Aufnahmeverfahren an unseren Gesamtschulen hat sich über viele Jahre bewährt“, sagte die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) am Montag. Gerade das differenzierte Losverfahren stelle eine gerechte Verteilung über alle Gesamtschulstandorte sicher. Allerdings sei auch die Sorge des Landkreises, dass leistungsschwächere Schüler durch die praktizierte Quotenregelung an Göttinger Gesamtschulen beim Losverfahren benachteiligt werden könnten, ernst zu nehmen. Die Quoten sollten überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Die Abschaffung der Geschwisterregelung wertete Andretta als familienpolitischen „Rückschritt in längst überwundene alte Zeiten“. Gerade der Geschwisterbonus ermögliche es Eltern von mehreren schulpflichtigen Kindern, sich besser für eine Schule engagieren zu können.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Göttinger Gesamtschulen bei der Anmeldung neuer Fünftklässler nicht mehr nach Leistungsniveau differenzieren und so ihre Schülerverteilung steuern dürfen. Auch die bevorzugte Aufnahme von Geschwisterkindern ist nach Ansicht der Landesschulbehörde nicht mehr zulässig.

Folgen die Gesamtschulen der Auslegung der Landesschulbehörde, wäre die Zusammensetzung der Schülerpopulation an den Gesamtschulen „reines Losglück“, kritisiert Ralf Ralle, Ratsherr der Göttinger Linken und langjähriger IGS-Lehrer. Das widerspreche ihrem erfolgreichen Grundkonzept. Ralle: „Seit Gründung der ersten Gesamtschulen in Niedersachsen gebe es einen Konsens: An Gesamtschulen sollen Kinder aller Leistungsgruppen unterrichtet werden – ähnlich wie an Grundschulen.“

Zugleich setzt sich Ralle für eine offizielle Erweiterung des Schuleinzugsbereiches der weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis ein, damit Göttinger ohne Weiteres die Oberschulen in Dransfeld und Groß Schneen besuchen können. Besser aber sei eine vierte IGS in der Stadt, um alle Anmeldungen für diese Schulform berücksichtigen zu können.

Die nicht mehr als rechtmäßig angesehene Anwendung der Geschwisterregelung zeige, „Wie weit entfernt die zuständigen Juristen von der Lebenswirklichkeit der Eltern sind“, beklagte der Vorsitzende des Stadtelternrates, Janek Freyjer. Die Geschwisterregelung entlaste viele Familien. Und Ziel der Eltern bei der Anmeldung an eine Schule „ist es doch, die beste Schule für unser Kind zu suchen“. Die Auswahl erfolge in der Regel nach Schulkonzept und Image und nicht nach einem Schulsystem. Das bisherige Göttinger Anmeldeverfahren mit getrennten Terminen für Gesamtschulen und Gymnasien garantiere ebenfalls Chancengleichheit. Dass die IGS Bovenden trotzdem nur schwach angewählt wird, habe einen einfachen Grund, so Freyer: Es fehle eine Oberstufe.

Einen Geschwisterbonus gibt es vor allem an der IGS in Geismar und in Weende. Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule wendet sie nicht verbindlich an.

Bei der Landesschulbehörde gibt es auch nach den ersten heftigen Elternprotesten „keinen neuen Sachstand“ zur Rechtslage. Zugleich verwies ein Sprecher der Behörde auf ein Gespräch der Schuldezernenten von Stadt und Landkreis kommende Woche mit Behördenvertretern.

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