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Europa der Vaterländer?

Empfang in Göttingen Europa der Vaterländer?

Ein "Europa der Vaterländer, wie es nationalistische Gruppen heute wollen", sagt Dietmar Nietan, "wäre eine Selbstverzwergung". Der Bundesvorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft sprach vor 140 Gästen des gemeinsamen Sommerempfanges von Europa-Union und Deutsch-polnischer und Deutsch-französischer Gesellschaft.

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Quelle: ck

Göttingen. Zum zum dritten Mal trafen sich die beiden Gesellschaften und die überparteiliche Europa-Union in Saal und Garten der Johannis-Gemeinde zum Europa-Empfang. Harm Adam, Vorsitzender von EU-Kreisverband und DPG, hatte diesmal den SPD-Bundestagsabgeordneten Nietan als Hauptredner gewinnen können. Schon Laure Dréano-Mayer, Leiterin der  Kultureinrichtung Antenne Métropol (eine Art kleineres Institute Francaise), hatte sich über den "stotternden Motor Europas", die "nicht mehr ganz so leidenschaftliche Ehe der deutsch-französischen Freundschaft" in Sorge geäußert. Keine zwei Länder in Europa hätten mehr Brücken und Netzwerke, die sie verbinden, darunter allein 2500 Städtepartnerschaften. Aber viele seien eingeschlafen. Wirtschaftlich gebe es eine "Tendenz der Ungleichheit". Der kulturelle Austausch und die Städtepartnerschaften müssten wieder belebt werden. Aus dem Weimarer Dreieck, das vor 25 Jahren als Kooperation zwischen Polen, Frankreich und Deutschland in Weimar gegründet wurde, müsse "endlich ein politisches Instrument" werden, sagte die Französin.Nietans Hauptforderung an die Europäer: Mehr aufeinander hören! Der Referent holte aus, verwies auf die Geschichte von Aufklärung und Freiheit in Europa, in der die drei Länder besondere Rollen spielten. Diese Freiheit, um die Europa in der Welt beneidet werde, müsse jetzt verteidigt werden. Die nationalistischen Kräfte in vielen europäischen Ländern, die heute Freiheit einschränken wollten, profitierten auch von der Haltung vieler westeuropäischer Politiker, dass sich die östlichen, neuen EU-Mitglieder anpassen müssten. Die "Feinde der Freiheit", so Nietan, nutzten das angeblich bürokratische Europa "als Mechanismus, um wieder zu Diktaturen zu kommen". Statt ein Europa der Nationen und damit der Vereinzelung anzustreben, sei es "eigentlich patriotisch, für ein starkes und geeintes Europa zu kämpfen, weil es nur so uns allen besser geht". Denn keine der europäischen Nationen sei stark genug, gegenüber den Weltmächten zu bestehen. Nur vereint sei Europa stark. "Aufeinander hören ist das beste Gegengift gegen eine Spaltung Europas."

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