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Er ein Gerd Müller, sie eine tapfere Schneiderin

Diamantene Hochzeit Er ein Gerd Müller, sie eine tapfere Schneiderin

Gesundheitsreisen stehen heutzutage ja hoch im Kurs. In Katalogen ist dann von Wellness und Spa-Bereich die Rede. Marlies und Günter Burzlaff indes schwören auf die gute, alte Kneippkur.

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Seit 60 Jahren glücklich verheiratet: Günter und Marlies Burzlaff.

Quelle: Hinzmann

Seit 30 Jahren fahren sie daher jedes Jahr drei Wochen nach Bad Wörishofen im Allgäu. Das hat sich ausgezahlt, da sind sich die Eheleute sicher. Der Beweis: Heute feiern sie nicht nur ihre diamantene Hochzeit, sondern fühlen sich auch immer noch fit genug, um aufs Fahrrad zu steigen, den Garten zu pflegen oder Gymnastik zu machen.

Natürlich sind die Burzlaffs nicht mehr so agil wie damals, als sie sich Mitte der 40er Jahre kennen lernten. Wie auch? Auch eine Kneippkur kann das Altern schließlich nicht verhindern. Sportlich indes waren sie immer. Marlies spielte Feldhandball, Günter Fußball, beide beim MTV Markoldendorf, beide erfolgreich. Und da man sich in den Vereinen damals nicht nur zum Training traf, sondern auch abends zum Tanzen, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden näher kamen. 1950 läuteten die Hochzeitsglocken – und dann kamen auch schon die ersten Kinder. „Heute heißt es immer, dass man sich keine Kinder leisten kann. Das konnten wir früher auch nicht. Aber da haben wir gar nicht drüber nachgedacht. Es war einfach klar, dass wir eine Familie gründen“, sagt die 80-jährige Marlies Burzlaff.

Da störte es auch nicht, dass die junge Familie wegen der Wohnungsnot die ersten drei Jahre bei Marlies Eltern in Markoldendorf lebte und Günter Burzlaff berufsbedingt nur alle 14 Tage nach Hause kam. Er, der in Pommern geboren wurde und bei der damaligen deutschen Reichspost Kraftfahrzeugmechaniker gelernt hatte, war jetzt bei der Bundespost in Holzminden als Busfahrer tätig. Das hielt ihn aber nicht davon ab, für seinen Stammverein Tore zu schießen.

„Fußball war eben sein Leben“, sagt seine Frau, und erzählt, wie er einmal extra von Holzminden mit dem Rad etwa 30 Kilometer bis nach Markoldendorf fuhr, nur um ein Spiel nicht zu verpassen. „Da kam er angepest, hat sich umgezogen und ist zum Sportplatz gefahren, da spielten die aber schon zehn Minuten“, erinnert sie sich lachend. „Das war eben ein wichtiges Spiel“, sagt der 86-Jährige. „Und wir haben 4:3 gewonnen.“ Klar, dass er als gelernter Stürmer auch einen Treffer beisteuerte. „Er konnte gut Tore schießen, ähnlich wie der Gerd Müller“, sagt Marlies Burzlaff. Na, wehrt ihr Mann ab, der sei aber wohl noch ein bisschen besser gewesen als er.

Nach der Privatisierung des Kraftpost-Omnibusdienstes wechselte Günter Burzlaff 1962 zum Fernmeldeamt Göttingen. Dort war er bis zu seiner Pensionierung 1989 in leitender Position für die Arbeitssicherheit zuständig. Parallel leitete er die von ihm gegründete Fußball-Betriebssportgemeinschaft. „Ich war Spieler, Trainer und Vorsitzender in einer Person“, erzählt er. Auch im Ruhestand trainierte er noch einige Jahre mit, erst mit 78 Jahren hörte er auf. Die Hüfte. „Aber ich gehe noch heute hin und schaue zu, um den Kontakt aufrechtzuerhalten“, sagt er.

Zwei Jahre, nachdem Günter Burzlaff zum Fernmeldeamt gewechselt war, zog die Familie nach Geismar in ein Reihenhaus. Später kaufte das Paar vom Nachbarn noch 300 Quadratmeter Grundstück hinzu. Einen großen Garten wollten die Burzlaffs, da hatten sie immer von geträumt. Dort bauen sie noch heute Obst und Gemüse an. „Ich kann mir nicht vorstellen, wegen einem Bund Petersilie in den Supermarkt zu fahren“, sagt Marlies Burzlaff. Und wenn ihnen die Arbeit mal zu schwer wird, hilft Sohn Günther, eines von fünf Kindern. Marlies Burzlaff revanchiert sich in solchen Fällen mit einem guten Essen – Kartoffelpuffer mit Apfelkompott zum Beispiel.

Auch was die Kleidung anbelangt, war die Familie lange Zeit Selbstversorger. Schließlich ist Marlies Burzlaff gelernte Schneiderin. „Ich habe für alle genäht und gestrickt“, sagt sie. Und noch heute würden die Kinder und die sechs Enkelkinder zu Weihnachten Wollsocken von ihr bekommen. „Das sind einfach die Besten“, sagt sie. Sie meint wohl beide damit – die Kinder und die Socken.

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