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Ende erfolgreicher Entgiftung gefeiert

Entzugsklinik-Patienten verprügeln Farbigen Ende erfolgreicher Entgiftung gefeiert

Die Angeklagten hatten gerade eine erfolgreiche Alkohol-Entgiftung in der Asklepios-Klinik hinter sich. Das musste gefeiert werden. Hochgradig betrunken und angeblich unter Medikamenten haben sie in einem Linienbus einen Farbigen rassistisch beleidigt und zusammengeschlagen. Nun stehen sie vor Gericht.

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Am ersten Prozesstag kamen Staatsanwalt und Richter nicht weit.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Am ersten Prozesstag kamen Staatsanwalt und Richter nicht weit. Beide Angeklagten, ein 27 Jahre alter Einbecker, der aus der Haft vorgeführt wird, und ein 38-Jähriger aus Stadtoldendorf, räumen die ihnen vorgeworfenen Taten ein. Sie wollen aber unter Einfluss von reichlich Alkohol sowie unter Medikamenten gestanden haben, die ihnen zuvor zur Bekämpfung ihrer Alkoholsucht gegeben worden seien. Deshalb, so der eine, fehle ihm die Erinnerung an die Übergriffe im Bus, obwohl er mit "nur" 2,15 Promille für einen Alkoholiker nicht allzu alkoholisiert gewesen sei. Als 18-Jähriger habe er schon einmal mit 3,8 Promille einen Unfall gebaut.

Vorgeworfen wird den Angeklagten dies: Am 22. Februar gegen 20  Uhr soll einer von ihnen zunächst in der Innenstadt einen Farbigen um Zigaretten und Alkohol angeschnorrt haben. Als der nicht reagierte, sei er am Kragen erfasst und geschüttelt worden. Das Opfer lief davon, wurde verfolgt und am Gänseliesel mit der Faust gegen den Kopf geschlagen.

Gegen 20.08 Uhr bestiegen beide Angeklagten in der Jüdenstraße einen Bus. Darin saß ein Farbiger, den sie mit "Schokokrossi" beleidigten. Als sich der dunkelhäutige Fahrgast beim Fahrer in Sicherheit bringen wollte, wurde er als "Dreckschwein" und "Scheißneger" beleidigt, geschlagen und getreten. Erst ein Zeuge an der nächsten Haltestelle konnte die brutalen Übergriffe beenden. Sofort danach kam auch schon die Polizei.

Beide Angeklagten behaupten, es tue ihnen leid. Beide wollen "keine Rechten" sein. Einer verweist auf seine internationalen Bekannten. "Ich distanziere mich komplett von Ausländerfeindlichkeit", sagt einer. Woher der Hass kam, kann keiner erklären. Einer hat Entschuldigungsbriefe an die Opfer vorbereitet, doch von Täter-Opfer-Ausgleich, so Nebenklage-Anwalt Sven Adam, sei bisher nichts zu vernehmen. Adam beantragt einen Sachverständigen zur Frage, wie die angegebenen Sucht-Medikamente zusammen mit Alkohol gewirkt haben könnten. Das wollen auch die Verteidiger wissen. Der Prozess wird deshalb ausgesetzt und ein Sachverständigen-Gutachten wird beauftragt.

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